Feministische Theologie
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Die feministische Theologie ist eine insbesondere Mitte des 20. Jahrhunderts stark gewordene, der Emanzipation der Frau zuzuordnende Bewegung.
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[Bearbeiten] Feministische Theologie in ihren Grundzügen
Feministische Theologie ist bewusst kontextuelle Theologie, d.h. Theologie unter besonderer Berücksichtigung der Frauenperspektive. Das bringt ihr immer wieder den Vorwurf der Parteilichkeit ein: Ist es mit dem wissenschaftlichen Neutralitätsgebot vereinbar, die Bibel mit den Interessensaugen von feministischen Theologinnen zu lesen? Dagegen fragt die Feministische Theologie, ob es umgekehrt überhaupt möglich ist, Theologie nicht kontextbezogen zu betreiben. Die feministische Analyse herkömmlicher Theologie zeigt, wie sehr diese von patriarchalischen Denkmustern geprägt ist: In aller Regel ist sie weiße, westliche und männlich geprägte Mittelstandstheologie. Grundthese der Feministischen Theologie ist daher, dass keine Theologie dem wissenschaftlichen Neutralitätsgebot gerecht wurde oder wird, und dass dies auch kaum möglich ist. Daher postuliert Feministische Theologie für sich meist keinerlei wissenschaftliche Neutralität und widerspricht herkömmlichen Theologen, die für ihre Theologie eine solche Neutralität behaupten. Feministische Theologie gibt sich also auch den Auftrag, die zum Ausgangspunkt der Betrachtung gewählten patriarchalischen Strukturen der herkömmlichen Theologie in Geschichte und Gegenwart zu hinterfragen.
Feministische Theologie arbeitet auf allen theologischen Gebieten. Innerhalb der Fächer Altes und Neues Testament bemüht sie sich, patriarchalische Strukturen der Bibel und patriarchalische Auslegungstraditionen sichtbar zu machen. Im Rahmen der Kirchengeschichte fragt feministische Theologie gezielt nach Frauengeschichte, kritisiert die tradierte Geschichtsauslegung als androzentrisch und deutet androzentische Geschichtsauslegungen um. Feministische Systematik überdenkt Glaubensgrundsätze, die im Laufe der Geschichte patriarchalische und androzentrische Züge bekommen haben, so z.B. Teile der Kreuzestodtheologie oder androzentrische Gottesbilder. In der Praktischen Theologie bemüht sich feministische Theologie um Umsetzung des auf theoretischer Basis Erarbeiteten (Wie kann man verantwortungsvoll feministisch predigen? Müssen Seelsorgekonzepte feministisch überarbeitet werden? Wie können Erkenntnisse der Feministischen Theologie in den Religionsunterricht einfließen?)
[Bearbeiten] Weibliche Gottesbilder in der Bibel
Ein wichtiger Bereich der feministischen Theologie ist die Kritik an der Dominanz männlicher Gottesbilder im gesellschaftlich-religiösen Bewusstsein. Diese männlichen Vorstellungen (Vater, Richter, Herr, der Allmächstiger, der Unnahbare, König) beruhen lediglich auf den patriarchalischen Gesellschaftsverhältnissen Israels zu Zeit der Durchsetzung des monotheistischen Glaubens. Dieses sei zwar durch die mythische Sprache, die aufgrund der Unfassbarkeit Gottes als einzige in Bezug auf Religion in Frage komme und die sich in Form von Gleichnissen nun einmal Geschehnissen des (zuweilen patriarchalisch geprägten) Alltags zu Nutze mache bedingt, und daher nicht verurteilungswürdig, doch führe sie zu einer Art Götzendienst am Mann: If god is male, then the male is god. schreibt Mary Daly und spielt damit darauf an, dass die Verehrung rein männlicher Gottesbilder einer Verehrung des Mannes gleichkomme und somit als Anbetung eines anderen Gottes (nämlich des Mannes) als Götzendienst zu beurteilen sei.
Eigentlicher Angriffspunkt der Feministischen Theologie ist jedoch nicht die Dominanz männlicher Gottesbilder sondern die damit zusammenhängende fehlende (oder zumindest: gehinderte) Identifikationsmöglichkeit der Frau mit einem Gott-Vater. Das Erfahrungsmaterial, auf dem männliche Gläubige den Vaterbegriff und seine Beziehung zum Sohn verstehen, sei ein völlig anderes als das einer Frau. Die spezifischen Vater-Sohn-Erfahrungen, auf die die Begrifflichkeiten vieler Gleichnisse, Psalmen, Bekenntnisse und Gebete aufbauen, sind für Frauen zunächst einmal nicht erschließbar. Aus diesem Grunde fordern feministische Thelogen und Theologinnen heutzutage die Wiederbelebung auch weiblicher und anderer, persönlicher Gottesbilder (s.u.).
Als Produkt des historisch-gesellschaftlichen Kontextes entlarvt und als Hinderungsschwelle der Identifikation für weibliche Gläubige verstanden, stellt sich das Gottesbild letztlich als beidseitig geöffnet dar: Ob nun Vater und Sohn oder Mutter und Tochter der prägende Terminus ist, unterscheidet sich vom Glaubensinhalt her nicht - und somit ist beides möglich.
Die feministische Theologie beruft sich unter anderem auf die in der Bibel zwar seltenen, aber dennoch existenten weiblichen Gottesbilder. Laut Meinung der Theologinnen seien diese in ihrer geschichtlichen Tradition aufgrund der andauernden männlichen Dominanz verdrängt worden und es sei nun an der Zeit, diese wiederzubeleben und zu Aktiva der Theologie zu gestalten.
Die feministische Theologie bemängelt weiterhin das Fehlen von weiblichen Satansbildern in der traditionellen Theologie. Frauen werde es dadurch erschwert sich mit dem Teufel, mit Damönen oder bösen Geistern zu identifizieren, die in der Bibel durchweg männlich sind.
[Bearbeiten] Die Hausherrin
- Wie die Augen der Magd auf die Hand der Gebieterin, so blicken unsere Augen auf Jahwe unseren Gott. (Psalm 123,2)
- Freuet euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. (Lukas 15, 8-10)
[Bearbeiten] Die Gebärende
- Des Felses, der dich gezeugt, gedachtest du nicht und vergaßest des Gottes, der dich geboren. (Deuteronomium 32,18)
- Ich habe lange geschwiegen... jetzt will ich schreien wie die Gebärende, will schnauben und schnappen zumal. (Jesaja 42,14)
[Bearbeiten] Mutter
- Wird auch eine Frau ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie gleich seiner vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. (Jesaja 49,15)
- Ich war es doch, der Ephraim gehen gelehrt, der sie auf die Arme genommen [...], sie an mich zog mit Banden der Huld, mit Seilen der Liebe. (Hosea 11, 1-4)
[Bearbeiten] Hausfrau
- Hast du mich hingegossen wie Eier und wie Käse mich gerinnen lassen? (Ijob 10, 10-11)
- Das Reich Gottes gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis er ganz durchsäuert war. (Matthäus 13,33)
[Bearbeiten] Hebamme
- Ja, du bist's, der mich zog aus dem Mutterschoß, mich sicher barg an meiner Mutter Brust. (Psalm 22,10)
- Kaum in Wehen, hat Zion auch schon ihre Kinder geboren. Sollte ich bis zur Geburt bringen und nicht gebären lassen? spricht Jahwe. Oder sollte ich, der ich gebären lasse, wieder verschließen? spricht dein Gott. (Jesaja 66, 8-9)
[Bearbeiten] Strömungen innerhalb der Feministischen Theologie
Feministische Theologie ist parteiische Theologie im Sinne der Frauenemanzipation. Es stellt sich jedoch die Frage, in welche Richtung die Frauenemanzipation gehen soll. Wie im Feminismus allgemein entwickeln sich auch in der Feministischen Theologie verschiedene Strömungen mit sehr unterschiedlichen Interessen. Der Differenzfeminismus legt Wert auf die Andersartigkeit der Frauen von Männern und fordert eine Aufwertung dessen, was Frauen ausmacht. Dagegen geht die Gendertheorie davon aus, dass der Unterschied zwischen Männern und Frauen in erster Linie gesellschaftlich bedingt ist. Für die Feministische Theologie bedeutet die Zugehörigkeit zu einer der beiden Richtungen ganz andere Zielsetzungen. Soll z.B. bewusst Gottes "weibliche" Seite wiederentdeckt werden? Oder bedeutet das nicht vielmehr, gesellschaftlich bedingte Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Himmel festzuschreiben? Sollen Frauen als Gegenüber zu den Männern in der Bibel wiederentdeckt werden? Oder soll vielmehr die Verheißung Gal 3,28 hervorgehoben werden, dass vor Gott weder männlich noch weiblich gelte?
Eine weitere Frage innerhalb der feministischen Theologie ist die nach der Stellung der Bibel. Wird sie im Ganzen und ohne Fehler als Gottes Wort anerkannt, so lassen sich patriarchalische Denkstrukturen in ihr nicht kritisieren. Die Feministische Kritik kann dann nur dort ansetzen, wo Androzentrismus die Auslegungsgeschichte geprägt hat. Der Textbestand der Bibel aber bleibt weitgehend kritikfrei und wird als Wort Gottes anerkannt. Andere feministische Theologinnen lehnen große Teile der Bibel als patriarchal ab. Bereits die Abfassung der Texte erfolgte ihrer Meinung nach unter androzentrischen Gesichtspunkten. Texte, die erkennbar emanzipatorischen Strömungen zuwider laufen, werden nicht als heilige Schrift anerkannt. Einige besonders radikale Theologinnen haben sich im Laufe der Zeit ganz vom Christentum distanziert. Verständlicherweise nimmt die Frage, in welchem Rahmen die Bibel das Wort Gottes ist, eine gewisse Breite ein.
[Bearbeiten] Theologische Disziplinen im Einzelnen
[Bearbeiten] Bibelwissenschaften
[Bearbeiten] Einleitung
Die Exegese biblischer Texte ist bestimmt von der eigenen Frömmigkeitserfahrung, vom sozialen Ort und politischen Selbstverständis, vom fachlichen know-how und Erkenntnishorizont der Interpretin. Insbesondere das eigene Bibelverständnis ist entscheidend für den weiteren Umgang mit den biblischen Texten. Das ist zwar nicht spezifisch für feministische Theologinnen, aber für feministische Theologinnen wird die Frage in vielen Fällen relevanter, als für Theologen herkömmlicher Art. Welche Schlüsse sind aus der Analyse zu ziehen, dass eine bestimmte Textpassage einen frauenfeindlichen Hintergrund haben?
[Bearbeiten] Altes Testament
[Bearbeiten] Neues Testament
Wenn Gott die Einheit der Gegensätze ist ( so Nicolaus von Kues ), dann hat er viele Seiten. Jesus hat der Seite des Herrschers und Richters, die im Alten Testament betont wird, ergänzend die des Vaters hinzugefügt. "Er selbst, der Vater, hat euch lieb" (Johannes 16,27). Ist Gott auch Mutter? Ist er die "Himmelsfrau, die schwanger ist und in Schmerzen Kinder gebiert" (Offenbarung 12,1+2) Sind wir Menschen die Kinder, die erst geboren sind, wenn sie von der Erde in den Himmel gelangt sind? Eduard Lohse meint in seinem Kommentar zur Apokalypse, von der richtigen Antwort hänge das richtige Verständnis von allem Leid und allem Schrecken ab. Das Bild von Gott als Mutter betont neben der Liebe das Mitleiden während des "Geburtsvorgangs". Es ermöglicht die Deutung des Kreuzes Jesu als Zeichen der Solidarität der göttlichen Seite.
[Bearbeiten] Kirchengeschichte
Untersucht man, was Menschen für überlieferungswürdig halten, dann fällt auf, dass dies meist die Taten herrschender Männer waren, in wenigen Ausnahmen auch die, herrschender Frauen. Das Leben der unteren Schichten, und dort insbesondere der Frauen, spielt in der Darstellung der Geschichte kaum eine Rolle. Dies trifft auch für die Kirchengeschichte zu. Dargestellt wird in der Kirchengeschichte für gewöhnlich das Leben großer Theologen und ihre Theologie. Das gilt auch dann, wenn es große Theologinnen gegeben hat. Es werden also auf der einen Seite große Frauen der Kirchengeschichte nicht erforscht, auf der anderen Seite Alltagsgeschichten von Frauen (wie auch von nicht berühmten Männern) nicht für erforschenswürdig erachtet. Feministische KirchengeschichtlerInnen wollen die Theologiegeschichte von Frauen sichtbar machen. Dazu gehören zum Einen die Aufarbeitung in Vergessenheit geratener wichtiger Persönlichkeiten, zum anderen aber auch die Aufarbeitung der Alltagsgeschichte von Frauen. Darüber hinaus sind wichtige theologiegeschichtliche Strömungen wie Mystik und Pietismus entscheidend von Frauen mitgeprägt worden. Solche Theologie von Frauen wieder sichtbar zu machen, ist Aufgabe der feministischen Kirchengeschichte.
[Bearbeiten] Systematik
[Bearbeiten] Praktische Theologie
"Feministisch Predigen" ist ein ehrenamtliches Projekt von Pastorinnen, Pfarrerinnen, Diakoninnen, die ihre feministische Arbeit mit anderen bundesweit vernetzen und in gegenseitiger Hilfe und Anregung leben wollen.
[Bearbeiten] Weblinks
- http://www.feministisch-predigen.de Informationen über "Feministisch predigen"
[Bearbeiten] Literatur
- Gerstenberger, Erhard: Jahwe - ein patriarchaler Gott? Traditionelles Gottesbild und feministische Theologie, Stuttgart u.a.: Kohlhammer, 1988.
- Leewe, Hanne; Neuschäfer, Reiner Andreas: Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen. Gottesbilder, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2005. ISBN 3-525-61419-5
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