Gottfried Arnold (Theologe)
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Gottfried Arnold (* 5. September 1666 in Annaberg, Erzgebirge; † 30. Mai 1714 in Perleberg) war ein deutscher Theologe und machte sich um die Kirchengeschichtsschreibung verdient.
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[Bearbeiten] Leben
Gottfried Arnold studierte Theologie in Wittenberg. Da er sich nicht zur Übernahme eines Pfarramts entschließen mochte, ging er zu Philipp Jakob Spener nach Frankfurt am Main, wo er in Kontakt mit separatistischen Kreisen des radikalen Pietismus geriet. Er arbeitete in Dresden und Quedlinburg als Hauslehrer.
1698 wurde er als Professor der Geschichte an die Universität Gießen berufen, nachdem er das kirchengeschichtliche Werk Erste Liebe veröffentlicht hatte. Schon nach kurzer Zeit legte er jedoch seine Professur nieder und kehrte zurück nach Quedlinburg, wo 1699 sein Hauptwerk Unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie erschien. Darin vertrat er die Ansicht, dass die christliche Wahrheit von der Großkirche verraten und bei den von ihr Verfolgten und Außenseitern zu finden sei.
Am 5. September 1701 heiratete er Anna Maria Sprögel, die Tochter des Werbener Superintendenten Johann Heinrich Sprögel. 1702 wurde er Schloßpfarrer in Allstädt. Am Ende seiner Entwicklung steht die Rückkehr in die Kirche und die Zuwendung zu dem gemäßigten Pietismus nach der Art Speners. Wegen Verweigerung des Eides auf die Konkordienformel wurde er vorn Landesfürsten in Allstädt nicht mehr geduldet.
Die Strafmaßnahme ließ sich noch verzögern, da er unter den Schutz des preußischen Königs trat. Er wurde 1704 Pfarrer im altmärkischen Werben. 1707 trat Arnold sein Amt als Superintendent und geistlicher Inspektor in Perleberg an, wo er fast über seine Kräfte arbeitete. Von dieser Stellung aus verteidigte Arnold seine Entwicklung und seine im Alter gemilderten Anschauungen gegen die Angriffe der alten radikalen Freunde und der orthodoxen Theologen. Seine Stellung in der Geistes- und Frömmigkeitsgeschichte wird durch die in der „Kirchen- und Ketzerhistorie” durchgeführte, radikale Auffassung von der Geschichte des Christentums begründet.
Diese ruht auf der Voraussetzung, dass Frömmigkeit und Kirche, Religion und Recht, Erlebnis und Dogma unvereinbar sind, so dass alle Objektivationen des Religiösen als Verfallserscheinungen gewertet werden. Infolgedessen hat Arnold die große von ihm der Kirchengeschichtsschreibung gestellte Aufgabe, Geschichte der Frömmigkeit zu sein, selbst nicht lösen können. Für die Entstehung moderner historischer Prinzipien nimmt er eine Schlüsselstellung ein. Mit seiner Unparteyischen Kirchen- und Ketzerhistorie hat Arnold eine völlig neue Position in der Kirchengeschichtsschreibung bezogen und damit die kirchenhistorische Forschung grundlegend beeinflusst.
Als preußische Werber während eines Abendmahlsgottesdienstes am Pfingstfest 1714 in die Kirche eindrangen und einige junge Männer aus der Gemeinde als Soldaten wegschleppten, brach Arnold zusammen und starb wenige Tage später.
[Bearbeiten] Werke (Auswahl)
- Die Erste Liebe...Das ist, Wahre Abbildung der Ersten Christen. Frankfurt/M. 1696 u.ö.
- Unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie. Frankfurt/M. 1699 u.ö.
- Göttliche Liebesfunken aus dem großen Feuer der Liebe Gottes ..., Gedichte, Teil 1, Frankfurt/M. 1698, Teil 2, 1701
- Das Geheimnis der Göttlichen Sophia. Leipzig 1700
- Theologia experimentalis, 2 Teile, Frankfurt/M 1714
- Sämtliche geistliche Lieder, herausgegeben von C. C. E. Ehmann, 1856
[Bearbeiten] Kirchenlieder
- O Durchbrecher aller Bande
- So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen
- Unersättliche Liebe
[Bearbeiten] Literatur (Auswahl)
- Jürgen Büchsel: Gottfried Arnold: Sein Verständnis von Kirche und Wiedergeburt. Witten 1970 (Urspr. Diss. Marburg 1968)
- Irmfried Martin: Der Kampf um Gottfried Arnolds <Unparteyische Kirchen- und Ketzerhistorie>, Diss. Heidelberg 1972
- Traugott Stählin: Gottfried Arnolds geistliche Dichtung, Glaube und Mystik, Diss. Göttingen 1963 (Druck 1966)
- E. Seeberg: Gottfried Arnold - Mystiker d. Abendlandes, herausgegeben von R. F. Merkel, Band 3, 1934 (mit Vorrede).
- Katharina Greschat: Gottfried Arnolds "Unparteiische Kirchen- und Ketzerhistorie" von 1699/1700 im Kontext seiner spiritualistischen Kirchenkritik in Zeitschrift für Kirchengeschichte Band 116 (vierte Folge LIV) Heft 1 2005 Verlag W. Kohlhammer ISSN 0044-2925
- Dirk Fleischer: Zwischen Tradition und Fortschritt. Der Strukturwandel der protestantischen Kirchengeschichtsschreibung im deutschsprachigen Diskurs der Aufklärung, Waltrop 2006, S.23-69
[Bearbeiten] Werk- und Literaturverzeichnisse
- Gerhard Dünnhaupt, "Gottfried Arnold", in: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Bd. 1. Stuttgart: Hiersemann 1990, S. 314-352. ISBN 3-7772-9013-0
- Reinhard Breymayer: "Der wiederentdeckte Katalog zur Bibliothek Gottfried Arnolds", in: Dietrich Blaufuß und Friedrich Niewöhner (Hrsg.): Gottfried Arnold (1666-1714). Mit einer Bibliographie der Arnold-Literatur ab 1714 (zusammengestellt von Hans Schneider). Wiesbaden: Harrassowitz 1995 (Wolfenbütteler Forschungen, hrsg. von der Herzog August Bibliothek, 61), S. 55-143.
[Bearbeiten] Weblinks
- Druckschriften von und über Gottfried Arnold (Theologe) im VD 17
- Literatur von und über Gottfried Arnold (Theologe) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag (mit Literaturangaben) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Frank: Arnold, Gottfried. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 1, S. 587–588
| Personendaten | |
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| NAME | Arnold, Gottfried |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Theologe und Kirchengeschichtsschreiber |
| GEBURTSDATUM | 5. September 1660 |
| GEBURTSORT | Annaberg im Erzgebirge |
| STERBEDATUM | 30. Mai 1714 |
| STERBEORT | Perleberg |
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