Geschichte der Philosophie

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Die Geschichte der Philosophie bietet eine Übersicht der philosophischen Strömungen vom Beginn der europäischen Philosophie im Griechenland des 6. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Gegenwart.

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der Philosophie, dass die Philosophen zu allen Zeiten immer wieder mit völlig neuen Erklärungsmodellen daher gekommen sind. Anders als in den Sachwissenschaften gibt es in der Philosophie keinen oder kaum Wissensfortschritt im eigenen Fach. Hingegen müssen Philosophen sich zu allen Zeiten mit ihren Grundfragen an die jeweiligen Erkenntnisse der Sachwissenschaften anpassen und deren jeweils neuen Wissensstand zur Erklärung der Welt heranziehen. Aus diesem systematischen Unterschied zu den Wissenschaften erklärt sich das besondere Interesse der Philosophie an der eigenen Ideengeschichte.

Aus dieser Sichtweise ergeben sich die unterschiedlichen Aspekte zur Klärung des historischen Selbstverständnisses:

  1. Das Zusammentragen der Lebensdaten, Werke und Auffassungen der Philosophen der Vergangenheit ermöglicht eine Übersicht über das schon vorhandene Denken und die Entstehung der heutigen Positionen.
  2. Durch Ordnen und Erkennen von systematischen Zusammenhängen werden Begriffe und Grundgedanken geklärt.
  3. Die Kenntnis anderer Gedanken hilft den eigenen Denkrahmen zu erweitern.
  4. Man findet die im Laufe der Philosophiegeschichte immer wieder gestellten Fragen und die darauf gegebenen unterschiedlichen Antworten.
  5. Man kann versuchen festzustellen, ob es in der Philosophiegeschichte einen Fortschritt gibt, so etwas wie eine zielgerichtete Entwicklung.

Philosophiegeschichte kann man personenorientiert, werkorientiert oder problemorientiert angehen. Im Portal:Philosophie erfolgt eine Einteilung nach großen Epochen, wobei die wesentlichen Personen mit ihren wesentlichen Werken und ihre Antworten zu den wesentlichen Fragen herausgearbeitet werden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Einteilung der Philosophiegeschichte

Eine grobe Einteilung nach Epochen kann wie folgt vorgenommen werden:

Epoche Strömung
Antike VorsokratikerGriechische KlassikHellenismusSpätantike
Mittelalter PatristikScholastik
Frühe Neuzeit HumanismusRenaissance - Barockscholastik - Rationalismus - Empirismus - Aufklärung
19. Jahrhundert RomantikIdealismusPositivismusMaterialismusEigenständige DenkerNeukantianismusLebensphilosophiePragmatismus
20. Jahrhundert PhänomenologieKritischer RealismusPhilosophische AnthropologieNeopositivismusAnalytische Philosophie / SprachphilosophieExistenzphilosophieHermeneutikNeomarxismus / Kritische TheorieKritischer Rationalismus / WissenschaftstheorieStrukturalismus
Gegenwart PoststrukturalismusPostmoderne

Bei einer so groben Unterteilung gehen selbstverständlich viele einzelne Gesichtspunkte und Meinungen unter. Deren Betrachtung soll den einzelnen Abschnitten über die jeweiligen größeren Perioden vorbehalten bleiben. Die Einteilung beinhaltet des Weiteren eine Ausblendung der nichteuropäischen Philosophiegeschichte, da diese vor allem in China und Indien weitgehend eigenständig verlief und einer gesonderten Darstellung bedarf. Eine Betrachtung der Philosophiegeschichte kann natürlich nicht unabhängig von der allgemeinen politischen und kulturellen Geschichte und der geistesgeschichtlichen Entwicklung vorgenommen werden.

[Bearbeiten] Wichtige Personen der Philosophiegeschichte

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[Bearbeiten] Sichtweisen der Philosophie

Wenn man sich mit der Geschichte der Philosophie befasst, sollte man sich auch immer darüber im Klaren sein, dass man dies mit einer vorgeprägten Sichtweise aufgrund der eigenen Vorbildung und Einstellungen und damit interpretierend tut.

[Bearbeiten] Philosophie als Gegenbegriff zur Religion

Die ersten Philosophen, die sich selbst so bezeichneten – Platon und Sokrates – verstanden Philosophie als Alternative zur mythischen Religion und ihrer Ordnung. Indem der Mensch selbst durch philosophisches Nachdenken und Diskutieren – auch Philosophieren genannt – die Welt erklärt, emanzipiert er sich von der Welt des Aberglaubens, der Priesterherrschaft und der Götter. Sokrates wurde deshalb als Verderber der Jugend hingerichtet. In der Spätantike kam es vor allem durch Augustinus zur Verbindung von Philosophie und christlicher Theologie. Die Philosophie geriet in die Rolle der Magd der Theologie. Mit Bekanntwerden der Schriften des Aristoteles im 13. Jahrhundert wurde die Philosophie aufgewertet und insbesondere durch Thomas von Aquin mit der Theologie in einer philosophiegeschichtlich besonders wirksamen Synthese von Glaube und Wissenschaft harmonisch verbunden. Erste Trennungen finden sich bei Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham. Beginnend mit der Renaissance erfolgte in der Neuzeit eine schrittweise Säkularisierung, die zu einer grundlegenden Trennung in der Aufklärung führte.

Bis in die Gegenwart lehnen viele Philosophen weitgehend die Religion ab und betrachten die Philosophie als der Religion überlegen. Die Spannung zwischen Philosophie und Religion wird eindrücklich in dem Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco geschildert, wo es den Mönchen verboten ist, Schriften des Philosophen Aristoteles zu lesen. Andererseits gab es immer wieder mathematisch und naturwissenschaftlich hoch gebildete Philosophen von Blaise Pascal bis Carl Friedrich von Weizsäcker, die ihre Positionen aus einem tiefen Glauben heraus begründen.

[Bearbeiten] Philosophie als Bezeichnung einer Fachwissenschaft

Seit dem Mittelalter ist Philosophie ein universitäres Lehrfach. Es war zunächst ein ergänzendes und hierarchisch untergeordnetes Lehrfach zur Theologie. Erst seit der Säkularisation im 17. Jahrhundert sind Philosophie und Theologie weitgehend getrennt. Mit Kant und Nietzsche ging die Hoffnung auf metaphysische Gewissheit verloren. Nikolaus Kopernikus, Charles Darwin und Albert Einstein veränderten das Weltbild gravierend. Aussagen über das Sein, den Sinn des Lebens, aber auch über den Ursprung der Werte wurden fraglich. In der Moderne verbleibt der Philosophie überwiegend die Aufgabe der Reflexion und der Diskussion mit den Fachwissenschaften über ihre Voraussetzungen, d.h. die Bedingungen der Möglichkeit Wissen zu erlangen. Die seit dem 18. Jahrhundert an den großen Universitäten eingerichteten philosophische Lehrstühle gerieten im 19. und 20. Jahrhundert in ihrer inhaltlichen Ausrichtung zunehmend unter den Spezialisierungsdruck der sich verselbständigenden Fachwissenschaften. Seit der Aufklärung, aber besonders unter dem Eindruck des sowjetischen Marxismus und vor allem des Nationalsozialismus wurden Ideologie und Totalitarismus immer mehr Feindbilder der Philosophie. So findet der Diskurs der Philosophie an den Universitäten häufig nicht nur von der Religion, sondern auch von den Sozialwissenschaften, von Literatur und Kunst weitgehend abgetrennt als theoretische Philosophie mit einer starken Betonung von Wissenschaftstheorie, Sprachanalyse und Logik statt. Darüber hinaus sind die Universitäten in ihrem Selbstverständnis geprägt durch die Vermittlung der sogenannten philosophischen Disziplinen Logik, Ethik, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und Philosophiegeschichte im Rahmen der Lehrerausbildung. Dennoch gibt es auch in der Fachwissenschaft immer wieder Impulse am öffentlichen Diskurs der Gegenwart teilzunehmen wie z.B. in ethischen Fragen zur Technik, zur Ökologie, zur Genethik, in der Medizin oder in der interkulturellen Philosophie.

[Bearbeiten] Philosophie als populäre Weisheit

Seit im 18. Jahrhundert die Aufklärer Voltaire, Rousseau und Diderot (als Impulsgeber der Enzyklopädie mit dem Ziel der Aufklärung durch Wissen) in Frankreich philosophes genannt wurden, versteht man hier in der Tradition von Montaigne allgemein unter Philosophen gelehrte Schriftsteller, die sich über populäre, also über alle angehende Themen auslassen – so auch Goethe und Schiller. Denker des 18. und 19. Jahrhunderts wie Adam Smith, Abraham Lincoln, Jean Paul, Friedrich Nietzsche, Emile Zola, Leo Tolstoj, Karl Marx, Sigmund Freud oder Søren Kierkegaard wurden ebenso populär als Philosophen verstanden, wie in der Gegenwart so unterschiedliche Geister wie Erich Fried, Ernst Jünger, Robert Jungk, Paul Watzlawick, Hans Magnus Enzensberger, Umberto Eco, Carl Friedrich von Weizsäcker, Stanisław Lem und Peter Sloterdijk. Sie alle haben keine philosophischen Lehrstühle, reflektieren aber die Philosophiegeschichte und geben philosophische Orientierung.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Allgemeine Philosophiegeschichten

  • Ernst von Aster, Ekkehard Martens: Geschichte der Philosophie. 18. Aufl. Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-10818-6
  • Rüdiger Bubner (Hrsg.): Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung. 8 Bde. Reclam, Stuttgart 1978-1984 (u.ö.)
  • Frederick Copleston: A history of philosophy. 12 Bde. Continuum, London u.a. 2003.
  • Christoph Helferich: Geschichte der Philosophie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart und Östliches Denken. 5. Aufl. dtv, München 2002, ISBN 3-423-30706-4
  • Otfried Höffe: Kleine Geschichte der Philosophie. Beck, München 2005, ISBN 3-406-51104-X
  • Wolfgang Röd: Geschichte der Philosophie. 12 Bde. 2. Aufl. Beck, München 1986-2004.
  • Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. 2 Bde. 14. Aufl. Freiburg i.Br. , Herder 1991, ISBN 3-451-22408-9
  • Bertrand Russell: Denker des Abendlandes. Eine Geschichte der Philosophie. 7. Aufl. dtv, München 2004, ISBN 3-423-30019-1
  • Bertrand Russell: Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung. 6. Aufl. Parkland (u.a.), Köln 2003, ISBN 3-88059-965-3
  • Ernst R. Sandvoss: Geschichte der Philosophie. 2 Bde. marix, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-10-X, ISBN 3-937715-10-X
  • Franz Schupp: Geschichte der Philosophie im Überblick, 3 Bde., Hamburg 2005, ISBN 378731704X.
  • Robert C. Solomon, Kathleen M. Higgins: Eine kurze Geschichte der Philosophie. Piper, München u.a. 2000, ISBN 3-492-04185-X
  • Volker Spierling: Kleine Geschichte der Philosophie. 50 Porträts von der Antike bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Piper, München u.a. 2004, ISBN 3-492-23625-1
  • Friedrich Überweg, Helmut Holzhey (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Neubearb. Schwabe, Basel 1983ff.
  • Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe, erweiterte Ausgabe. München: Nymphenburger 1973, ISBN 348500863X, Neuauflage 2000. (Eine sehr leichtfüßige Einführung in das Denken der wichtigsten Philosophen von den alten Griechen bis zur Neuzeit)

[Bearbeiten] Spezielle Philosophiegeschichten

  • Wolfgang Bauer (hrsg. von Hans van Ess): Geschichte der chinesischen Philosophie. Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47157-9
  • Maurice-Ruben Hayoun: Geschichte der jüdischen Philosophie. WBG, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-10260-6
  • Geert Hendrich: Arabisch-islamische Philosophie. Geschichte und Gegenwart. Campus, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37583-4
  • Heinrich Simon, Marie Simon: Geschichte der jüdischen Philosophie. Reclam, Leipzig 1999, ISBN 3-379-01656-X

[Bearbeiten] Weblinks

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