Fußball-Weltmeisterschaft 1974

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Fußball-Weltmeisterschaft 1974 – Deutschland
Fußball-Weltmeisterschaft 1974
Anzahl Nationen 96 (16 Endrunde)
Weltmeister BR Deutschland
Austragungsort BR Deutschland
Eröffnung 13. Juni 1974
Endspiel 7. Juli 1974
Zuschauer 1.900.000 (Ø 50.000 pro Spiel)
Tore 97 (Ø 2,6 pro Spiel)
Torschützenkönig Grzegorz Lato (Polen) 7 Tore

Die 10. Fußball-Weltmeisterschaft wurde vom 13. Juni bis zum 7. Juli 1974 in der Bundesrepublik Deutschland ausgetragen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Gastgeber

Am 6. Juli 1966 erhielt die BR Deutschland während des FIFA-Kongresses in London den Zuschlag für die WM 1974. Mitbewerber waren Argentinien und Spanien. Doch auch die beiden unterlegenen Verbände gingen an diesem Tage nicht leer aus. Argentinien bekam die Ausrichtung der WM 1978, und Spanien die Ausrichtung der WM 1982 zugesprochen. Spanien hatte somit fast 16 Jahre Zeit um sich auf die WM 1982 vorzubereiten. Bis heute einsamer FIFA-Rekord.

20 Jahre nach dem legendären Wunder von Bern fand die 10. Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland statt, jedoch hatten die Organisatoren sehr viel Pech mit dem Wetter. Es war ein äußerst verregneter Sommer, der in dem skandalösen Regenspiel BR Deutschland - Polen in der Zweiten Finalrunde gipfelte.

Die bundesdeutsche Mannschaft war vier Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft in der Sportschule Malente (Schleswig-Holstein) untergebracht. Nach der Vorrunde war sie in einer Sportschule in der Nähe von Duisburg. Vor dem Endspieltag war die Mannschaft von Helmut Schön in Grünwald bei München einquartiert worden.

Stadien

[Bearbeiten] Bemerkenswertes

Bei der Eröffnungsveranstaltung in Frankfurt am Main wurde jedes teilnehmende Land durch Folkloregruppen oder Popkünstler repräsentiert. Sie verbargen sich unter riesigen Fußbällen auf dem Stadionrasen, die sich zu ihrem Auftritt öffneten. Für die Bundesrepublik trat eine Trachtengruppe von der Mosel auf, für die DDR Frank Schöbel und eine gemischte Tanzgruppe mit dem Lied Freunde gibt es überall. Für Polen sang dessen populärste Sängerin Maryla Rodowicz, für Brasilien spielte eine Sambatanzgruppe.

Zum ersten Mal wurde die WM nicht durch ein Spiel des Gastgebers, sondern des amtierenden Weltmeisters eröffnet. Dies wurde dann auch bis zur WM 2002 so beibehalten. Erst bei der WM 2006 wurde das Eröffnungsspiel wieder vom Gastgeber bestritten.

Da Brasilien in Mexiko zum 3. Mal Weltmeister geworden war und damit den Coupe Jules Rimet auf Dauer behalten durfte, wurde ein neuer Pokal, der FIFA World Cup gestiftet. Er wurde von dem Italiener Silvio Gazzaniga entworfen, ist 36 cm hoch, besteht aus 18 Karat Gold, hat einen Sockel mit zwei Kränzen aus Malachit-Halbedelsteinen und zeigt zwei Menschen, die mit ihren hochgereckten Armen eine Weltkugel halten.

Die Maskottchen der Fußball-WM hießen Tip und Tap.

Die einzige Mannschaft, die im Turnier keine Niederlage einstecken musste, war nicht Weltmeister Deutschland, sondern Schottland. Nach einem Sieg und zwei Unentschieden waren sie mit Brasilien und Jugoslawien punktgleich und schieden lediglich aufgrund der schlechteren Tordifferenz bereits nach der Ersten Finalrunde aus.

[Bearbeiten] Qualifikation

Hauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974

Von 96 Mannschaften konnten sich 16 für die Endrunde der WM qualifizieren. Überraschend dabei war insbesondere das Ausscheiden Englands gegen Polen, das dann bei der WM zur Überraschungsmannschaft wurde, den dritten Platz belegte sowie den Torschützenkönig stellte. Damit fehlte mit England nur ein Ex-Weltmeister. Mit Zaire nahm zum ersten Mal eine Mannschaft aus Schwarzafrika und mit Australien zum ersten Mal eine Mannschaft des 5. Kontinents teil. Der DDR gelang ihre einzige Endrundenteilnahme; Haiti konnte sich erstmals qualifizieren.

9 aus Europa Bulgarien BR Deutschland DDR Italien Jugoslawien
  Niederlande Polen Schottland Schweden  
4 aus Südamerika Argentinien Brasilien Chile Uruguay  
1 aus Nord- und Mittelamerika Haiti        
1 aus Afrika Zaire        
1 aus Asien und Ozeanien Australien        

[Bearbeiten] Modus

Bei der WM 1974 wurde der Austragungsmodus geändert. Zwar wurden die 16 Teilnehmer wie gehabt in vier Gruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt, von denen sich jeweils die ersten beiden für die nächste Runde qualifizierten. Das Turnier wurde allerdings nicht im K.-o.-System fortgesetzt, sondern es wurden zwei Zwischenrunden-Gruppen mit je vier Mannschaften gebildet. Die Sieger der Zweiten Finalrunde bestritten das Endspiel um die Weltmeisterschaft, die zweitplatzierten das Spiel um Platz 3.

[Bearbeiten] Spielergebnisse

Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4
Chile Brasilien Uruguay Argentinien
BR Deutschland Schottland Niederlande Italien
DDR Jugoslawien Bulgarien Polen
Australien Zaire Schweden Haiti

[Bearbeiten] Erste Finalrunde

In der Vorrunde fand das einzige jemals ausgetragene Länderspiel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR statt. Die DDR gewann durch ein Tor von Jürgen Sparwasser überraschend mit 1:0 und konnte so den ersten Platz in der Gruppe 1 erringen. Es war das einzige Spiel, das die Bundesrepublik während dieser WM verlor, und die Niederlage führte in der folgenden Nacht im Mannschaftshotel zu einer legendären Aussprache der bundesdeutschen Mannschaft („Nacht von Malente“).

Nach dem Sieg der DDR über die BR Deutschland erhielt die DDR-Mannschaft auf ihrer Siegesfeier eine telefonische Bombendrohung. Besonders pikant ist dabei, dass die Bild-Zeitung vor dem Spiel gegen die DDR titelte „Wie wir heute gewinnen“. Am nächsten Tag lautete die Schlagzeile "Auf alle Fälle so nicht, Herr Schön!".

Positiver Effekt dieser Niederlage war jedoch, dass die Bundesrepublik als Vorrundenzweiter in der Zwischenrundengruppe B spielte und somit nicht gegen die als deutlich schwerer eingeschätzten Gegner Brasilien, Argentinien und Niederlande antreten musste.

Während der Ersten Finalrunde wurden 63 Tore in 24 Spielen erzielt.

[Bearbeiten] Gruppe 1

Rang Land Tore Punkte
1 DDR 4:1 5:1
2 BR Deutschland 4:1 4:2
3 Chile 1:2 2:4
4 Australien 0:5 1:5
14. Juni 1974 in Berlin
BR Deutschland - Chile 1:0 (1:0)
14. Juni 1974 in Hamburg
DDR - Australien 2:0 (0:0)
18. Juni 1974 in Hamburg
Australien - BR Deutschland 0:3 (0:2)
18. Juni 1974 in Berlin
Chile - DDR 1:1 (0:0)
22. Juni 1974 in Berlin
Australien - Chile 0:0
22. Juni 1974 in Hamburg
DDR - BR Deutschland 1:0 (0:0)

[Bearbeiten] Gruppe 2

Rang Land Tore Punkte
1 Jugoslawien 10:1 4:2
2 Brasilien 3:0 4:2
3 Schottland 3:1 4:2
4 Zaire 0:14 0:6
13. Juni 1974 in Frankfurt
Brasilien - Jugoslawien 0:0
14. Juni 1974 in Dortmund
Zaire - Schottland 0:2 (0:2)
18. Juni 1974 in Gelsenkirchen
Jugoslawien - Zaire 9:0 (6:0)
18. Juni 1974 in Frankfurt
Schottland - Brasilien 0:0
22. Juni 1974 in Frankfurt
Schottland - Jugoslawien 1:1 (0:0)
22. Juni 1974 in Gelsenkirchen
Zaire - Brasilien 0:3 (0:1)

[Bearbeiten] Gruppe 3

Rang Land Tore Punkte
1 Niederlande 6:1 5:1
2 Schweden 3:0 4:2
3 Bulgarien 2:5 2:4
4 Uruguay 1:6 1:5
15. Juni 1974 in Düsseldorf
Schweden - Bulgarien 0:0
15. Juni 1974 in Hannover
Niederlande - Uruguay 2:0 (1:0)
19. Juni 1974 in Dortmund
Niederlande - Schweden 0:0
19. Juni 1974 in Hannover
Bulgarien - Uruguay 1:1 (0:0)
23. Juni 1974 in Düsseldorf
Schweden - Uruguay 3:0 (0:0)
23. Juni 1974 in Dortmund
Niederlande - Bulgarien 4:1 (2:0)

[Bearbeiten] Gruppe 4

Rang Land Tore Punkte
1 Polen 12:3 6:0
2 Argentinien 7:5 3:3
3 Italien 5:4 3:3
4 Haiti 2:14 0:6
15. Juni 1974 in München
Italien - Haiti 3:1 (0:0)
15. Juni 1974 in Stuttgart
Polen - Argentinien 3:2 (2:0)
19. Juni 1974 in München
Polen - Haiti 7:0 (5:0)
19. Juni 1974 in Stuttgart
Argentinien - Italien 1:1 (1:1)
23. Juni 1974 in München
Argentinien - Haiti 4:1 (2:0)
23. Juni 1974 in Stuttgart
Polen - Italien 2:1 (2:0)

[Bearbeiten] Zweite Finalrunde

[Bearbeiten] Gruppe A

Rang Land Tore Punkte
1 Niederlande 8:0 6:0
2 Brasilien 3:3 4:2
3 DDR 1:4 1:5
4 Argentinien 2:7 1:5
26. Juni 1974 in Gelsenkirchen
Niederlande - Argentinien 4:0 (2:0)
26. Juni 1974 in Hannover
Brasilien - DDR 1:0 (0:0)
30. Juni 1974 in Gelsenkirchen
Niederlande - DDR 2:0 (1:0)
30. Juni 1974 in Hannover
Brasilien - Argentinien 2:1 (1:1)
3. Juli 1974 in München
Argentinien - DDR 1:1 (1:1)
3. Juli 1974 in Dortmund
Niederlande - Brasilien 2:0 (1:0)

[Bearbeiten] Gruppe B

Rang Land Tore Punkte
1 BR Deutschland 7:2 6:0
2 Polen 3:2 4:2
3 Schweden 4:6 2:4
4 Jugoslawien 2:6 0:6
26. Juni 1974 in Düsseldorf
BR Deutschland - Jugoslawien 2:0 (1:0)
26. Juni 1974 in Stuttgart
Polen - Schweden 1:0 (1:0)
30. Juni 1974 in Frankfurt
Polen - Jugoslawien 2:1 (1:1)
30. Juni 1974 in Düsseldorf
BR Deutschland - Schweden 4:2 (0:1)
3. Juli 1974 in Frankfurt
BR Deutschland - Polen 1:0 (0:0)
3. Juli 1974 in Düsseldorf
Schweden - Jugoslawien 2:1 (1:1)

Das Zwischenrundenspiel Polen - Deutschland am 3. Juli 1974 im Frankfurter Waldstadion ging als „Wasserschlacht“ in die Fußballgeschichte ein. Vor Spielbeginn machte ein Wolkenbruch den Rasen unbespielbar. Die Feuerwehr versuchte mit Walzen, das Wasser vom Platz zu bekommen. Gemeinhin galt Polen damals als die technisch bessere Elf; aufgrund der widrigen Platzverhältnisse konnte sie ihre Stärke jedoch nicht ausspielen und Deutschland qualifizierte sich für das Finale mit einem 1:0-Sieg. Insgesamt wurden in der Zwischenrunde 30 Tore in 12 Spielen geschossen.

[Bearbeiten] Spiel um Platz 3

6. Juli 1974 München Polen - Brasilien 1:0 (0:0)

Tor:

  • 1:0 Lato (75. Min.)

[Bearbeiten] Finale

7. Juli 1974 München BR Deutschland - Niederlande 2:1 (2:1)

Tore:

Zuschauer: 75.200

Gelbe Karten: Vogts (4.), van Hanegem (22.), Neeskens (39.), Cruyff (45., auf dem Weg in die Halbzeitpause).

Aufstellungen:

Schiedsrichter: John Taylor (England)

Assistenten: Alfonso Gonzalez Archundia (Mexiko) und Ramon Barreto (Uruguay)

Spielverlauf:

Direkt nach dem Anstoß, nach 30 Sekunden, startete der holländische Superstar Johan Cruyff ein Solo. Cruyff drang in den deutschen Strafraum ein und wurde von Uli Hoeneß unsanft von den Beinen geholt. Bis dahin hatte noch kein deutscher Spieler den Ball berührt. Der englische Schiedsrichter John Taylor entschied auf Strafstoß - umstritten, denn das Foul erfolgte unmittelbar an der Strafraumgrenze. Neeskens trat zum Elfmeter an und verwandelte sicher. Kurios war außerdem, dass der Kommentator der ARD Rudi Michel Berti Vogts als Verursacher des Elfmeters sah. Deutschland konnte sich im Folgenden nur langsam von diesem Schock erholen, wurden dann jedoch stärker. Hölzenbein trat in der 25. Minute an, ließ im Strafraum zwei Niederländer stehen und wurde vom dritten (Jansen) zu Fall gebracht. Der englische Unparteiische entschied erneut auf Strafstoß. Der Fall von Hölzenbein sollte daraufhin allerdings als eine der berühmtesten Schwalben in die WM-Geschichte eingehen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Paul Breitner. Die Deutschen waren nach dem Ausgleich am Drücker. Beckenbauer scheiterte mit einem Freistoß an Jongbloed. Vogts und Grabowski vergaben ebenfalls gute Chancen zur Führung. In der 42. Minute passte Bonhof nach schöner Vorarbeit in die Mitte zu Gerd Müller. Der ließ den Ball zunächst etwas abprallen, drehte sich um die eigene Achse und erwischte Jongbloed auf dem falschen Fuß. Der Ball rollte flach ins linke Eck - 2:1 für Deutschland durch den „Bomber der Nation“.

Die zweiten 45 Minuten wurden zur Abwehrschlacht der Deutschen. In der 48. Minute köpfte Bonhof nur um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Danach waren die Niederländer spielbestimmend, scheiterten aber mit zahlreichen Chancen (Rep, van Hanegem) am deutschen Torwart Maier. Ein regulärer Treffer durch Gerd Müller zum 3:1 wurde wegen angeblichem Abseits nicht anerkannt. In der 85. Minute wurde Hölzenbein vom Engländer Taylor ein klarer Strafstoß verweigert. Neeskens verfehlte kurz vor Schluss knapp das Tor. Die deutsche Mannschaft rettete sich letztendlich etwas glücklich über die Runden.

[Bearbeiten] Weltmeister Bundesrepublik Deutschland

Die Spieler der Weltmeistermannschaft von 1974.

Spieler, die während der WM zum Einsatz gekommen sind:

Spieler, die während der WM nicht zum Einsatz gekommen sind:

Trainer: Helmut Schön und Co-Trainer: Jupp Derwall

Siehe auch: Fußball-Weltmeisterschaft 1974/Deutschland

[Bearbeiten] Statistik

Beste Torschützen

Name Land Tore
Grzegorz Lato Polen 7
Johan Neeskens Niederlande 5
Andrzej Szarmach Polen 5
Ralf Edström Schweden 4
Gerd Müller Deutschland 4
Johnny Rep Niederlande 4

[Bearbeiten] Die Stars der Weltmeisterschaft

[Bearbeiten] Offizieller Omnibus der Nationalmannschaften

Mercedes-Benz stellte jeder Nationalmannschaft einen Omnibus in entsprechender Lackierung der Landesfarben zur Verfügung. Als Skandal wurde das Verhalten der DDR gewertet. Diese hatten Ihren Bus nicht angenommen, da Hammer und Zirkel als Nationalsymbole gefehlt haben. Ein Nachbau des westdeutschen Exemplares wurde auf der IAA 2005 in Frankfurt am Main vorgestellt. Er ist im neuen Mercedes-Benz Museum in Stuttgart-Bad Cannstatt zu besichtigen.

[Bearbeiten] Siehe auch

Fußball-Weltmeisterschaft/Rekorde

[Bearbeiten] Weblinks

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Fußball-Weltmeisterschaft 1974 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
webtemplates | Plastikkarten und Plastikkartendrucker

© 2006 www.power-labels.com