Fähnrich

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Fähnrich (früher auch Kornett, vom span. corneta, Reiterfahne, Standarte, daraus franz. cornette; englisch Ensign) ist ein militärischer Dienstgrad, der national unterschiedlich, entweder einen Offizieranwärter, den ehemals dienstjüngsten Offizierdienstgrad oder einen Berufsunteroffizier (z.B. Fahnenträger eines britischen Regiments) bezeichnen kann.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Bundesrepublik Deutschland


Fähnrich bezeichnet in der Bundeswehr einen Offizieranwärter im Feldwebeldienstgrad. Bei der Marine heißt dieser Dienstgrad Fähnrich zur See.

Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee Befehle erteilen.

Den Dienstgrad Fähnrich erhält der Soldat in der Laufbahngruppe der Offiziere in der Regel mit Vollendung des 21. Dienstmonats nach Bestehen des Offizieranwärterlehrgangs Teil II (OAL II). Zusätzlich dazu soll der Offizieranwärter am Einzelkämpferlehrgang teilnehmen, dieser ist jedoch für weitere Beförderungen nicht notwendig.

[Bearbeiten] Österreich

Im österreichischen Bundesheer wird der Fähnrich zu den Offizieren gezählt, befindet sich als „Militärakademiker“ aber noch in Ausbildung zum Leutnant. Insofern nimmt dieser Offizieranwärterdienstgrad eine Zwitterstellung ein. In Österreich existieren keine weiteren Offizieranwärterdienstgrade, wobei der Jahrgang mit gelben Balken über dem Dienstgradabzeichen angezeigt wird. Der Dienstgrad Fähnrich wird Einjährig-Freiwilligen nach 12 Monaten ab Diensteintritt verliehen. Scheidet ein Offizieranwärter bei der Ausbildung aus und verlässt somit die Militärakademie, so trägt dieser nun den Dienstgrad Wachtmeister. Also kann nur ein Militärakademiker, der in der Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie ist, den Dienstgrad Fähnrich tragen.

Vor dem Ersten Weltkrieg waren es die Zöglinge der weniger renommierten k.u.k. Kadettenschulen, die ihre Ausbildung als Fähnrich bendeten (seit der [Wieder-]Einführung des Dienstgrades 1908, vorher als Kadett-Offiziersstellvertreter). Nach der Überstellung in den Truppendienst stand der Fähnrich an der Spitze des Unteroffizierskorps. Dagegen wurden die Absolventen der prestigeträchtigeren Militärakademien damals noch als Leutnants "ausgemustert".


Siehe auch: Militärschulwesen (Österreich, 1900)

[Bearbeiten] Vereinigtes Königreich

Bis ins Jahr 1871 war Ensign der niedrigste Offizierdienstgrad in den Infanterieregimentern der British Army. Dieser entspricht heute dem Second Lieutenant. Aufgabe dieser Offiziere war es die Fahne des Regiments zu tragen. Ab dem 16. Jahrhundert hatte das Wort ensign zwei Bedeutungen, zum einen die Fahne an sich und zum anderen den Träger eben jener Fahne. In der Zeremonie Trooping the Colour werden die Fahnen der Regimenter von verschiedenen Dienstgraden getragen, diese haben heute noch die Aufgabe - nicht jedoch den Rang - eines Ensign.

[Bearbeiten] Vereinigte Staaten

In der US Navy ersetzte der Ensign 1862 den Rang eines „Passed Midshipman“, also einen Midshipman der seine Ausbildung bereits beendet hatte. Der Ensign der US Navy und der US Coast Guard ist das Äquivalent zum Second Lieutenant der US Army, des US Marine Corps oder der US Air Force. Im NATO-Rangcode-System hat er die Stufe OF-1 und ist damit auch das Äquivalent eines Leutnant zur See der Deutschen Marine. Ein Offizier im Dienstgrad eines Ensign ist typischerweise noch in der erweiterten zweijährigen Spezialausbildung, nachdem er bereits sein Offizierspatent bekommen hat. Nach dieser Ausbildung dient er dann für gewöhnlich als Offizier in einer Division, in der er eine Gruppe von Petty Officers und Mannschaftsdienstgraden führt. Doch selbst die Verwendung als Divisionsoffizier dient eigentlich noch der Ausbildung. Sie soll den jungen Marineoffizier mit den Pflichten und Verantwortlichkeiten, den Systemen, Programmen und Richtlinien des alltäglichen Dienstes unter der Leitung des Divisions-Chief Petty Officers vertraut machen.

Aufgrund ihrer Schulterabzeichen werden US-Ensigns oft auch „butterbars“ (dt. etwa Butterriegel) genannt.

Der dienstälteste Ensign an Bord eines Schiffs der US Navy oder einer Marineflugstaffel erhält extra große Schulterabzeichen, in denen oft das Wort „BULL“ eingraviert ist. Dieser Offizier wird auch „Bull Ensign“ genannt. Der Tradition nach ist dieser Ensign als Mentor verantwortlich für die anderen dienstjüngeren Ensigns der Einheit. Zusammen mit dem dienstjüngsten Ensign, dem „J.O.R.G.“ (Abkürzung für: „Junior Officer Requiring Guidance“ - dt. dienstjunger Offizier, der Führung benötigt) oder „George“, der als Vizepräsident der Messe fungiert, ist er verantwortlich für die Formalitäten der militärischen Dinner während einer „Messe-Nacht“.

[Bearbeiten] Geschichte

Der Fähnrich war bei den Landsknechten der unterste Offiziersdienstgrad und wurde unter den langgedienten erfahrenen Mannschaften ausgewählt. Auf dem Marsch und in der Schlacht schwang er die Kompaniefahne bzw. die Fahne des Fähnleins. Es war ihm unter allen Umständen verboten, die Fahne loszulassen, oder gar auf die Erde fallen zu lassen. In Kriegsbüchern des Dreißigjährigen Krieges ist dazu festgelegt, sich in die Fahne einzuwickeln oder mit den Zähnen zu halten, sollte man keine Arme mehr haben. Diese Aufgabe übernahm im 18. Jahrhundert in vielen Ländern der Freikorporal oder Fahnenjunker. Dem Fähnrich entsprach im allgemeinen bei der Kavallerie der Kornett, bei der Artillerie der Stückjunker.

[Bearbeiten] andere deutsche Armeen

[Bearbeiten] Preußen

Mit der Heeresreorganisation von 1807 wandelte sich der Fähnrich vom Offizierdienstgrad zum Berufsoffizieranwärter im Unteroffizierrang; damit trat der Fähnrich an die Stelle des abgeschafften Freikorporals. Mindestvoraussetzung zum Eintritt in die Offizierslaufbahn war der Besitz der schulischen Mittleren Reife (das „Einjährige“).

[Bearbeiten] Deutsches Kaiserreich

In der Armee des Deutschen Kaiserreich wurde der Offizieranwärter aufgrund eines Dienstzeugnisses des Regimentschefs nach frühestens sechs Monaten zum Fähnrich ernannt. Damit war er dem Unteroffizier gleichgestellt. Fähnriche ohne Abitur besuchten anschließend für ein Jahr die Kriegschule. Mit Ablegung des Offizierexamens erfolgte die Beförderung zum Portepee-Fähnrich („Degen-Fähnrich“). Vor der Beförderung zum Leutnant musste das Offizierkorps in einem Wahlverfahren („Kooptation“) erneut seine Einwilligung erteilen.

Der Fähnrich trug Unteroffizieruniform, jedoch an der Seitenwaffe ein Portepee und Offizierkokarden an der Kopfbedeckung. Der Portepee-Fähnrich, der zwischen dem Vizefeldwebel und etatmäßigen Feldwebel rangierte, legte die Offiziersseitenwaffe (Degen) am Mannschaftskoppel an. Die Unteroffiziertressen am Kragen entfielen. Auch durfte der Offizierüberrock getragen werden, allerdings mit den Mannschaftsschulterklappen.

Dem Portepee-Fähnrich entsprach in der Kaiserlichen Marine seit 1899 der Fähnrich zur See. Dagegen war der Seekadett dem Fähnrich bei der Armee gleichgestellt.

[Bearbeiten] Deutsche Demokratische Republik


In der Nationalen Volksarmee der DDR bildeten die Fähnriche seit 1974 eine eigene Dienstgradgruppe zwischen den Unteroffizieren und Offizieren. Sie waren eine Gruppe von Spezialisten. 1979 kamen die Dienstgrade Oberfähnrich, Stabsfähnrich und Stabsoberfähnrich hinzu. Sie waren keine Offiziersanwärter. Zu Fähnrichen rückten zunächst langgediente Stabsfeldwebel auf. Später wurden allein die Absolventen der Fähnrichklassen nach zweijähriger Ausbildung (zweijähriges Direktstudium bzw. einjähriges Direkt- und ein einjähriges Fernstudium) zum Fähnrich befördert. Die Fähnriche bildeten eine eigene Dienstgradgruppe zwischen den Unteroffizieren und den Offizieren und sind am ehesten den Warrant Officers des angelsächsischen Sprachraumes und den Mitschmen der Russischen Armee vergleichbar. Mit dem Fähnrichdienstgrad sollte auch eine Qualifikationslücke geschlossen werden, die des Technikers. Während Berufsunteroffiziere die Möglichkeit hatten, einen Meisterabschluss zu erwerben und Offiziere, ihrer Ausbildung nach Diplom-Ingenieure waren, wurde mit den Fähnrichen die Lücke der Fachschulingenieure auf technischem Gebiet geschlossen.

Eingesetzt wurden Fähnriche meist als Zugführer, Hauptfeldwebel, Werkstattleiter oder in ähnlichen Dienststellungen.

[Bearbeiten] Siehe auch

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