Freiburg im Breisgau
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| Wappen | Karte |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg |
| Regierungsbezirk: | Freiburg |
| Region: | Südlicher Oberrhein |
| Kreis: | Stadtkreis |
| Geographische Lage: | Koordinaten: 47° 59' N, 07° 51' O 47° 59' N, 07° 51' O (Münsterplatz) |
| Höhe: | 278 m ü. NN (Münsterplatz) Waltershofen 196 m, Schauinsland 1284 m |
| Fläche: | 153,07 km² |
| Einwohner: | 215.966 (31. Dez. 2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 1411 Einwohner / km² |
| Ausländeranteil: | 14,1 % |
| Postleitzahlen: | 79098 - 79117 (alte PLZ: 7800) |
| Vorwahl: | 0761 Opfingen, Tiengen, Munzingen 07664 Hochdorf, Waltershofen 07665 |
| Kfz-Kennzeichen: | FR |
| Gemeindeschlüssel: | 08 3 11 000 |
| Stadtgliederung: | 41 Stadtbezirke |
| Anschrift der Stadtverwaltung: | Rathausplatz 2-4 79098 Freiburg |
| Website: | www.freiburg.de |
| Politik | |
| Oberbürgermeister: | Dieter Salomon (GRÜNE) |
| Direktmandat im Deutschen Bundestag: | Staatsminister im AA Gernot Erler (SPD) |
Freiburg im Breisgau ist nach Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe die viertgrößte Stadt in Baden-Württemberg und südlichste Großstadt Deutschlands.
[Bearbeiten] Allgemeines
Die kreisfreie Stadt im gleichnamigen Regierungsbezirk ist Sitz des Regionalverbands Südlicher Oberrhein und des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, von dem sie nahezu ganz umgeben ist. Die nächstgelegenen Großstädte sind Mülhausen (frz. Mulhouse) im Elsass, etwa 40 km südwestlich, Basel, etwa 60 km südlich, und Zürich, etwa 86 km südöstlich, Straßburg, etwa 85 km und Karlsruhe, etwa 140 km nördlich, sowie Stuttgart, etwa 200 km nordöstlich von Freiburg. Die Einwohnerzahl der Stadt Freiburg im Breisgau überschritt Anfang der 1930er Jahre die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Heute leben rund 215.000 Menschen in der Stadt, darunter etwa 30.000 Studenten der Albert-Ludwigs-Universität, der Musikhochschule, der Fachhochschulen und der Pädagogischen Hochschule.
[Bearbeiten] Wappen
Das Wappen der Stadt Freiburg im Breisgau zeigt das Georgskreuz, ein rotes durchgehendes Kreuz auf weißem Grund. Es ist das Symbol von St. Georg, der als ältester Stadtpatron gilt. Vereinzelt sieht man auch das Stadtsiegel auf einem Wappenschild: eine stilisierte Burg in rot auf weißem Grund mit zwei Turmbläsern auf den äußeren Türmen; Abbildung siehe [1]. Oft wird an historischen Gebäuden oder auf Gemälden das Stadtwappen zusammen mit dem Wappen von Österreich (rot-weiß-rot) gezeigt, ein Hinweis auf die lange Zugehörigkeit der Stadt zu Österreich.
[Bearbeiten] Geographie
Freiburg liegt an der Grenze zwischen Schwarzwald und Oberrheingraben. Die Verwerfung verläuft mitten durch das Stadtgebiet. Die östlichen Stadtteile liegen in einem Verbindungstal zum Zartener Becken zwischen den Bergen Rosskopf im Norden und Brombergkopf im Süden beziehungsweise schon im Schwarzwald selbst (Kappel, Günterstal). Der Schlossberg, ein Ausläufer der Vorbergzone ragt wie eine Nase direkt ins Innenstadtgebiet. Mit dem südöstlich gelegenen Schauinsland gehört der Gipfel eines der höchsten Berge des Schwarzwaldes zum Freiburger Stadtgebiet. Damit ist Freiburg unter den deutschen Städten die mit dem größten Höhenunterschied innerhalb des Stadtgebiets (mehr als 1000 Meter). Die westlichen Stadtteile liegen weitgehend auf einem Schwemmkegel, der während der letzten Eiszeit entstand. Im Süden liegt der Schönberg, der zur Vorbergzone zählt, einem Teil des alten Gebirges, der beim Einbrechen des Oberrheingrabens nur teilweise abgerutscht ist. Durch Freiburg fließt die Dreisam.
Die Ausdehnung der Stadt in nord-südlicher Richtung beträgt 18,6 km, in ost-westlicher Richtung 20 km. Von der Gemarkungsgrenze sind es bis zur Grenze nach Frankreich 3 km, bis zur Grenze mit der Schweiz 42 km.
An die ehemalige Stadtmauer erinnert der Straßenname „Auf der Zinnen“. Etwa zweihundert Meter nördlich davon verläuft der 48. nördliche Breitengrad. Die Stelle ist auf beiden Seiten der Nord-Süd-Durchgangsstraße (die hier Habsburgerstraße heißt) durch eine Schrift in Pflastersteinen verschiedener Farben (vorwiegend weiß-schwarz-weiß) hervorgehoben, so dass auch Auswärtige deutlich erkennen können, auf welcher Breite der Erdkugel sie sich hier befinden.
Die Stadt liegt im „Verdichtungsraum Freiburg“, der neben der Stadt Freiburg im Breisgau die Gemeinden Au (Breisgau), Bötzingen, Gundelfingen, Kirchzarten, March, Merzhausen und Umkirch des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald sowie die Städte und Gemeinden Emmendingen, Denzlingen und Waldkirch des Landkreises Emmendingen umfasst.
Für die Region Südlicher Oberrhein bildet Freiburg das Oberzentrum, von denen für ganz Baden-Württemberg nach dem Landesentwicklungsplan 2002 insgesamt 14 ausgewiesen sind. Das Oberzentrum Freiburg übernimmt für die Gemeinden Au, Bötzingen, Buchenbach, Ebringen, Eichstetten am Kaiserstuhl, Glottertal, Gottenheim, Gundelfingen, Heuweiler, Horben, Kirchzarten, March, Merzhausen, Oberried, St. Märgen, St. Peter (Hochschwarzwald), Schallstadt, Sölden, Stegen, Umkirch und Wittnau die Funktion eines Mittelbereichs.
[Bearbeiten] Klima
Freiburg liegt in einer Zone mit warm- und feucht-gemäßigtem Klima wobei es große Unterschiede gibt: in der Ebene ist es wärmer und trockener, in den Bergzonen eher kühl und frisch. Wegen der mittleren Durchschnittstemperatur von 12,1 °C gilt die Stadt als die wärmste Großstadt Deutschlands. Auch mit der Anzahl von 1.815 Sonnenstunden pro Jahr nimmt Freiburg einen vorderen Platz ein. Die mittleren jährlichen Werte betragen für Niederschlag 950 mm, für Luftdruck 1717,8 Hektopascal und für die relative Luftfeuchtigkeit 67,1 %. (Alle Werte sind Durchschnittswerte der 1998 bis 2005 gemessenen Werte.)
Eine Spezialität des sommerlichen Stadtklimas ist der „Höllentäler“ (nach dem östlich gelegenen Höllental), ein Fallwind von den Höhen des Schwarzwalds, welcher Teile der Stadt mit großer Regelmäßigkeit einige Zeit nach Eintritt der Dunkelheit durchlüftet. Nach Aussage namhafter Wetterexperten (Jörg Kachelmann/Hans von Rudloff) ist dieser Wind aber nicht kühl, wie oft vermutet und gefühlt, sondern föhnartig warm und beschert damit der Stadt die meisten Tropennächte in Deutschland (durchgehend über 20 °C).
[Bearbeiten] Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Freiburg im Breisgau. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und liegen alle, außer Vörstetten, das zum Landkreis Emmendingen gehört, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald:
Vörstetten, Gundelfingen, Glottertal, Stegen, Kirchzarten, Oberried (Breisgau), Münstertal (Schwarzwald), Bollschweil, Horben, Au (Breisgau), Merzhausen, Ebringen, Schallstadt, Bad Krozingen, Breisach am Rhein, Merdingen, Gottenheim, Umkirch und March.
[Bearbeiten] Stadtgliederung
Freiburg hat 26 Stadtteile, die insgesamt, vorwiegend zu statistischen Zwecken, in 41 Stadtbezirke gegliedert sind. In den erst bei der jüngsten Gemeindereform eingegliederten Stadtteilen Ebnet, Hochdorf, Kappel, Lehen, Munzingen, Opfingen, Tiengen und Waltershofen wurde die Ortschaftsverfassung eingeführt. Damit erhielten diese Orte jeweils einen von der Bürgerschaft der Ortschaft zeitgleich mit dem Gemeinderat zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher an der Spitze sowie eine örtliche Verwaltung. Die Ortschaftsräte sind zu allen wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme obliegt jedoch dem Gemeinderat der Gesamtstadt Freiburg.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Burg- und Stadtgründung
Südlich der heutigen Stadtteile Zähringen und Herdern kreuzten sich nahe der Dreisam ein Handelsweg durchs Rheintal (heute Zähringer-, Habsburgerstraße und die Kaiser-Joseph-Straße) und eine kaiserliche Reichsstraße durchs Höllental Richtung Breisach/Colmar (heute Salz- und Bertoldstraße).
Auf dem oberhalb der heutigen Stadt gelegenen Schlossberg erbaut vermutlich Bertold II. von Zähringen im Jahre 1091 eine Burg, das Castrum de Friburch. Dieses bleibt als Herrschaftssitz lange außerhalb des Bereichs der städtischen Gerichtsbarkeit. Die Nachfolger Bertolds II. erheben die Siedlungen der Dienstleute und Handwerker im heutigen Bereich der südlichen Altstadt und Oberlinden zur Stadt. Die offizielle Verleihung der Markt- und Stadtrechte erfolgt im Jahre 1120. Als Stadtgründer gilt Herzog Konrad, da sein älterer Bruder Herzog Bertold III. das Kriegshandwerk liebte und darin häufig zusammen mit seinem Herrn Kaiser Heinrich V. unterwegs war.
Bemerkenswert ist das gleich zu Beginn planvoll angelegte Netz der Bächle, Wasserrinnen in den Straßen der Altstadt, deren Wasser aus der Dreisam stammt und das im Mittelalter zur Brauchwasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung, vor allem aber auch als ständig vorhandenes Löschwasser diente. Trinkwasser wurde durch Deicheln (in Freiburg: Deichele) von Quellen oberhalb der Stadt an die öffentlichen Brunnen geführt.
[Bearbeiten] Aufstieg der Stadt
Die am Ende des 10. Jahrhunderts entdeckten reichhaltigen Silbervorkommen am Westrand des Schwarzwalds verhelfen der Stadt bald zu Wohlstand. Das Schürfrecht erhielten die Zähringer von den Bischöfen von Basel, die wiederum 1028 das Bergregal von Konrad II. erhalten hatten. Um 1200 beginnt der Bau der gotischen Pfarrkirche, dem Freiburger Münster, unter dem letzten Zähringerherzog Bertold V., der nach seinem Tode 1218 dort beigesetzt wird.
[Bearbeiten] Die Grafen von Urach als Grafen von Freiburg
Nach dem Aussterben der Zähringer 1218 kam die Herrschaft über die Stadt Freiburg an die Grafen von Urach, die sich fortan Grafen von Freiburg nannten und auf der Burg zu Freiburg residierten. Da die Bürger der neuen Herrschaft zu Recht nicht trauten, gab sich die Stadt eine Ratsverfassung (das Stadtrodel von 1218), nach der 24 aus den alten Geschlechtern stammende Räte Freiburg regieren. Ab 1248 kamen ebenso viele jährlich wechselnde Räte hinzu. Ende des 13. Jahrhunderts gelangen dann auch die Handwerker in den Rat.
Heinrich VII. hatte 1234 die Grafen von Freiburg mit dem Schürfrecht belehnt. Die Jahre ihrer Herrschaft zeichnen sich durch häufige Fehden zwischen ihnen und der Stadt aus, bei denen es meistens um Geld ging. Im Jahre 1299 weigern sich die Freiburger, erneuten Geldforderungen des Grafen Egino II. nachzukommen und beschießen seine Burg auf dem Schlossberg mit Wurfmaschinen. Darauf ruft Egino seinen Schwager Konrad von Lichtenberg, den Bischof von Straßburg, zu Hilfe. In der anschließenden Schlacht fiel der Bischof – ein Freiburger Metzger namens Hauri soll ihn mit einem Spieß erstochen haben –, was für die Stadt den Sieg bedeutet, doch muss sie dem Grafen jährlich ein beträchtliches Sühnegeld zahlen. Als dann im Jahre 1366 Graf Egino III. versucht, nächtens mit einem Heerhaufen in die Stadt einzudringen, zerstören die Freiburger Bürger die Burg auf dem Schlossberg. Um die Herrschaft der Grafen endlich loszuwerden, erkaufen sich die Freiburger im Jahre 1368 ihre Freiheit mit Silber im Gewicht von 20.000 Mark* und unterstellen sich freiwillig dem Hause Habsburg. Die Stadt gehört damit zu Vorderösterreich und teilt von nun an Aufstieg und Niedergang mit den Habsburgern bis zur Auflösung des Deutschen Reiches im Jahre 1805. Ungeachtet dessen schloss sich Freiburg 1377 mit zahlreichen anderen Münzstätten auf beiden Seiten des Oberrheins und in der Schweiz zum sogenannten Rappenmünzbund zusammen, darunter im Elsass Colmar und Thann, in der Schweiz unter anderen Basel, Schaffhausen, Zürich und Bern sowie weitere Gebiete im Breisgau und im Sundgau. Das Ziel war ein einheitliches Münzwesen und damit wirtschaftliche Erleichterung. Der Rappenpfennig war darin die Hauptwährungseinheit. 1584 wurde dieser Bund aufgelöst.
*Eine Mark hatte ein Gewicht von 237,5 Gramm Silber und galt als Basisgröße mit einer Unterteilung in 678 Pfennig
[Bearbeiten] Freiburg unter den Habsburgern
Die Habsburger nahmen Freiburg gleich in die Pflicht. Für ihre Kriege gegen die Eidgenossenschaft musste die Stadt finanzielle Hilfe leisten und Ritter stellen. So auch 1386, als in der blutigen Schlacht von Sempach die Schweizer Eidgenossen siegten und dabei nicht nur den österreichischen Herzog Leopold III. erschlugen, sondern auch fast den gesamten Freiburger Adel auslöschten. Damit übernahmen die Zünfte die Macht in der Stadt.
Nachdem Herzog Friedrich IV. dem auf dem Konzil von Konstanz abgesetzten Papst Johannes XXIII. (Gegenpapst) 1415 zur Flucht nach Freiburg verholfen hatte, verhängte König Sigismund über die Habsburger die Reichsacht. Damit fiel der Breisgau als Lehen an das Reich zurück und Freiburg war von 1415 bis zur Begnadigung Friedrichs 1427 Reichsstadt.
Im Jahre 1448 stiftete Erzherzog Albrecht als Herr der habsburgischen Vorlande in Freiburg ein Studium generale, aus dem mit der Gründungsurkunde von 1457 die Freiburger Universität hervorging.
Ein Höhepunkt der Stadtgeschichte war der Reichstag, den Kaiser Maximilian I..1498 in seine geliebte Stadt Freiburg einberief. Hier verhandelten Kaiser und Stände die Einleitung des Schweizerfriedens. Daraus aber wurde nichts, denn die Eidgenossen lehnten sowohl die Reichssteuer als auch die Zuständigkeit des Reichskammergerichts ab und schieden, nachdem sie 1499 im Schwabenkrieg bei Dornach das kaiserliche Heer entscheidend schlagen konnten, aus ihren Verpflichtungen gegenüber dem Reich aus.
Nach Fertigstellung des Hochchores weihte der zuständige Bischof von Konstanz im Jahre 1513 das Freiburger Münster ein. Im selben Jahr sammelten sich bei Freiburg unter der Fahne des Bundschuh geknechtete und verarmte Bauern unter ihrem Anführer Joß Fritz. Der Aufstand wurde verraten und endete, bevor er überhaupt begonnen hatte, mit einer exemplarischen Bestrafung der Teilnehmer.
Unter der Asche aber glühte es noch. Die Reformation mit Luthers falsch verstandener Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen entfachte erneut die Flammen des Aufruhrs. Am 23. Mai 1524 nahmen 18.000 Bauern unter Führung von Hans Müller während des Bauernkrieges Freiburg ein und zwangen den Stadtrat, einer evangelisch-christlichen Vereinigung zur Aufrichtung eines gemeinen Landfriedens und Tilgung der unbilligen Beschwerden des gemeinen armen Mannes beizutreten. Nach der Niederschlagung des Aufstands beeilte sich die Stadt, dem Hause Habsburg ihre gute katholische Einstellung zu versichern. Neben Freiburg blieben auch Breisach, Waldkirch und Endingen der katholischen Sache treu, während Kenzingen, Neuenburg, Rheinfelden, Waldshut und auch Straßburg zum protestantischen Glauben übertraten. Als in Basel die Bilderstürmer 1529 den Protestantismus fundamental durchsetzten, flohen der Fürst der Wissenschaft Erasmus von Rotterdam und das Basler Domkapitel ins sichere Freiburg.
1608 wird Freiburg von der Pest heimgesucht. 1620 übernehmen die Jesuiten die Universität.
[Bearbeiten] Hexenverfolgungen in Freiburg
Zwischen 1550 und 1628 wurden von 302 Verurteilten 131 hingerichtet, davon 89 Männer und 3 Frauen in Fällen, die nichts mit Hexerei zu tun hatten. Der Anteil der Frauen, die des „abscheulichen Lasters der Zauber- und Hexerei“ (Aus dem Gutachten des Freiburger Rechtsgelehrten Dr. Thomas Metzger im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Salome Mennin 1603. Zitiert nach ROECKEN, Sully / BRAUCKMANN, Carolina: Margaretha Jedefrau. Freiburg 1989, S. 215) überführt wurden, war dagegen ungleich höher: In dem genannten Zeitabschnitt wurden 37 Frauen/Hexen und nur 2 Männer/Hexenmeister hingerichtet. Zwei große Hexenprozesswellen geschehen in Freiburg 1599 und 1603. Am 24. März 1599 wurden u.a. Catharina Stadellmenin, Anna Wolffartin und Margaretha Mößmerin in Freiburg enthauptet und außerhalb der Stadt verbrannt. Eine Plakette am Martinstor erinnert an diese Opfer der Freiburger Hexenprozesse. Im Jahr 1603 standen 30 Frauen und vier Männer wegen Hexerei vor Gericht, 13 Frauen wurden zum Tode verurteilt. Etwas mehr als die Hälfte der Angeklagten Frauen wurde nicht hingerichtet (53%), wohingegen 1599 nur etwa ein Drittel (32%) dem Scheiterhaufen entkam. Prozentual gesehen gab es 1603 also weniger Hinrichtungsopfer, dennoch war dieses Jahr das mit der höchsten Hexenprozessaktivität der Freiburger Geschichte.
[Bearbeiten] Dreißigjähriger Krieg
Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bleibt der Südwesten des Reiches von den Kampfhandlungen weitgehend verschont. Um nicht nur militärisch, sondern auch geistig religiös gegen den neuen Glauben gerüstet zu sein, übernehmen 1620 die Jesuiten die Universität Freiburg, nachdem die benachbarten Hochschulen von Tübingen, Basel und Heidelberg protestantisch geworden waren.
Als der Schwedenkönig Gustav Adolf den kaiserlichen Truppen unter Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld 1631 eine vernichtende Niederlage beibringt, steht seinen Truppen ganz Süddeutschland offen. Zu Weihnachten 1632 erscheint der schwedische General Horn vor den Toren Freiburgs, welches sich am 30. Dezember accordiert (ergibt). Mit dem Anrücken der Spanier 1633 unter dem Herzog von Feria räumen die Schweden die Stadt, um sie im Jahr darauf wieder einzunehmen. Nach dem Sieg der spanischen und kaiserlichen Truppen in der Schlacht bei Nördlingen 1634 über das protestantische Heer unter General Horn und dem Wettiner Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, verlassen die Schweden endgültig Süddeutschland und somit auch Freiburg.
Durch den häufigen Besatzungswechsel mehrfach ausgeplündert hofft die durch Kriegseinwirkungen und Seuchen dezimierte Freiburger Bevölkerung wie alle Menschen im Reich auf das Ergebnis des Prager Friedens, den der junge König Ferdinand III. 1635 mit den protestantischen Reichsständen für das geliebte Vaterland der hochedlen Teutschen Nation aushandelt.
Als Richelieu 1635 im Vertrag von St. Germain dem landlosen Bernhard von Sachsen-Weimar die dem Hause Habsburg gehörende Landgrafschaft Elsass überschreibt, schafft er sich in dem Herzog einem treuen Vasallen. Wie vom Kardinal erwartet facht Bernard den Krieg wieder an, als er 1637 mit einer frischen von Frankreich finanzierten Armee mit 18000 Mann den Rhein überschreitet und den Breisgau überfällt. In rascher Folge nimmt er die Städte Säckingen, Waldshut, Rheinfelden, Rötteln und Laufenburg ein und steht in der Osternacht 1638 vor den Toren Freiburgs, welches sich nach 11-tägiger Belagerung ergibt. Anschließend erobert Bernard der Festung Breisach und macht die Stadt zum Sitz seiner Fürstlich Sächsischen Regierung. Mit dem plötzlichen Tod des Herzogs gehen seine eroberten Gebiete an Frankreich.
Im Sommer 1644 kommt es zur Schlacht bei Freiburg zwischen einer kaiserlich-bayrischen Armee unter den Generälen Franz von Mercy und Jan van Werth und französisch-weimarischen Truppen geführt von den Marschällen Turenne und Condé. Am Ende der mehrtägigen Schlacht gibt es keinen Gewinner und nur Verluste, die Jan van Werth kommentierte: Seit zweiundzwanzig Jahren mit dem Bluthandwerk vertraut, habe [ich] niemalen so blutigem Treffen beigewohnt.
Im Juni 1648 belagert der Breisacher Festungskommandant von Erlach im Auftrag Kardinal Mazarins Freiburg, um Frankreichs Verhandlungsposition kurz vor dem Friedensschluss zu verbessern. Wie erleichtert ist die in der Stadt verbliebene Bevölkerung (sie ist in 17 Jahren nach insgesamt fünfmaliger Belagerung von 14000 auf 2000 Seelen geschrumpft), als nach drei langen Wochen des Bangens die Franzosen durch Dauerregen zermürbt unverrichteter Dinge abziehen.
Als die erlösende Nachricht vom Frieden in Münster und Osnabrück eintrifft, lauschen die verbliebenen Freiburger andächtig dem Geläut der mächtigen bereits 1258 gegossene Angelusglocke im Münsterturm, deren Inschrift lautet: Oh König der Herrlichkeit, komme mit Frieden. Erklingt mein frommes Geläut, hilf deinem Volk, Maria. Noch heute ertönt die Glocke jeden Freitag um 11 Uhr und mahnt zum Frieden.
[Bearbeiten] Freiburg unter der Krone Frankreichs
Mit dem Verlust des Elsass' und des Sundgaus im Westfälischen Frieden an Frankreich wird das rechtsrheinische Freiburg an Stelle von Ensisheim nicht nur Hauptstadt der vorderösterreichischen Lande, sondern auch Frontierstatt.
Im Jahre 1661 übernimmt in Frankreich nach Kardinal Mazarins Tod der junge Ludwig XIV. die Regierung. Ab 1667 führt der Sonnenkönig nach dem Motto: Die einem Herrscher angemessenste und angenehmste Beschäftigung ist, sich zu vergrößern nacheinander vier Eroberungskriege und zwar gegen die spanischen Niederlande, Holland, die Kurpfalz und Spanien.
Der Devolutionskrieg von 1667 bis 1668, in dem Ludwig XIV. auf Brabant Ansprüche geltend macht und mit seinen Truppen in die spanischen Niederlande einfällt, berührt Freiburg nicht. Auch im nächsten holländischen Krieg von 1672 bis 1677 bleibt die Stadt zunächst verschont, doch als bereits die Friedensverhandlungen in Nimwegen begonnen haben, schickt Marschall François de Créqui entgegen allen Kriegsbrauchs seine Truppen nicht in die Winterquartiere, sondern überschreitet überraschend Anfang November den Rhein und belagert Freiburg. Nach einem ersten Bombardement kapituliert die Stadt auf Anraten des Stadtkommandanten. Der Kaiser kann am Oberrhein keinen Widerstand leisten, zumal wiederum die Türken im stillen Einvernehmen mit Frankreich das Reich an seiner Ostflanke bedrohen.
In dem endlich ausgehandelten Nimweger Frieden von 1679 diktiert Ludwig XIV. Leopold I. seine Bedingungen: Der Kaiser muss Frankreichs Eroberungen im Elsass gutheißen, doch Ludwig überlässt ihm großmütig die Entscheidung, ob Leopold von seinen früheren Besitzungen lieber Freiburg oder eher Philippsburg zurückhaben möchte. Der Kaiser verzichtet auf die Stadt Freiburg samt Lehen, Betzenhausen und Kirchzarten.
Nun besitzt Frankreich neben dem rechtsrheinischen Brückenkopf Breisach mit der Stadt Freiburg einen Vorposten mitten in den habsburgischen Vorlanden. Ludwig XIV. weist Sebastien le Pestre de Vauban an, die Stadt zu einer modernen Festung auszubauen. Um ein freies Schussfeld zu gewinnen, lässt Vauban, all das, was Kanoffsky nicht schon hatte niederlegen lassen oder was von den Vorstädten in den Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges noch übrig geblieben war, einebnen. Freiburg gehört jetzt zur französischen Provinz Elsass mit der Hauptstadt Straßburg. Als letzte der linksrheinischen im Westfälischen Frieden garantierten freien Reichsstädte hatte sie Ludwig XIV. 1681 besetzen lassen. Im gleichen Jahr auf dem Wege dorthin besucht der französische König auch seine Neuerwerbung Freiburg, um sich über den Fortschritt der Festungsarbeiten zu informieren.
Von 1688 bis 1697 führt Ludwig XIV. den Neunjährigen Krieg, in dem er u. a. Köln, die Kurpfalz, Mainz, Trier und erneut Philippsburg einnimmt. Da bietet eine Große Allianz zwischen dem Kaiser, Spanien, Schweden, England, Holland, Savoyen, Brandenburg, Sachsen und Hannover dem Sonnenkönig die Stirn und beendet sein räuberisches Treiben. Doch der Sieg ist teuer erkauft, denn auf dem Rückzug praktizieren die französischen Truppen das Prinzip der verbrannten Erde: Heidelberg deleta, Mannheim, Philippsburg, Koblenz, Worms und Speyer mit seinem Reichskammergericht werden zerstört. Im Frieden von Rijswijk 1697 darf Ludwig XIV. die spanische Freigrafschaft Burgund, Lille und die im Elsass besetzten Gebiete einschließlich der freien Reichsstadt Straßburg behalten, muss aber Freiburg wieder herausgeben.
Der Spanische Erbfolgekrieg von 1701 bis 1713 wächst sich zum ersten Weltkrieg der europäischen Geschichte aus, in dem die große Haager Allianz Ludwig XIV. in den Niederlanden, Deutschland, Italien, Spanien und in den Kolonien gegenübersteht. Gegen Ende des Krieges überqueren die Franzosen unter Marschall Claude-Louis-Hector de Villars bei Neuenburg den Rhein und stehen im September vor Freiburg. Zwar ist die Stadt dank Vauban eine der stärksten Festungen in Deutschland, doch den 10.000 Verteidigern stehen etwa 150.000 Angreifer gegenüber. Nach dreiwöchiger Belagerung muss sich die durch Artilleriebeschuss dezimierte Besatzung aus der Stadt in die Festung auf den Schlossberg zurückziehen. Nun ist Freiburg schutzlos den Abgriffen der Franzosen ausgeliefert. In höchster Not steigt der Stadtschreiber Dr. Franz Ferdinand Mayer im Kugelhagel auf eine Bastion und zeigt eine weiße Fahne schwenkend den Belagerern die Übergabe der Stadt an. Darauf erklärt Villars Freiburg zum Eigentum des französischen Königs. Für seine mutige Tat erhebt der Kaiser Dr. Mayer zum Freiherrn von Fahnenberg. Im Frieden von Rastatt 1714 erhält Kaiser Karl VI. die italienischen und niederländischen Besitzungen der spanischen Habsburger. Ludwig XIV. behält seine linksrheinischen Erwerbungen, muss jedoch Freiburg, Breisach sowie Kehl restituieren.
Als Maria Theresia im zweiten österreichischen Erbfolgekrieg 1744 die westlichen Vorlande von österreichischen Truppen zum Einsatz im Osten gegen Friedrich den Großen entblößt (in Freiburg verbleibt eine Besatzung von nur 6.000 Mann), rücken französische Soldaten in den Breisgau nach. Ludwig XV. persönlich leitet vom Lorettoberg aus die Kanonade der Stadt. Der Freiburger Stadtschreiber notiert: En fin, es ware nit anderst, als wann die lebendige Höll offen stunde. Nach 6-wöchiger Belagerung ergibt sich Freiburg und die Franzosen besetzen nach 1638 und 1677 Stadt und Festung Freiburg zum dritten Mal, finden diesmal aber nur einen Trümmerhaufen vor. Im Frieden von Breslau muss Ludwig XV. die Stadt den Habsburgern zurückgeben. Vorher aber schleifen die Franzosen ihre vor einem halben Jahrhundert gebauten Festungswerke und sprengen sie so gründlich, dass seint alle Häuser rings umb die Statt, so nahe ahn der Fortification gelegen, totaliter ruiniert. Es herrscht bittere Armut. Im Jahre 1754 leben in der Stadt nur noch 1627 männliche und 2028 weibliche Einwohner.
[Bearbeiten] Allons enfants...
Als in Paris im Jahre 1789 die Revolution ausbricht, trifft dies Ereignis die über Jahrhunderte gewachsene Dreiständegesellschaft in deutschen Landen unvorbereitet, so auch in Freiburg.
Im Breisgau ist der erste, geistliche Stand trotz der Säkularisierung eines Teils des Kirchenbesitzes wegen seines Reichtums – man denke an den Besitz der Klöster St. Peter, St. Blasien und St. Trudpert – der bedeutendste. Zum zweiten Stand gehören der alte Reichsadel mit seinen Ländereien aber auch die durch die großzügige Nobilitierungspraxis der Habsburger geschaffenen besitzarmen neuen Ritter. Sie geben als Verwaltungsbeamte, Juristen und Universitätsprofessoren der Feudalgesellschaft ein festes Gerüst. Als dritter Stand ist die Bürgerschaft, in den Zünften wohl organisiert, zu Wohlstand gekommen. Die Bauern dagegen, auch wenn nicht mehr leibeigen, leben noch immer in der Abhängigkeit der kirchlichen und weltlichen Grundbesitzer.
Innerlich bleibt es ruhig im Breisgau, da unsere Nation ... weder so verdorben, noch so gedrückt, noch so enthusiastisch ist, wie Kaiser Leopold II. im fernen Wien findet. Als aber der Nationalkonvent in Paris 1792 zur Sicherung der natürlichen Grenzen Frankreichs eine Durchsetzung der Errungenschaften der Revolution auch in anderen Ländern Europas beschließt, sind die habsburgischen Besitzungen am Oberrhein direkt bedroht. Der Freiburger Regierungspräsident Sumerau wendet sich an seinen Kaiser in Wien: Mir blutet das Herz, wenn ich denke, dass diese guten, treuen Untertanen dem Raub und Mord ihrer Nachbarn, dieser Kannibalen, ausgeliefert werden sollen.
Nachdem bereits 1793 das Revolutionsheer des Reiches Schlüssel Alt-Breisach besetzt hatte, nehmen die Franzosen im Sommer 1796 Freiburg ein. Dies jedoch erst nach heldenhaftem Widerstand der Bürgermilizen unter dem Maior und Stadtrath Ignaz Caluri, wie es Sumeraus Schwager General Max Freiherr von Duminique auf einer Tafel, die heute noch am Freiburger Martinstor hängt, bescheinigt. Ein wohl seltener Fall, dass ein General seinen Truppen ein Denkmal setzt.
Diesmal lassen die Habsburger jedoch ihre rechtsrheinischen Besitzungen nicht im Stich, denn nach drei Monaten befreit der Franzosen Schreck, Erzherzog Karl, Freiburg.
[Bearbeiten] Napoleons Wille geschehe
Nach mehreren Niederlagen der Österreicher in Oberitalien gegen die Revolutionstruppen der Armée des Alpes mit ihrem Befehlshaber Napoléon Bonaparte, fasst dieser 1797 im Frieden von Campo Formio die eroberten Gebiete zur Cisalpinischen Republik zusammen So geht auch der Herzog von Modena Herkules III. seiner italienischen Besitzungen verlustig und erhält als Kompensation den Breisgau. Auch als Herkules nach der erneuten Niederlage Österreichs im Zweiten Koalitionskrieg 1801 zusätzlich die Ortenau zugesprochen bekommt, erfolgt der Herrschaftswechsel nur zögerlich.
Da fordert 1805 Franz II. (HRR) (inzwischen als Franz I. österreichischer Kaiser) im Dritten Koalitionskrieg den ebenfalls selbsternannten französischen Kaiser Napoleon noch einmal heraus, doch in der Schlacht bei Austerlitz erleidet Österreich eine vernichtende Niederlage. Noch vom besetzten Wien aus verfügt Napoleon den Anfall des Breisgaus und der Ortenau an Baden. Freiburg findet sich vom Vorposten Habsburgs am Oberrhein zu einer Provinzstadt in einem von Napoleons Gnaden zum Großherzogtum beförderten Pufferstaat degradiert. Gnadenlos presst Napoleon aus den koalierten Staaten Geld und vor allem frische Truppen, die er für seinen Feldzug gegen Russland braucht. Unter den 412.000 Mann der Grande Armée, die sich 1812 bis nach Moskau vorkämpft, befinden sich auch etwa 150.000 Deutsche, doch kehren davon nur rund 1.000 in die Heimat zurück.
Dieser Blutzoll treibt die antinapoleonische Stimmung in den deutschen Landen hoch, doch während etwa in Preußen sich Freikorps gegen die Napoleonische Herrschaft erheben, lässt Großherzog Karl Friedrich noch 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig badische Söldner im Rahmen seiner Verpflichtungen im Rheinbund an der Seite Bonapartes kämpfen. Da wundert es nicht, dass im ehemalig habsburgischen Freiburg vom Regierungsgebäude das badische Wappen heruntergerissen und im Gegenzug am Kreisdirektorium nachts ein K. und K.Doppeladler angebracht wird.
[Bearbeiten] Freiburg wird endgültig badisch
Als die gegen Napoleon verbündeten Truppen im Winter 1813 auf dem Wege nach Paris durch Freiburg ziehen, kommt es zu einem Treffen zwischen dem österreichischen Kaiser Franz I. (ehemals römisch-deutscher Kaiser Franz II.), dem russischen Zaren Alexander I. und dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. Habsburgtreue Freiburger bereiten Franz I. einen begeisterten Empfang. Alte Gefühle brechen auf: Wien und das habsburgisch katholische Österreich sind den Freiburgern näher als Karlsruhe und das protestantische Nordbaden.
Alle politischen Bemühungen des Freiburger Stadtrats nützen jedoch nichts. Freiburg und der Breisgau bleiben bei Baden. Mit dem endgültigen Verzicht auf die ehemaligen österreichischen Vorlande auf dem Wiener Kongress legt Metternich den Jahrhunderte alten französisch-habsburgischen Interessenkonflikt am Rhein bei, schafft aber einen neuen potentiellen französisch-preußischen, als Preußen statt Österreich mit seinen Neuerwerbungen am Niederrhein die Wacht am Rhein übernimmt.
So kehrt Freiburg nicht unter die milde Hand Österreichs zurück, sondern bleibt beim Großherzogtum Baden. Viele Menschen sind enttäuscht, sehen aber letztlich auch die Chance einer Liberalisierung. Auch Karl von Rotteck klagt zunächst über die Loßreißung von dem milden Scepter, der seit Jahrhunderten uns beglückte, arbeitet aber dann an der recht liberalen badischen Verfassung mit und sieht in ihr vor allem ein einigendes Element: Wir haben eine ständige Verfassung erhalten, ein politisches Leben als Volk ... ein Volk von Baden waren wir nicht. Fortan aber sind wir Ein Volk, haben einen Gesamtwillen und ... ein Gesamtrecht.
[Bearbeiten] Restauration – Revolution
Die Karlsbader Beschlüsse ersticken jedoch die im Zuge der Befreiungskriege aufgekommende Hoffnung auf eine Liberalisieung in deutschen Landen im Keim. Das Bürgertum zieht sich in die Häuslichkeit des Biedermeier zurück.
Als Ende Februar 1848 im Mutterland der Revolution der Bürgerkönig Louis Philippe gestürzt und die zweite Republik ausgerufen wird, erwacht auch rechts des Rheins eine Freiheitsbewegung. In Baden sind es vor allem die Rechtsanwälte Friedrich Hecker und Gustav Struve, die unbedingte Preßfreiheit, Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands, Volksbewaffnung und die sofortige Herstellung eines teutschen Parlaments fordern. Wie überall in deutschen Landen ist das Lager der Revolutionäre in Baden gespalten in Anhänger einer konstitutionellen Monarchie und einer Republik. Die Auseinandersetzungen über diese Frage erreichen am 26. März 1848 auf einer Volksversammlung in Freiburg ihren Höhepunkt.
Die Konstituierung der gewählten Frankfurter Nationalversammlung kann den Elan Heckers nicht bremsen. Er will den bewaffneten Aufstand und ruft den Abgeordneten in der Paulskirche zu: Zieht mit uns, statt leeres Stroh in Frankfurt zu dreschen. So ruft er am 12. April in Konstanz das Volk im Namen einer provisorischen Regierung zu einer bewaffneten Erhebung auf und zieht unterwegs Freiwillige werbend gen Norden. Regierungstruppen schlagen den revolutionären Heckerzug bei Kandern in die Flucht.
Regierungstruppen stehen auch bereit, um in Freiburg die revolutionäre Bestrebungen niederzuschlagen. Deshalb verbarrikadieren sich zu Ostern in der Stadt die etwa 1500 Freischärler und warten auf den Entsatz durch 5000 bewaffnete Revolutionäre unter Franz Sigel. Unterdessen ziehen Regierungs- und hessische Truppen den Belagerungsring um Freiburg immer enger. Als Sigels Mannschaft am Ostermontag den 24. April endlich vor den Toren der Stadt erscheint, kommt es zu blutigen Kämpfen, in denen die schlecht bewaffneten Aufständigen rasch unterliegen. Nach nur kurzem Kampf fallen 3 Regierungssoldaten und 20 Freischärler.
Nach dem Scheitern Heckers springt Struve in die offene Bresche. Im September beginnt er aus der Schweiz kommend in Südbaden mit zunächst 80 Bewaffneten, einen Marsch auf Karlsruhe. In Lörrach und Müllheim ruft er unter der Devise: Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle! die Republik aus. Doch auch dieser dilletantische Versuch, im Volksmund in Anlehnung an das bekannte Kinderbuch als Struwwelputsch bezeichnet, erstickt im Feuer der Regierungstruppen. Von einem öffentlichen Schwurgericht (eine der revolutionären Forderungen) muss sich Struve im März 1849 in Freiburg verantworten.
Die Ablehnung der von der Frankfurter Nationalversammlung erarbeiteten deutschen Verfassung durch die meisten Landesregierungen führt 1849 zu einem letztem Aufbäumen der revolutionären Bestrebungen so auch in Baden. Am 11. Mai kommt es in Freiburg zu einer Verbrüderung der Republikaner mit dem 2. Badischen Infanterieregiment. Am 12. Mai fordert das Volk in Offenburg die Anerkennung der Reichsverfassung durch die badische Regierung. Die Bundesfestung Rastatt erhebt sich.
Am 28. Juni tagt eine verfassungsgebende Versammlung im Basler Hof zu Freiburg. Auf Antrag des aus seiner Haft in Rastatt befreiten Abgeordneten Struve beschließt das Gremium, den Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln fortzusetzen. Oberst Sigel übernimmt das Kommando über das verbliebene Revolutionsheer, zu dem Freischärler aus dem Elsass und der Schweiz stoßen.
Nach der endgültiger Niederschlagung der Erhebung in Baden durch preußische Truppen unter dem Kommando des Kartätschenprinzen nehmen Mitte Juli die Standgerichte der badisch-preußischen Millitärtribunale ihre blutige Arbeit auf. In Freiburg werden Johann Maximilian Dortu, Friedrich Neff und Gebhard Kromer auf dem damaligen Friedhof in der Wiehre standrechtlich erschossen. Die Niederwerfung des Badischen Aufstandes bedeutet für lange Zeit das Ende der revolutionär-bürgerlichen Freiheits- und Einheitsbestrebungen in Deutschland.
[Bearbeiten] Auch das geschah im 19. Jahrhundert
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Stadt zu einem wirtschaftlichen und politischen Zentrum am Oberrhein. Innerhalb Badens wird Freiburg Sitz eines Stadtamtes und zweier Landämter, die 1819 zu einem Landamt vereinigt wurden. Gleichzeitig wurden die Gemeinden des aufgelösten Amtes St. Peter dem Landamt Freiburg eingegliedert. Im Jahr 1827 wird Freiburg Sitz des neu gegründeten Erzbistums Freiburg. Das Freiburger Münster wird Bischofskirche. Freiburg wird 1832 Sitz des Oberrheinkreises, zu dem mehrere Ämter gehören. 1845 wurde der Bahnhof eingeweiht, ein erster Zug fuhr nach Offenburg. Die Bahnstrecke wurde im Revolutionsjahr 1848 auch gleich für Transporte der Regierungstruppen genutzt.
Die liberalen Politiker Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker lehrten an der Freiburger Universität. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs Freiburg stark, Stadtteile wie der Stühlinger jenseits der Bahnlinie und große Teile der Wiehre entstanden neu. 1864 werden Stadt- und Landamt Freiburg zum Bezirksamt Freiburg vereinigt. Zum neuen Großkreis Freiburg gehören die Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg, Kenzingen (1872 aufgelöst), Neustadt im Schwarzwald und Staufen. Im gleichen Jahr gründet sich mit dem Schwarzwaldverein der erste deutsche Wanderverein in der Stadt. 1899 immatrikulierte die Freiburger Universität als erste Hochschule in Deutschland eine Frau.
[Bearbeiten] Das 20. Jahrhundert
Als aufstrebende und dem Modernen zugeneigte Stadt plante Freiburg eine elektrische Straßenbahn, nachdem es schon vor der Jahrhundertwende eine Pferdestraßenbahn gegeben hatte. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Elektrizitätswerk errichtet. 1901 fuhr die erste Linie A vom Rennweg zur Wonnhalde, noch heute Teilstück der Linie 2. Im Jahre 1910 wurde das neue Stadttheater am Westrand der Innenstadt eingeweiht, dem 1911 die Eröffnung des neuen Universitäts-Hauptgebäudes (heute Kollegiengebäude I) schräg gegenüber folgte. Der Erste Weltkrieg hinterlässt in Freiburg Spuren: Bei einem französischen Fliegerangriff am 15. April 1917 gab es auch Todesopfer zu beklagen. Nach Ende des Krieges wird 1918 auch in Freiburg zur Revolution aufgerufen.
Im Jahr 1923 kamen auf Initiative des französischen Parlamentsabgeordneten und Pazifisten Marc Sangnier beim 3. Internationalen Friedenskongress in Freiburg etwa 7.000 Menschen aus 23 Nationen zusammen, um über Wege zum Abbau des Hasses zwischen den Nationen, zur Völkerverständigung und zur Überwindung des Krieges zu beraten. Einer der deutschen Teilnehmer war der spätere Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde. – Im Zuge einer Bezirksreform wird 1924 der Bezirk Breisach aufgelöst und seine Gemeinden zum Großteil dem Bezirksamt Freiburg zugeordnet. – Bei einem Besuch Hitlers 1932 im Möslestadion kommt es im Stadion zu Protestkundgebungen der Freiburger Bevölkerung. Hitler soll die Stadt seither immer gemieden haben und diese nicht mehr besucht haben.
1933 geben sich auch viele Freiburger nahezu widerstandslos dem nationalsozialistischen Regime hin. Oberbürgermeister Bender, seit 1922 im Amt, wurde nach der Machtübernahme als Folge einer Hetzkampagne der nationalsozialistischen Zeitung „Der Alemanne“ unter Franz Kerber im April 1933 zum Rücktritt gedrängt. Kerber wird zu seinem Nachfolger ernannt und erst beim Einmarsch der Franzosen 1945 abgelöst. Von der Freiburger Universität aus versucht Martin Heidegger den Nationalsozialismus kulturell anzuleiten. Wie vielerorts in Deutschland wird auch in Freiburg im Zuge der Novemberpogrome 1938 die jüdische Synagoge in Brand gesteckt und zerstört. Im Jahr 1939 wird das Bezirksamt Freiburg in Landkreis Freiburg umbenannt. Die Stadt Freiburg scheidet aus dem Landkreis aus und wird kreisfrei. 1940 werden aus Freiburg wie aus ganz Baden alle Juden deportiert (zunächst in das französische Konzentrationslager Gurs in der Nähe der spanischen Grenze, später von dort in die Vernichtungslager).
Am 10. Mai 1940 wird Freiburg durch Flugzeuge der Deutschen Luftwaffe versehentlich bombardiert. Da die Flugzeuge als deutsche identifiziert wurden, gab es keinen Fliegeralarm. Zum Zeitpunkt des Bombenabwurfes wähnten sich die Piloten über einer französischen Stadt. Die deutschen Flugzeuge warfen insgesamt 69 Bomben auf Freiburg ab – 57 Menschen starben. Die Ermittlungen zu diesem tragischen Ereignis wurden noch am gleichen Tag begonnen, allerdings wurden sie sofort fallengelassen, als sich die nationalsozialistische Propaganda des Themas bemächtigt hatte. Schnell wurden die Franzosen oder auch die Briten des Angriffes beschuldigt. Verschiedene Mythen zum 10. Mai 1940 hielten sich noch lange Zeit im Bewusstsein der Freiburger. Mehrjährige wissenschaftliche Forschung hat diese als falsch widerlegen können.
Am Abend des 27. November 1944 wird Freiburg von alliierten Truppen im Zuge der „Operation Tigerfish“ bombardiert, wobei fast 3.000 Menschen getötet und etwa 9.600 verletzt werden. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die britische Royal Air Force bis zu 150.000 Sprengköpfe auf die Altstadt, die in großen Teilen verwüstet wurde, abwarf. Nur dem Zufall ist es wohl zu verdanken, dass das Münster inmitten der Trümmer praktisch unbeschädigt bleibt.
Im April 1945, noch vor Kriegsende, wird die Stadt von der französischen Armee besetzt. Im Oktober hält General de Gaulle hier eine Siegesparade ab. Freiburg gehört zur französisch besetzten Zone Baden. In den Jahren bis zur Währungsreform von 1948 geht der Wiederaufbau nur sehr schleppend voran. Im Winter 1947/48 herrscht große Not, auch Hungersnot. Von 1946 bis 1952 ist Freiburg in Folge der Aufteilung der Besatzungszonen die Hauptstadt des Landes (ab 1949 des Bundeslandes) Baden. Nach Bestrebungen, die Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden zu einem leistungsfähigen Bundesland, dem „Südweststaat“ zu vereinigen, kommt es 1951 zur Abstimmung, bei der eine Mehrheit in diesen Ländern den Zusammenschluss billigt, nicht aber die Mehrheit in Baden. Freiburg war unter Ministerpräsident Leo Wohleb das Zentrum des Widerstands gegen diese Vereinigung. Man wollte lieber das alte Land Baden entlang des Oberrheins von Konstanz im Süden bis Mannheim im Norden wieder hergestellt sehen. Trotz heftiger Proteste von hier wird das Bundesland Baden-Württemberg gebildet, Stuttgart wird die Hauptstadt. Bei einer gerichtlich erzwungenen Wiederholung der Abstimmung im Jahre 1970 sprechen sich nur noch 18 % der Wahlberechtigten für die Selbständigkeit von Baden aus. Heute ist Freiburg Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirks, der weitgehend dem ehemaligen Bundesland (Süd-)Baden entspricht.
Nach kontinuierlichem Wiederaufbau der Innenstadt, weitgehend in den alten Maßen, hat Freiburg auch zu feiern: 1957 wird die Universität 500 Jahre alt, 1959 wird mit der französischen Universitätsstadt Besançon die erste Städtepartnerschaft begründet, 1964 liegt Freiburg an der Strecke der Tour de France und 1970 feiert die Stadt mit zahlreichen Veranstaltungen ihr 850-Jahre-Jubiläum.
1973 wird im Zuge der Kreisreform zum 1. Januar der Landkreis Freiburg Bestandteil des neuen Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Freiburg wird wieder Sitz des neuen Großkreises, bleibt selbst aber kreisfrei. Mit Ebnet und Kappel werden zum 1. Juli 1974 die letzten beiden Randgemeinden eingemeindet; die Gebietsreform ist damit abgeschlossen.
In den 1970er Jahren entwickelte sich Freiburg zu einem Zentrum der Alternativkultur und Umweltbewegung. Ausgangspunkt waren die Auseinandersetzungen um das geplante Atomkraftwerk bei Wyhl am Kaiserstuhl, an denen sich auch zahlreiche Freiburger Einzelpersonen und Gruppen beteiligten. Die erfolgreiche Verhinderung der Planungen gab entscheidende Impulse für die entstehende Umweltbewegung in Deutschland.
1980/81 tobt in der Stadt der „Häuserkampf“. Da immer noch Wohnungsknappheit herrscht, werden z.T. aus Spekulationsgründen leerstehende Häuser besetzt und durch starke Polizeikräfte geräumt. Studenten und Anhänger der starken Autonomen Szene liefern sich mehrere Wochen lang ausgedehnte Straßenkämpfe mit der Polizei. Erst durch das Engagement einer Bürgerschaftsgruppierung beruhigt sich die Situation allmählich.
1983 wird das erste Zelt-Musik-Festival, damals noch in der Innenstadt, veranstaltet. 1984 führt Freiburg als erste deutsche Stadt nach dem Vorbild des benachbarten Basel erfolgreich eine übertragbare preisgünstige Umweltkarte ein. Sie ist seit 1991 im Rahmen des neu geschaffenen Regio Verkehrsverbundes als RegioUmweltkarte im Stadtgebiet und den benachbarten Kreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen gültig. 1986 ist Freiburg Gastgeber der siebten Landesgartenschau Baden-Württemberg. Ihr Gelände, der Seepark, ist heute ein Naherholungsgebiet im Westen der Stadt.
[Bearbeiten] Eingemeindungen und Erweiterungen
Ehemals selbständige Gemeinden beziehungsweise Gemarkungen, die in die Stadt Freiburg im Breisgau eingegliedert wurden. Vor der ersten Eingemeindung umfasste das Stadtgebiet lediglich 3.005 ha.
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Freiburg wuchs nicht nur durch Eingemeindungen, sondern auch durch neue Stadtteile. In den 1960er-Jahren waren dies die Stadtteile Weingarten und Landwasser, in den 1990er-Jahren wurden die Stadtteile Rieselfeld und Vauban neu entwickelt.
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
1895 hatte Freiburg mehr als 50.000 Einwohner. 1933 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, was sie zur Großstadt machte. Bis 1996 verdoppelte sich diese Zahl auf 200.000. Ende 2005 lebten in Freiburg nach amtlicher Fortschreibung rund 216.000 Menschen mit Hauptwohnsitz – historischer Höchststand. Mit einem Wachstum von 24 % im Zeitraum von 1980-2006 wächst die Stadt unter den Großstädten Baden-Württembergs am schnellsten. Die Stadt gehört zu den wenigen Großstädten in Deutschland, die auch nach dem Jahr 2000 noch einen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen haben.
Mit einem Durchschnittsalter seiner Bewohner von 40,3 Jahren ist Freiburg die Stadt mit der jüngsten Bevölkerung in Baden-Württemberg.
Die folgende Übersicht (Auswahl) zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst.
Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
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¹ Volkszählungsergebnis
[Bearbeiten] Religionen
[Bearbeiten] Christentum
Da Freiburg bis 1805 zu Österreich gehörte, blieb die Stadt eine katholische Stadt. Die Bevölkerung gehörte kirchlich zum Bistum Konstanz, das mit dem Ende des alten Reiches aufgelöst wurde. 1821 wurde Freiburg Sitz eines eigenen römisch-katholischen Erzbischofs, der jedoch erst 1827 sein Amt antreten konnte. Die Grenzen des Erzbistums Freiburg decken sich mit den Grenzen des ehemaligen Landes Baden und des (später preußischen) Fürstentums Hohenzollern. Bischofskirche ist das Freiburger Münster. Zur Kirchenprovinz Freiburg gehören die beiden Suffraganbistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart (bis 1929 auch die Bistümer Limburg und Fulda). Der Erzbischof von Freiburg trägt den Titel eines Metropoliten. Der Deutsche Caritasverband hat seinen Sitz in Freiburg.
Im 19. Jahrhundert zogen auch Protestanten in die Stadt, die später eigene Kirchen erhielten. Die ehemals markgräflich-badischen Teilorte Haslach, Opfingen und Tiengen sind traditionell evangelisch. Die Freiburger Protestanten gehören heute, sofern sie nicht Glieder einer Freikirche sind, zum Dekanat Freiburg innerhalb des Kirchenkreises Südbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden. In Freiburg befindet sich auch der Sitz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden, einer lutherischen Freikirche.
Seit dem späten 19. Jahrhundert besteht in Freiburg eine altkatholische Gemeinde. Den griechisch-, serbisch-, russisch- und rumänisch-orthodoxen Gemeinden wurde eine katholische Kirche für ihre Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es in Freiburg eine Anglikanische Gemeinde und die Neuapostolische Kirche, die Heilsarmee sowie die Zeugen Jehovas.
[Bearbeiten] Judentum
Nachdem der jüdischen Gemeinde in Freiburg am 12. Oktober 1338 ein umfassender Sicherungs- und Freiheitsbrief ausgestellt wurde, der auch mit umfangreichen Rechten verbunden war, wurden die Juden im Jahre 1424 „auf ewig“ vertrieben. Die Bürgerschaft duldete bis ins 19. Jahrhundert keine Ansiedlung von Juden. 1863 wurde wieder eine jüdische Gemeinde gegründet. In der Pogromnacht 1938 wurde die 1870 errichtete Synagoge zerstört. Am 22. Oktober 1940 wurden die im Lande verbliebenen badischen und pfälzer Juden vom Annaplatz aus nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Nach 1945 konstituierte sich wieder eine kleine jüdische Gemeinde. Sie errichtete von 1985 bis 1987 zwischen Münsterplatz und Stadtgarten eine neue Synagoge. Im Pflaster der Innenstadt erinnern Stolpersteine an Opfer der Judenverfolgung während der Naziherrschaft.
[Bearbeiten] Islam
Mehrere islamische Organisationen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Ausrichtung unterhalten in Freiburg Gebetsstätten, eine richtige Moschee wurde bisher nicht errichtet.
[Bearbeiten] Politik
Im früher katholisch-konservativen Freiburg gab es 1962 mit der erstmaligen Wahl eines Sozialdemokraten zum Oberbügermeister (Dr. Eugen Keidel) einen „Linksruck“. Bis zum Ausscheiden von Dr. Rolf Böhme im Jahr 2002 hatte Freiburg durchgehend sozialdemokratische Oberbürgermeister. Mittlerweile gilt die Stadt jedoch als eine Hochburg der Grünen. Dies äußert sich nicht nur in der Wahl des ersten grünen Oberbürgermeisters einer deutschen Großstadt, sondern auch in durchgehend überdurchschnittlich hohen Wahlergebnissen. Bei den Bundestagswahlen 2002 und 2005 wurde der Wahlkreis Freiburg mit 25,0 beziehungsweise 22,8 Prozent der Zweitstimmen bundesweit bester Wahlkreis dieser Partei, bei der Europawahl am 13. Juni 2004 erreichten sie im Stadtkreis sogar 36,8 Prozent. Bei der jüngsten Landtagswahl vom 26. März 2006 setzte sich allerdings die CDU mit 30,3% wieder als stärkste politische Kraft in der Stadt durch. Das Direktmandat im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis Freiburg hat jedoch seit 1998 der Sozialdemokrat Gernot Erler, heute Staatsminister im Auswärtigen Amt, inne. Über die Landesliste vertritt zusätzlich Kerstin Andreae (Grüne) die Stadt im Deutschen Bundestag (seit 2002). Im Landtag von Baden-Württemberg ist Freiburg (2002-2007) mit sechs Abgeordneten vertreten – bedingt durch die Aufteilung des Stadtgebiets in zwei Wahlkreise: Gustaf-Adolf Haas (SPD – FR-Ost), Reinhold Pix (Grüne – FR-Ost), Margot Queitsch (SPD – FR-West), Bernhard Schätzle (CDU – FR-West), Dr. Klaus Schüle (CDU – FR-Ost) und Edith Sitzmann (Grüne – FR-West).
[Bearbeiten] Oberbürgermeister
An der Spitze der Stadtverwaltung stand früher der Schultheiß als Vorsitzender des Gerichts. Nach dem Übergang an Baden wurde die badische Städteverfassung eingeführt mit einem direkt gewählten Bürgermeister, später Oberbürgermeister an der Spitze der Verwaltung, der hier aber auch gleichzeitig stimmberechtigter Vorsitzender des Gemeinderates ist.
Die Oberbürgermeister seit 1806:
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[Bearbeiten] Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 48 gewählten Mitgliedern. Den Vorsitz (mit Stimmrecht) hat der Oberbürgermeister. Die Wahl zum Stadtrat vom 13. Juni 2004 ergab folgendes Ergebnis:
- CDU 26,1% (-5,0) – 13 Sitze (-3)
- GRÜNE 25,8% (+6,1) - 13 Sitze (+3)
- SPD 17,1% (-3,7) – 8 Sitze (-3)
- FWV 8,2% (-0,4) – 4 Sitze (=)
- Linke Liste – Solidarische Stadt 6,3% (+2,1) – 3 Sitze (+1)
- FDP 5,0% (-0,1) – 2 Sitze (=)
- Kulturliste 4,4% (+4,4) - 2 Sitze (+2)
- Junges Freiburg 4,1% (+0,3) – 2 Sitze (=)
- Unabhängige Frauen 3,0% (+0,2) – 1 Sitz (=)
- Andere 0,0 (-3,9) – 0 Sitze (=)
Grüne und Junges Freiburg bilden eine Fraktionsgemeinschaft, ebenso die Linke Liste mit der Kulturliste und den Unabhängigen Frauen.
Mit 35 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zum Stadtrat stellt der Bäckermeister Alfred Kalchthaler (Freie Wähler) im November 2006 einen Nachkriegsrekord auf.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Städtepartnerschaften in Europa ein Weg, um die Verständigung unter Menschen verschiedener Nationen im direkten Kontakt zu ermöglichen und damit den Frieden zu stabilisieren. In diesem Geist wurde 1959 die Partnerschaft mit Besançon geschlossen, der mit Innsbruck, Padua und Guildford weitere folgten. Die kontinentalen Städte dieser Phase sind nicht ganz zufällig von etwa gleicher Größe und Struktur, sind auch touristisch attraktive Universitätsstädte und alte Habsburgerstädte mit reicher Vergangenheit. Das gilt auch für die später hinzugekommene Stadt Granada. Auch für Lemberg hat diesen Charakter, auch wenn die Stadt erheblich größer ist, mit de