Junges Deutschland (Literatur)

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Das Junge Deutschland war eine literarische Bewegung junger, liberal gesinnter Dichter in der Zeit des Vormärz, die etwa ab 1830 bestand und deren Schriften 1835 auf Beschluss des Frankfurter Bundestages verboten wurden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vertreter

Ihre wichtigsten Vertreter waren Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Theodor Mundt und Ludolf Wienbarg. Auch Heinrich Heine, Ludwig Börne und Georg Büchner wurden zeitweise dem Jungen Deutschland zugerechnet; in den weiteren Umkreis gehören auch Autoren wie Willibald Alexis, Adolf Glassbrenner oder Gustav Kühne. Der Name der Gruppe wird von Äußerungen Laubes und Gutzkows abgeleitet, insbesondere aber von Ludolf Wienbarg, der 1834 seine „Ästhetischen Feldzüge“ mit den programmatischen Worten begann: "Dir, junges Deutschland, widme ich diese Reden, nicht dem alten."


[Bearbeiten] Ziele

Gemeinsam war den Dichtern des Jungen Deutschland, dass sie sich gegen die restaurative und reaktionäre Politik Metternichs und der Fürsten des Deutschen Bundes wandten. Sie traten für demokratische Freiheitsrechte, soziale Gerechtigkeit sowie für die Überwindung überkommener religiöser und moralischer Vorstellungen ein. Den Idealismus der Klassik und Romantik lehnten sie als apolitisch und rückständig ab. Beide literarischen Richtungen waren ihnen zu realitäts- und lebensfern. Für die Jungdeutschen durfte Literatur nicht elitär sein; sie sollte vielmehr auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam machen. Sie sahen sich selbst als Erben und Fortführer der Aufklärung und wurden zu literarischen Wegbereitern der bürgerlich-liberalen Märzrevolution von 1848/49.

Weltanschaulich waren die Vertreter des Jungen Deutschland von Hegels Entwicklungslehre und vom utopischen Sozialismus Saint Simons beeinflusst. Nationalpolitisch erhofften sich die meisten die Einheit Deutschlands in der Form einer Republik und somit die Überwindung des Feudalismus.

Im Unterschied zu Zeitgenossen wie Georg Büchner oder zur späteren Dichtergeneration des Vormärz um Georg Herwegh, Ferdinand Freiligrath, Heinrich Heine und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ging es den Jungdeutschen allerdings nicht primär um einen politischen Umsturz. Sie strebten vielmehr eine vollständig neue, liberale Gesellschaft an, in der keine Autorität mehr unhinterfragt akzeptiert werden sollte. Für sie war Politik nur ein Bereich unter vielen, neben Moral, Religion, Ästhetik etc.

[Bearbeiten] Verbot

Auf Beschluss des Frankfurter Bundestages wurden im Dezember 1835 die Schriften der Gruppe, zu der "namentlich H. Heine" gerechnet wurde, in allen Staaten des Deutschen Bundes verboten. In der Begründung hieß es, die Jungdeutschen versuchten „in belletristischen, für alle Klassen von Lesern zugänglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören“.[1]

Den Anlass zum Verbot lieferte vermutlich der einflussreiche Literaturkritiker Wolfgang Menzel mit einer vernichtenden Rezension von Karl Gutzkows Roman "Wally, die Zweiflerin". Menzel wollte darin gesellschaftsgefährdende Pornographie und Blasphemie erkennen. Heinrich Heine, der sich nie dem Jungen Deutschland zugehörig fühlte, griff daraufhin in seiner Schrift „Über den Denunzianten“ Menzel auf das heftigste an.

Ein weiterer Grund für das Verbot dürfte auch der Verdacht gewesen sein, die Gruppe unterhielte Verbindungen zu dem im gleichen Jahr gegründeten politisch-revolutionären Geheimbund Junges Deutschland. Solche Verbindungen konnten aber nie belegt werden, obwohl beide Gruppierungen zum Teil ähnliche Ziele verfolgten.

[Bearbeiten] Jüngstes Deutschland

In Anlehnung an die Bewegung des "Jungen Deutschland" aus dem Vormärz, welche von manchen als Vorreiter für den später folgenden Naturalismus betrachtet wird, prägten die Brüder Hart 1878 den Ausdruck "Jüngstes Deutschland", der z. T. allerdings auch für antinaturalistische Strömungen verwendet wurde.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Auszug aus dem Verbotstext vom 10. Dezember 1835

[Bearbeiten] Literatur

  • Wulf Wülfing: Junges Deutschland. Texte - Kontexte, Abbildungen, Kommentar. München: Carl Hanser 1978 (Reihe Hanser 244). ISBN 3-446-12490-x
  • Manfred Schneider: Die kranke schöne Seele der Revolution. Heine, Börne, das Junge Deutschland, Marx und Engels. Bodenheim: Athenaeum 1980.
  • Hartmut Steinecke: Literaturkritik des Jungen Deutschland. Entwicklungen - Tendenzen - Texte. Berlin: Erich Schmidt 1982. ISBN 3-503-01682-1
  • Wulf Wülfing: Schlagworte des Jungen Deutschland. Mit einer Einführung in die Schlagwortforschung. Berlin: Erich Schmidt 1982 (Philologische Studien und Quellen 106). ISBN 3-503-01661-9
  • Helmut Koopmann: Das Junge Deutschland. Eine EInführung. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft 1993. ISBN 3-534-08043-2
  • Lothar Ehrlich / Hartmut Steinecke / Michael Vogt (Hgg.): Vormärz und Klassik. Bielefeld: Aisthesis 1999 (Vormärz-Studien I). ISBN 3-89528-184-0
  • Wolfgang Bunzel / Peter Stein / Florian Vaßen (Hgg.): Romantik und Vormärz. Zur Archäologie literarischer Kommunikation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bielefeld: Aisthesis 2003 (Vormärz-Studien X). ISBN 3-89528-391-6

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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