Enzyklopädie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche


Enzyklopädie (griechisch εγκυκλοπαιδεία, egkyklopaideia, gebildet aus altgr. enkýklios kreisförmig und paideía Lehre, Bildung) Der Begriff, mit dem im 5. Jh. vor Chr. universale Bildung gemeint war, geht auf Hippias von Elis zurück. Heute versteht man unter einer Enzyklopädie eine strukturierte, möglichst umfassende Darstellung menschlichen Wissens in einer für den Alltagsgebrauch hinreichenden Ausführlichkeit. Neben Universalenzyklopädien gibt es auch Fachenzyklopädien zu eingeschränkten Themenbereichen.

Das Wesen der Enzyklopädie wird von der Enzyklopädietheorie beschrieben und in der wissenschaftlichen Disziplin Enzyklopädik erforscht.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Abgrenzung und Einschränkung des Begriffs

Der deutschsprachige Begriff Enzyklopädie wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus dem gleichbedeutenden frz. encyclopédie entlehnt; das Wort heißt im Lateinischen encyclopaedia, auf Griechisch εγκυκλοπαιδεία, egkyklopaideia.

Letzteres ist inkorrekt zusammengesetzt aus altgr.: εγκύκλιος (egkýklios, als lateinisches Fremdwort encyclios: kreisförmig, im Kreise herumgehend, im übertragenen Sinne "das Ganze umfassend") und παιδεία (paideía: Lehre, Bildung) und meint „Grundlehre aller Wissenschaften und Künste“, „Wissenschaftskunde“.

Kennzeichnendes Merkmal von Enzyklopädien gegenüber anderen Literaturgattungen ist der Universalitätsanspruch. Enzyklopädien müssen nicht unbedingt als Nachschlagewerk aufgebaut sein, sondern können Wissen auch in anderen Organisationsformen darstellen, etwa als Allegorie, Curriculum, Kosmogonie, Dekalog, Katechismus. Heutige gedruckte Ausgaben sind meist lexikalisch-alphabetisch aufgebaut, elektronische Publikationen ermöglichen durch Verlinkung verschiedene gleichzeitig nebeneinander bestehende Organisationsformen (Baumstrukturen neben Alphabet).

Enzyklopädische Nachschlagewerke mit einem begrenzten Fachumfang werden eher als Fachlexika oder Sachwörterbuch bezeichnet (Computerlexikon, Sprachlexikon, Tierlexikon …).

Wörterbücher (auch Lexika genannt) verzeichnen und erklären einzelne lexikalische Einheiten (zum Beispiel die einzelnen Wörter des Wortschatzes einer Sprache). Lexikografie beschäftigt sich mit dem Erstellen von Wörterbüchern. Die Erforschung der Grundlagen heißt Metalexikografie (Wörterbuchforschung).

Eine Zwischenform zwischen Enzyklopädie und Wörterbüchern ist das Begriffswörterbuch. Es untersucht den Gebrauch von Wörtern aus ideen- und/oder sozialgeschichtlicher Perspektive und ist wissenschaftlich anspruchsvoller als das Sachwörterbuch. Typische Beispiele sind Geschichtliche Grundbegriffe und das Historische Wörterbuch der Philosophie.

Die Hinterfragung der Enzyklopädie oder von deren Einzelaspekten wird als Enzyklopädiekritik bezeichnet.

[Bearbeiten] Geschichte und Entwicklung

Siehe Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie.

Siehe auch: Verzeichnis der Enzyklopädien nach Sprachen.


[Bearbeiten] Tabelle: Vergleich einiger Enzyklopädien

Name Titel Medium Artikelanzahl Wörter Abbildungen Videos Audio Weblinks
Encyclopédie von d'Alembert und Diderot Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, erschienen von 1751 bis 1772 28 Bände
(17 Text- und 11 Tafelbände)
71.818 20 Mio. 2.885 keine keine keine
Britannica Encyclopaedia Britannica (EB) 32 Bände >65.000 44 Mio. >24.000 keine keine ?
Britannica Britannica Ultimate Reference Suite 2005 6 CDs oder 1 DVD >100.000 >54 Mio. >17.650 (*) ? ? 165.000
Brockhaus Die Enzyklopädie 21., neu bearbeitete Auflage 2005 bis 2006 30 Bände >300.000 33 Mio. >40.000 keine keine ?
Brockhaus Die Enzyklopädie digital USB-Stick und 2 DVDs >300.000 33 Mio. >40.000 300 3000/ 70 Stunden >22.000
Enciclopedia universal ilustrada europeo-americana Enciclopedia Espasa 2004 90 Bände + 1 DVD >900.000 >200 Mio. >100.000 ? ? ?
Encyclopédie Universelle Larousse L'Encyclopédie Universelle Larousse 2003 4 CDs oder 1 DVD >150.000 >25 Mio. ? 10.500 Video + Audio + Abb. ? 2.300
GEO Themenlexikon Das Wer, das Wissen zum Erlebnis macht 2006 20 Bände >30.000 ? >8.500 keine keine ?
Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2007 1 DVD >50.000 >20 Mio. >24.000 >300 >2.800 6.000
Meyers Meyers Großes Taschenlexikon in 26 Bänden 26 Bände + CD >150.000 ? >5.000 keine keine ?
Pauly-Wissowa Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (1890-2000) 86 Bände und eine CD-ROM ? ? ? keine keine keine
Wikipedia Die freie Enzyklopädie (deutsch) online, PDA, Mobiltelefon, CD-ROM, DVD, Taschenbuchreihe >525.000 >200 Mio. >400.000 ? >200 >600.000

(*) einschl. Audio- und Video-Dateien

[Bearbeiten] Typologie der Enzyklopädien und Lexika

Enzyklopädische Formen:

Sonderformen:

Zwischenformen:

Lexikalische Formen:

Siehe auch: Enzyklopädietheorie, Lexikontheorie

[Bearbeiten] Neue Formen der Enzyklopädie

Die Tatsache, dass eine Enzyklopädie von ihrem eigenen Anspruch her strukturell und inhaltlich niemals abgeschlossen sein kann, ist eine Herausforderung an die neuen Medien. Wichtige Herausgeber im Gefolge der New Economy haben von gedruckten Enzyklopädien auf elektronische Publikationsformen umgestellt; CD-ROM und DVD sind kostengünstig, und auch Bilder, Ton- und Videodokumente können leicht eingebunden werden.

Im Jahr 2002 erregte die Ankündigung, die englische Encyclopædia Britannica werde künftig nur noch in elektronischer Form verfügbar sein, so großes Aufsehen, dass die Herausgeber von ihrem Plan wieder abgingen.

Seit 2001 erstellt das Online-Projekt Wikipedia eine Enzyklopädie abseits traditioneller Redaktionsstrukturen. Die dafür entwickelte Software ermöglicht jedem Internetnutzer, Inhalte beizutragen und auch zu bearbeiten. Alle Inhalte sind unentgeltlich nutzbar.

Wikipedia existiert derzeit in mehr als 250 Sprachen; die deutschsprachige Version umfasst mit Anfang 2007 mehr als 530.000 Artikel.

[Bearbeiten] Verwandte Literaturgattungen

Siehe auch: Nachschlagewerk

[Bearbeiten] Verwandte Wissenschaften

Die Wissenschaft von der Erforschung von enzyklopädischen Nachschlagewerken ist die Enzyklopädik. Darunter wird vor allem die historische Untersuchung von Enzyklopädien verstanden. Daneben gibt es die Bezeichnung Enzyklopädistik. Beide Wörter werden auch synonym verwendet. Die Lexikografie beschäftigt sich eher mit der Erstellung von Wörterbüchern als mit enzyklopädischen Lexika. Andere Wissenschaften mit Bezug zur Betrachtung von Enzyklopädien sind die Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft und Wissenschaftstheorie.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Gesamtdarstellungen

  • Robert Collison: Encyclopaedias. Their history throughout the ages. A bibliographical guide with extensive historical notes to the general encyclopaedias issued throughout the world from 350 B.C. to the present day. Hafner, New York, London 1964.
  • Hans-Joachim Diesner, Günter Gurst (Hrsg.): Lexika gestern und heute. Leipzig 1976.
  • Georg Jäger: Der Lexikonverlag. In: Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1: Das Kaiserreich 18701918. Buchhändler-Vereinigung GmbH, Frankfurt am Main 2001.
  • Werner Lenz: Kleine Geschichte großer Lexika. Gütersloh 1980.

[Bearbeiten] Darstellung einzelner Epochen

  • Philipp Blom: Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, d’Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2005 (Die Andere Bibliothek 243) ISBN 3-8218455-3-8
  • Walter Goetz: Die Enzyklopädien des 13. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Entstehung der Laienbildung. In: Zeitschrift für deutsche Geistesgeschichte. 1–3/2/1936. S. 227–250.
  • Christel Meier: Grundzüge der mittelalterlichen Enzyklopädik. Zu Inhalten, Formen und Funktionen einer problematischen Gattung. In: Ludger Grenzmann, Karl Stackmann (Hrsg.): Literatur und Laienbildung im Spätmittelalter und in der Reformationszeit. Germanistische Symposien, Berichtsbände V. Metzler 1984
  • Senya Müller: Sprachwörterbücher im Nationalsozialismus. Die ideologische Beeinflussung von Duden, Sprach-Brockhaus und anderen Nachschlagewerken während des „Dritten Reichs“. Stuttgart 1994
  • Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.): Seine Welt wissen. Enzyklopädien in der frühen Neuzeit. Primus Verlag, Darmstadt 2006. ISBN 3896785605
  • Ulrike Spree: Das Streben nach Wissen: Eine vergleichende Gattungsgeschichte der populären Enzyklopädie in Deutschland und Großbritannien im 19. Jahrhundert. Tübingen 2000.
  • Carsten Zelle (Hrsg.): Enzyklopädien, Lexika und Wörterbücher im 18. Jahrhundert. Göttingen 1998.

[Bearbeiten] Etymologie und Begriffsgeschichte

  • Jürgen Henningsen: „Enzyklopädie“. Zur Sprach- und Bedeutungsgeschichte eines pädagogischen Begriffs. In: Archiv für Begriffsgeschichte. 10/1966, S. 217–362
  • H. Fuchs: Artikel Enkyklios Paideia. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Sachwörterbuch zur Auseinandersetzung des Christentums mit der antiken Welt. Bd. 5. Hiersemann, Stuttgart 1962. Spalten 365–398
  • Ulrich Dierse: Enzyklopädie: zur Geschichte eines philosophischen und wissenschaftlichen Begriffs. Suppl.-H., auch: Archiv für Begriffsgeschichte. Bouvier, Bonn 1977
  • Ingrid Tomkowiak (Hrsg.): Populäre Enzyklopädien: Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens. Chronos, Zürich 2002

[Bearbeiten] Bibliografien

  • Gert A. Zischka: Index Lexicorum: Bibliographie der lexikalischen Nachschlagewerke. Hollinek, Wien 1959
  • Hugo Wetscherek (Hrsg.): Bibliotheca lexicorum: kommentiertes Verzeichnis der Sammlung Otmar Seemann; eine Bibliografie der enzyklopädischen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, unter besonderer Berücksichtigung der im deutschen Sprachraum ab dem Jahr 1500 gedruckten Werke. (bearb. von Martin Peche). Inlibris, Wien 2001. ISBN 3-9500813-5-6

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary: Enzyklopädie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Links zu einzelnen Enzyklopädien siehe Nachschlagewerke im Internet.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Enzyklopädie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
webtemplates | Plastikkarten und Plastikkartendrucker

© 2006 www.power-labels.com