Geschichte Serbiens/Von den Befreiungskriegen 1804 bis heute
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
[Bearbeiten] Die Unabhängigkeit Serbiens
Nach der Eroberung Serbiens durch die Osmanen 1459 verschwand Serbien von der Landkarte.
Erst knappe 350 Jahre später gelang es den Serben unter Djordje Petrović, genannt Karadjordje (schwarzer Georg) im Ersten serbischen Aufstand (1804) weite Teile Serbiens zu befreien.
Dieser Aufstand wurde jedoch 1813 von den Osmanen niedergeschlagen.
Ihm folgte 1815 der Zweite serbische Aufstand, dieses mal unter Miloš Obrenović. Den Serben wurde 1817 ein autonomes Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit zugesprochen mit Belgrad als Hauptstadt. 1833 gelang Serbien seine Grenzen leicht nach Süden und Osten (bis zum Fluss Timok) zu verschieben, was dazu führte dass es nun eine direkte Grenze zur Walachei hatte und somit, von den Osmanen und den Habsburgern ungestört, engere Beziehungen zu Russland aufbauen konnte.
1867 gelingt es den Serben unter Fürst Mihailo Obrenović die Osmanen in ihrem Fürstentum endgültig zu besiegen.
Durch den Berliner Kongress, welcher vom 13. Juni 1878 bis zum 13. Juli 1878 abgehalten wurde, wird die Unabhängigkeit des Fürstentums Serbien anerkannt. Zudem erhält Serbien Gebietsgewinne im Süden (um Vranje herum, heute bekannt als Pčinjski Okrug).
1882 wird Serbien zum Königreich erklärt, mit Belgrad als Hauptstadt.
Die Geschichte Serbiens nach der Befreiung von den Osmanen war eine wechselvolle Periode der Serbischen Geschichte. Das 20. Jahrhundert war von gleich sieben Kriegen gekennzeichnet: Dem ersten und zweiten Balkankrieg und dem kurz darauf folgenden Ersten Weltkrieg, an dessen Ende der Grundstein für die Gründung von Jugoslawien gelegt wurde. Dann der Zweite Weltkrieg, in dem die Partisanen unter Josip Broz Tito sich gegen die Naziherrschaft erfolgreich wehrten, was die sozialistische Nachkriegsperiode einläutete. In den 90er Jahren schließlich brach Jugoslawien in den drei blutigen Jugoslawienkriegen wieder auseinander, und Serbien sieht einer ungewissen Zukunft entgegen.
[Bearbeiten] Die Bosnienkrise
1908 wurde Bosnien-Herzegowina von Österreich-Ungarn annektiert. Dies führte zu einem ernsten und dramatischen europäischen Konflikt, die sog. Bosnische Annexionskrise: Protest seitens des Osmanischen Reiches; Entrüstung in Serbien, das seine nationalen Pläne durchkreuzt sah und mit einer Mobilmachung antwortete; Russland stieß in der so genannten Meerengenfrage (Öffnung des Bosporus und der Dardanellen) auf britischen Widerstand, glaubte sich von Österreich-Ungarn ebenfalls überspielt und stellte sich hinter Serbien; Großbritannien bestärkte nun Russland und forderte eine internationale Konferenz zur Klärung der bosnischen Frage, die aber von Österreich-Ungarn abgelehnt wurde; Italien sprach sich gegen eine Machterweiterung Österreich-Ungarns und zur Erhaltung des Status quo am Balkan aus; Frankreich hielt sich zurück, da es sich einer militärischen Kraftprobe noch nicht gewachsen zu sein glaubte; und Deutschland hielt fest zu Österreich-Ungarn, lehnte jedoch die Präventivkriegsabsichten des österreichischen Generalstabs zur sog. Abrechnung mit Serbien ab. Deutschland warnte Russland vor Unterstützung Serbiens in der als Demütigung empfundenen Petersburger Note und zwang es, auf Serbien einzuwirken, die Annexion anzuerkennen. Russland beabsichtigte jedoch, Serbien gegen jede zukünftige Drohung seiner Unabhängigkeit zu verteidigen.
Die Bosnienkrise löste die Mazedonienkrise ab. Schon im 19. Jahrhundert wurde Mazedonien zum bulgarisch-griechisch-serbischen Streitobjekt. Bulgarische, griechische und serbische Freischärler, die Komitadschi, Klephten und Tschetniks kämpften um Einfluss.
[Bearbeiten] Die Balkankriege
[Bearbeiten] Erster Balkankrieg 1912
1912 vermittelte Russland ein Balkanbündnis zwischen Bulgarien, Griechenland und Serbien, dem sich auch Montenegro anschloss. Es kam im Oktober 1912 zum 1. Balkankrieg. Mazedonien sollte laut einem nicht offiziellen Einverständnis zwischen Bulgarien und Serbien aufgeteilt werden. Bulgarien sollte den größeren Teil Mazedoniens bekommen, Serbien den Nordwesten sowie einen Zugang zum Meer durch Nordalbanien, das durch eine Unterstützung Bulgariens gedeckt werden sollte.
Die Offensive der Balkanstaaten begann am 17. Oktober 1912. Die serbische und die griechische Armee marschierte in Mazedonien ein, die bulgarische Armee in Thrakien. Die montenegrinischen Truppen spielten kaum eine Rolle. Die griechische Armee eroberte Saloniki, nachdem serbische Truppen die osmanischen in den Schlachten von Kumanovo (24. Oktober) und Monastir (5. November) besiegt hatten. Die bulgarische Armee siegte bei Kirk Kilissa und Lüle Burgas. Im November belagerte sie bereits Konstantinopel.
Eine Friedenskonferenz in London über den Jahreswechsel 1912/13 brachte keine Ergebnisse, da die Großmächte keinen Kompromiss zwischen ihren unterschiedlichen Interessen in der Region finden konnten. Am 23. Januar 1913 putschten sich die Jungtürken unter Enver Bey in Konstantinopel an die Macht und schlossen einen Waffenstillstand. Trotzdem hielten die Belagerungen an, bis auch Scutari, Janina und Adrianopel kapitulierten. Die Großmächte zwangen nun den kriegführenden Staaten ihre Friedensbedingungen auf.
[Bearbeiten] Zweiter Balkankrieg 1913
Im Streit um die Grenzziehung in Mazedonien griff Bulgarien, das seine Kräfte überschätzte, in Juni 1913 Serbien an, um ein fait accompli zu schaffen; der 2. Balkankrieg begann. Bei Bregalnica in Mazedonien wurde die bulgarische Armee geschlagen. Daraufhin erklärten Griechenland und Montenegro Bulgarien den Krieg, dem sich am 15. Juli 1913 auch Rumänien wie auch das Osmanische Reich anschlossen. Das führte zum endgültigen militärischen Zusammenbruch Bulgariens. Österreich-Ungarn drohte zugunsten Bulgariens einzugreifen, wurde aber von Deutschland und Italien zurückgehalten. Im Frieden von Bukarest vom 10. August 1913 kam das heutige Mazedonien zu Serbien.
[Bearbeiten] Erster Weltkrieg
Aus den Balkankriegen ging Serbien als politisch gestärkte Macht hervor. Dies führte zu Spannungen mit dem benachbarten Österreich-Ungarn, das bereits 1908 Bosnien und Herzegowina formlos annektiert hatte. Serbische wie bosnische Nationalisten strebten die Verdrängung Österreich-Ungarns vom Balkan an.
Die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers, Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este, am 28. Juni 1914 durch den jungen serbischen Studenten Gavrilo Princip, hinter dem die Offiziersverschwörung Schwarze Hand vermutet wird, galt als der Vorwand für den Angriff Österreich-Ungarns auf Serbien, der zum Ersten Weltkrieg führte. Das Motiv hinter dem Attentat war offenbar, ein Fanal zu setzen, um den Zusammenhalt der Donaumonarchie weiter zu lockern und die Serben innerhalb seiner Grenzen zum Widerstand zu bewegen, mit dem Fernziel einer Anexion serbisch bevölkerter Gebiete Österreich-Ungarns und der Schaffung eines Staates, der alle Südslawen (auch die Bulgaren) unter serbischem Szepter vereinen sollte. Unglücklicherweise hatte die Schwarze Hand den Bogen überspannt, und Österreich brannte auf Rache an seinem Angstgegner Serbien, der in kurzer Zeit sehr an Macht gewonnen hatte. Das kam dem K.u.K. Generalstab sehr gelegen, der schon lange einen Krieg gegen Serbien ins Auge gefaßt hatte.
Am 6. Juli versicherte das Deutsche Reich die unbedingte Bündnistreue zu Österreich-Ungarn (Blankovollmacht) im Fall eines Krieges mit Serbien und Russland. Daraufhin Besuch des französischen Präsidenten Poincaré und des Ministerpräsidenten Viviani in Russland. Nach ihrer Abreise stellte Österreich-Ungarn am 23. Juli an Serbien ein Ultimatum mit sechs Bedingungen, die u.a. die Bekämpfung der gegen Österreich-Ungarn gerichteten Aktivitäten unter österreichisch-ungarischer Beteiligung und Bestrafung der Schuldigen vorsahen.
Die serbische Regierung akzeptierte fünf der sechs Bedingungen, verwahrte sich jedoch gegen die letzte Bedingung, der Einschränkung der Souveränität Serbiens, und beschloss die Teilmobilmachung der Armee. Woraufhin Österreich-Ungarn die Antwort Serbiens für „unbefriedigend“ befand und ebenfalls mit einer Teilmobilmachung begann. Trotz deutscher und englischer Vermittlungsversuche (Vorschlag einer Botschafterkonferenz und direkte Verhandlungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn), erklärte Österreich-Ungarn Serbien am 28. Juli den Krieg. Russlands Mobilmachung zur Unterstützung Serbiens brachte der Reihe nach gegenseitige Ultimaten und Kriegserklärungen der europäischen Großmächte in der ersten Augustwoche, womit der Erste Weltkrieg begann. Dabei arbeitete die serbische Armee Hand in Hand mit dem montenegrinischen Milizheer.
Die drei Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee gegen Serbien scheiterten (August, September und November - Dezember 1914), obwohl die serbische Armee an Soldaten und Ressourcen der österreichisch-ungarischen unterlegen und durch die Balkankriege 1912-1913 ebenfalls geschwächt war. Besonders die ersten österreichisch-ungarischen Offensiven waren von schweren Übergriffen gegen die serbische Zivilbevölkerung begleitet. Außerdem waren im Land Seuchen ausgebrochen, die ab 1915 die Zivilbevölkerung und Armee dezimierten. Dem Heer fehlte es an fast allem, der Abwehrkampf hatte viele Ressourcen und Kriegsmaterial verschlissen. Sogar Uniformen waren so schwer aufzutreiben, daß man die österreichischen Uniformen gefallener Gegner wiederverwendete. Dabei stand fast jeder, der eine Waffe halten konnte, an der Front, selbst Frauen wurden Soldaten.
Die Ententemächte verlangten von Serbien eine Entlastungsoffensive gegen Bosnien, um den Russen Luft zu verschaffen und eine weitere Front gegen Österreich-Ungarn aufzubauen. Die Serben besetzten stattdessen im Juli 1915 das praktisch in Anarchie zurückgefallene Albanien, angeblich um italienischen Ambitionen zuvorzukommen, aber auch um einen eigenen Seezugang zu erhalten. Großbritannien und Frankreich schickten Waffen und Versorgungsgüter, um die serbische Armee für eine kommende Offensive zu stärken.
In Oktober 1915 schloss sich Bulgarien den Mittelmächten Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich an, und am 6. Oktober begann unter deutschem Oberkommando eine von langer Hand geplante gemeinsame Offensive gegen Serbien, die in kurzer Zeit die serbischen Armeen trotz heftigen Widerstandes überrannte. Nur durch einen schnellen Rückzug in Richtung Südwesten entgingen die Reste der serbischen Streitkräfte der Einkreisung und Vernichtung. Die im Kosovo versammelten Heerestrümmer zählten nur noch 300.000 Soldaten, nicht einmal ein Drittel der Gesamtstärke vor Beginn der gegnerischen Offensive, aber beschwert um zahllose Flüchtlinge. Ohne Versorgung und Ruhemöglichkeit zogen sich die Serben durch unwegsames Bergland in winterlichem Wetter unter unbeschreiblichen Umständen bis an die Adria zurück, dabei starben durch Hunger, Seuchen, feindliche Angriffe und die Übergriffe albanischer Partisanen ein Großteil der Fliehenden, Zivilisten wie Soldaten. Ohne den Rückhalt Serbiens brach auch Montenegro bald zusammen, und die Mittelmächte stießen nach Albanien hinein vor. Allerdings wurden auch sie durch das schlechte Wetter und das weglose Land behindert, so daß die Serben ihrem Zugriff immer wieder entschlüpften. 125.000 Zivilisten und 30.000 Soldaten schafften es bis zur Küste, und selbst nach der Evakuierung starben viele an den Folgen der Entbehrungen auf der Flucht. Bis zum Dezember 1915 besetzten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen ganz Serbien. Die Reste der serbischen Armee mitsamt der serbischen Regierung konnte sich nach Korfu absetzen, Serbien selbst sollte zwischen Bulgarien und Österreich-Ungarn aufgeteilt werden.
1916 wurde die serbische Armee mit Unterstützung Frankreichs und Großbritannien reorganisiert (vier serbische Divisionen und eine „jugoslawische“ Freiwilligendivision, zumeist Serben aus Österreich-Ungarn und Emigranten) und an der Saloniki-Front eingesetzt.
Im besetzten Serbien führten die Mittelmächte ein strenges Besatzungsregiment, und die Serben leisteten mit Partisanenaktionen heftigen Widerstand, den die Besatzer ihrerseits mit Greueltaten vergalten. Im Februar 1917 entflammte ein Volksaufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Mitglieder der Schwarzen Hand, unter ihnen ihr Anführer, Oberst Dragutin Dimitrijević, wurden eines Anschlages gegen den serbischen Thronfolger Alexander verdächtigt und durch ein Militärgericht zum Tode verurteilt.
An der Saloniki-Front gab es bis September 1918 keine nennenswerten Veränderungen. Mitte September wurde schließlich die bulgarische Armee durch einen erfolgreichen Angriff der alliierten Orientarmee besiegt. Die serbische Armee begann mit Unterstützung zweier französischer Divisionen mit der Rückeroberung Serbiens. Die österreichisch-ungarische Armee wurde am 3. Oktober bei Leskovac geschlagen, am 28. Oktober zog sie sich aus Belgrad zurück.
[Bearbeiten] Politische Folgen
Die Rückeroberung Serbiens und der Platz an der Seite der Siegermächte des Ersten Weltkrieges ermöglichten Serbien, am 1. Dezember 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zu begründen, das sich ab 1929 Jugoslawien nennen sollte. Schon am 25. November beschloss die Volksversammlung der Vojvodina die Vereinigung mit Serbien, am 29. November folgte dem die Nationalversammlung Montenegros. Zudem erhielt Serbien Gebiete im Osten (Caribrod, Bosilegrad, Strumica), welche Bulgarien als Verlierer des Ersten Weltkrieges abtreten musste. Rechts auf der Karte sieht man das Territorium des Königreichs Serbien nach der Angliederung der Vojvodina, Montenegros und der Gebiete im Osten im Jahr 1919 (Jedoch bestand das Königreich Serbien innerhalb des neuen Staates nicht in diesen Grenzen; Es wurde - wie das gesamte Gebiet des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen - in Banschaften (banovine) aufgeteilt (siehe dazu die Karte weiter unten).
[Bearbeiten] Kriegsfolgen
Das Königreich Serbien zählte Anfang 1914 rund 4,5 Millionen Einwohner. In den vier Kriegsjahren sind nach serbischen Angaben circa. 1,1 Millionen Menschen oder 24% der Gesamtbevölkerung des Königreichs ums Leben gekommen. Es sind ca. 60.000 Zivilisten mit oder ohne Verfahren exekutiert worden; weitere 400.000 sind aufgrund von Epidemien, Kälte, Hungersnöten und Krankheiten gestorben, viele davon auf dem schrecklichen Rückzug zur Adria. Von allen wehrfähigen Männern hat nur die Hälfte überlebt, das serbische Heer zählte allein 360.000 Mann Verluste. Das Land selbst war in den Kriegsjahren ausgeplündert worden, die Wirtschaft zerstört. Um die Not zu lindern, wurden rigorose Beschlagnahmungen von Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Ressourcen in den neuen jugoslawischen Ländern, die vom Krieg verschont wurden, durchgeführt, was zu den ersten Krisen des neuen jugoslawischen Staates führte.
[Bearbeiten] Serbien im Ersten Jugoslawien
Am Ende des Ersten Weltkrieges wurde Österreich-Ungarn aufgelöst und das Staatengefüge in Mittel- und Osteuropa vollkommen neu geordnet.
Aus Serbien, dem bis dahin unabhängigen Montenegro sowie den meisten südslawisch besiedelten Ländern Österreich-Ungarns entstand 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Jugoslawien nannte.
Das Territorium Jugoslawiens wurde in neun Banschaften neugegliedert. Die Grenzen der Banschaften entsprachen nicht den bis dahin geltenden Grenzen. Ihre Bezeichnungen wurden von den Flüssen, welche sie durchflossen (mit Ausnahme der Primorska Banovina (Banschaft Küstengegend), sie lag am Meer und erhielt daher ihren Namen), abgeleitet.
Das Territorium Serbiens vor dem Ersten Weltkrieg entfiel im neuen Staat auf fünf Banovine (Vardar, Morava, Zeta, Drina, Donau). Die mehrheitlich von Serben bevölkerte Banovina Vrbas (Banschaft Vrbas) wurde nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls als eine serbische Banschaft angesehen.
[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg
Hauptartikel: Serbien im Zweiten Weltkrieg
Im 2. Weltkrieg konnten sich nur Jugoslawien und Albanien erfolgreich selbst von der deutschen Besatzung befreien. Dies war vor allem auf die Partisanen unter der Führung von Josip Broz Tito zurückzuführen, die durch britische Waffenhilfe unterstützt wurden.
[Bearbeiten] Serbien im sozialistischen Jugoslawien
Am 29. November 1943 wurde Jugoslawien als sozialistischer Staat neu gegründet. Die sozialistische Republik Serbien wurde eine von sechs Teilrepubliken in Jugoslawien. Die südserbische Region Makedonien wurde von Serbien getrennt und bekam den Status einer eigenständigen Teilrepublik Jugoslawiens. Montenegro bekam ebenfalls den Status einer eigenstädniden Teilrepublik.
Innerhalb der Teilrepublik Serbien wurden zwei autonome Provinzen eingerichtet: Im Norden die Vojvodina (mit einer ungarischen Minderheit) und im Süden das Kosovo und Metochien (mit einer albanischen Mehrheit). Der Vojvodina wurde die Baranja (heute Teil Kroatiens) entnommen, dafür erhielt sie den größten Teil des hauptsächlich von Serben besedelten Syrmien (davor Teil Slawoniens). Mit dieser Aufteilung Serbiens versuchten die jugoslawischen Kommunisten das Gleichgewicht zwischen Serbien und den restlichen Teilrepubliken zu halten. Serbien wurde politisch geschwächt. Siehe dazu auch: Geschichte Jugoslawiens.
[Bearbeiten] Die Jugoslawienkriege (1991-1999)
1987 fordern serbische Intellektuelle im Sanu Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum propagiert unter anderem einen „Genozid“ am serbischen Volk im Kosovo und eine antiserbische Verschwörung Kroatiens, Sloweniens gegen Serbien. Intellektuelle und Politiker der anderen Völker Jugoslawiens reagierten auf die Forderung aus Belgrad mit eigenen nationalen Programmen. Zwischen den Teilnehmerstaaten breitete sich eine zunehmend vergiftete Atmosphäre aus. In Zusammenhang mit den politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/1990 bildeten sich dann auch in Jugoslawien neue Parteien und es kam 1990 zu ersten freien Wahlen in einigen Republiken, die mehrheitlich von nationalistisch agierenden Parteien gewonnen wurden. Daraufhin proklamierten am 25. Juni 1991 zunächst Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von der Belgrader Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Die jugoslawische Zentralregierung suchte die Unabhängigkeitsbestrebungen militärisch niederzuwerfen, um den Staat zu erhalten.
[Bearbeiten] Der 10-Tage-Krieg in Slowenien
Am 25. Juni 1991 löste sich Slowenien aus dem Staatsverband Jugoslawien und erklärte seine Unabhängigkeit, was eine militärische Intervention der Jugoslawischen Volksarmee auslöste. Im so genannten "10-Tage-Krieg" wurde eine Besetzung des Landes durch die Armee jedoch durch relativ gut organisierten Widerstand verhindert. Es kam lediglich zu kleineren Gefechten zwischen slowenischen Polizisten und jugoslawischen Soldaten vor allem an internationalen Grenzübergängen, als die slowenische Landespolizei dort die Kontrolle übernahm. Deshalb kam es auch zu keinen nennenswerten Zerstörungen, was die Entwicklung der slowenischen Wirtschaft nach der Unabhängigkeit begünstigte. Die Gefahr eines Bürgerkriegs, wie er in anderen Teilen Jugoslawiens stattfand, bestand zu keinem Zeitpunkt, da die slowenische Bevölkerung, von kleineren Minderheiten abgesehen, fast ausschließlich aus Slowenen besteht. Unter Vermittlung der UNO und der österreichischen Regierung konnte schließlich ein Kompromiss erzielt werden: Slowenien sollte den Vollzug der Unabhängigkeit für die Dauer von drei Monaten aussetzen und in dieser Zeit mussten sich die dortigen Soldaten, die ihren Präsenzdienst in Slowenien leisteten, zurückziehen. Beide Seiten hielten sich an die Vereinbarung, und so konnte am 8. Oktober 1991 die Unabhängigkeit der Republik Slowenien in Kraft gesetzt werden. Während die Kriegshandlungen in Slowenien schon nach kurzer Zeit eingestellt wurden und Slowenien unabhängig wurde, entbrannte in Kroatien ein Bürgerkrieg.
[Bearbeiten] Der Krieg in Kroatien
Nachdem Kroatien am 8. Oktober 1991 seine Unabhängigkeit offiziell in Kraft setzte und die Serben als Staatsvolk aus der Verfassung strich (die bisherige Bezeichnung für das Staatsvolk Kroatiens hatte "Kroaten und Serben in Kroatien" gelautet), was den Verlust zahlreicher staatsbürgerlicher Rechte bedeutete, errichteten die Serben in der Krajina die so genannte Serbische Autonome Provinz Krajina (SAO Krajina). Diese umfasste die serbisch-besiedelten Gebiete Kroatiens. Die Unterstützung der Krajina-Serben durch Belgrad wurde vom UNO-Sicherheitsrat und von der Europäischen Gemeinschaft seit 1991 mit Sanktionen geahndet, da weltweit angenommen wurde, Serbien wolle auf diese Weise die Krajina mit den serbischen Teilen in Bosnien mit Serbien verbinden.
Es kam zu stetigen bewaffneten Auseinandersetzungen. Vor allem im Laufe der Militäraktion (Oluja/Sturm) unter Führung von Ante Gotovina und nach diesen Auseinandersetzungen wurden die meisten der in der Krajina lebenden Serben vertrieben, großteils nach Bosnien-Herzegowina und nach Serbien und Montenegro. Alle europäischen Staaten sind seit Kriegsende in Zusammenarbeit mit Kroatien bemüht, die 500.000 vertriebenen Serben aus der Krajina wieder anzusiedeln, bisher aber nur mit wenig Erfolg.
[Bearbeiten] Der Kosovo-Krieg
Nach zahlreichen albanischen Gewaltaktionen gegen die Serben im Kosovo hob der serbische Präsident Slobodan Milošević 1989 den Status des Kosovo als autonome Provinz auf. Es folgten im Kosovo ethnische Unruhen, die zu einigen Dutzend Toten auf beiden Seiten führten. Die Albaner reagierten erst mit einem friedlichen Totalboykott, doch als es auch nach dem Dayton-Abkommen dem 1992 gewählten Anführer der Kosovo-Albaner Ibrahim Rugova nicht gelang, die Probleme im Kosovo zu internationalisieren und die serbische Unterdrückung im Kosovo immer mehr zunahm, tauchte 1997 die "Ushtria Çlirimtare Kosovës" (UÇK) (Befreiungsarmee Kosovos) auch öffentlich auf. Die internationale Staatengemeinschaft stufte die UÇK zunächst als terroristische Organisation ein. Sehr schnell jedoch leiteten die USA entsprechende Verhandlungen um Waffenkäufe ein. In der Folge "eroberte" die UÇK mehrere Gebiete Kosovos: Die Kämpfe zwischen den verschiedenen serbischen Einheiten und der UÇK und vor allem die NATO Angriffe führten im Endeffekt dazu, dass mehr als 500.000 Einwohner auf der Flucht waren und zunächst im nahen engeren Serbien, Mazedonien oder Albanien, dann zum Teil in Westeuropa Schutz suchten.
NATO-Luftangriffe zwangen Slobodan Milosevic schließlich zum Einlenken. Der Rückzug der serbischen Armee beendete die blutigen Auseinandersetzungen im Kosovo, dem bis zu diesem Zeitpunkt bereits tausende Menschen zum Opfer gefallen waren. Das Kosovo wurde vorläufig Protektorat der UNO.
[Bearbeiten] Die Bundesrepublik Jugoslawien
Nachdem die übrigen Teilrepubliken des alten Jugoslawien ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, schlossen sich Serbien und Montenegro 1992 zur Bundesrepublik Jugoslawien zusammen. Diese bestand bis 2003, seitdem bildeten diese beiden Republiken den Staatenbund Serbien und Montenegro, dessen Auflösung am 21. Mai 2006 durch das montenegrinische Unabhängigkeitsreferendum eingeleitet wurde.
Montenegro erklärte daraufhin durch einen Parlamentsbeschluss am 3. Juni 2006 seine formale Unabhängigkeit, Serbien folgte am 5. Juni mit einer Unabhängigkeitserklärung, ebenfalls durch einen Parlamentsbeschluss.
[Bearbeiten] Serbien heute
Der Ministerpräsident Serbiens ist heute der prowestliche, christlich-konservative Demokrat Vojislav Koštunica. Staatspräsident ist seit 2004 der liberale, Europa zugewandte Reformer Boris Tadić. Die nationalistische SRS-Partei des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Vojislav Šešelj erlangte bei den Parlamentswahlen im Dezember 2003 mit rund 27 Prozent der Stimmen die meisten Mandate. Sie ist aber dennoch in der Opposition geblieben, da sich die demokratischen und liberalen Parteien zu einem Bündnis formierten und somit eine Regierung bildeten.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Die Monarchen der jüngeren serbischen Geschichte
- Geschichte der Serben der Vojvodina
- Geschichte Jugoslawiens
- Jugoslawienkriege
- Balkankonflikt
[Bearbeiten] Literatur
- Malte Olschewski: Der serbische Mythos. Die verspätete Nation., Herbig 2000, ISBN 3776620277.
- Christophe Colera : Une communauté dans un contexte de guerre: la "diaspora" serbe en Occident , Paris [u.a.] , Harmattan , 2003 , 2-7475-4824-4
- Patrick Barriot : Le procès Milosevic, ou, L'inculpation du peuple serbe , Lausanne [u.a.] , Ed. L'Age d'Homme , 2005 , ISBN 2-8251-3620-4
- Tim Judah: The Serbs. Hystory, Myth and the Destruction of Yugoslavia. Yale Nota Bene: New Haven and London 2000. ISBN 0-300-08507-9
- Srdan Petkovic: Der nationale Diskurs unter Einfluß von Kriegspropaganda, Kirche und Folklorismus. Zur Entwicklung serbischer Selbstwahrnehmung. Diss. Duisburg 2003.
- Holm Sundhausen: Historische Statistik Serbiens 1834–1914. Mit europäischen Vergleichsdaten. (= Südosteuropäische Arbeiten. 87). München 1989
[Bearbeiten] Weblinks
- http://www.suc.org/culture/history/Serb_History/Timeline.html
- Online-Version von Paul Josef Šafaríks Geschichte der serbischen Literatur (hrsg. von Josef Jireček, I. Abtheilung, Prag 1865)
- Historische Entwicklungen des Balkan
- Le monde diplomatique - Sammlung von Landkarten der Region
- Velimir Curgus Kazimir, Die Wende und die Müdigkeit, Serbien nach dem Sturz des Milosevic-Regimes
|
|
|