Entäußerung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Entäußerung (lat. alienatio, griech. ekénosis) ist ein philosophischer Begriff. Er ähnelt der Entfremdung, hat aber auch Aspekte des Schaffens und Weggebens.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Zur Entstehung des Begriffs
Das Wort Entäußerung wird von Fichte und Hegel aus der Alltagssprache heraus als philosophischer Begriff gebraucht, also als solcher „umgemünzt“.
Hegel nutzt – wie schon beim Begriff „Aufhebung“ – die (von ihm sehr gelobte spekulative) Eigenart der Sprache, mehrere gegensätzliche Bedeutungen in einem Wort zu verbinden.
Entäußerung hat sowohl den Aspekt
- der Schöpfung von etwas Neuem, als auch den
- des Weggebens, Ablegens von etwas Eigenem als auch
- der Selbstöffnung von Innen nach Außen.
Hinweise zum Verständnis der Entstehung des Begriffs gibt folgender Liedvers:
- Er äußert sich all seiner G'walt, / wird niedrig und gering
- und nimmt an eines Knechts Gestalt, / der Schöpfer aller Ding.
dritter Vers aus dem Weihnachtslied Lobt Gott ihr Christen alle gleich (Ev.Gesangb. 27 von Nikolaus Herman)
Dies ist eine Versfassung der Bibelstelle Phil 2,6–8. Der im Urtext verwendete Begriff ekénosis (etwa: Ausleerung) wird von Luther mit Entäußerung übersetzt. Der große japanische Philosoph des 20. Jahrhunderts Nishitani Keiji sieht im Begriff Entäußerung deshalb Aspekte des Weges zum buddhistischen Shunyata (etwa: Leerheit).
[Bearbeiten] Hegel
Bei Hegel wird Entäußerung
- als durch die Arbeit Hervorgebrachtes und
- dessen Weggabe bestimmt.
Entäußerung ist dabei zentral in der zweiten Phase von Hegels Dialektik: Der absolute Geist wird zur Natur und zum Menschen durch Entäußerung. Dies entspricht der zweiten Person Gottes, dem Sohn. Der Gang der Weltgeschichte verläuft nach Hegel derart, dass der Weltgeist sich mittels der bewussten Tätigkeit des Menschen als Vergegenständlichungen entäußert, die ihm gegenüber eine selbständige Existenz annehmen, in Widerspruch zu ihm geraten und damit eine neue, höhere Form des Bewusstseins provozieren.
Auf diese Weise arbeitet der Weltgeist in ständiger Entäußerung, Rücknahme und neuer Entäußerung den historischen Prozess aus sich heraus. Hegel gelingt es so, eine enge Verklammerung von Subjekt und Objekt darzustellen, in Widerspruch zu setzen und dialektisch aufzuheben.
[Bearbeiten] Marx
Die ökonomische und gesellschaftliche Interpretation des Begriffs wird erst bei Verwendung durch Karl Marx durchgeführt, der wesentliche Begriffe Hegels übernahm und auch umkehrte. Hier wird er meist synonym mit Entfremdung benutzt.
[Bearbeiten] Literatur
- Vittorio Hösle, D. Wandschneider: Die Entäußerung der Idee zur Natur und ihre zeitliche Entfaltung als Geist bei Hegel , in: Hegel-Studien, Bd. 18 (1983), 173–199
- Keiji Nishitani: Was ist Religion?. Frankfurt am Main 1982, deutsche Übertragung von Dora Fischer-Barnicol
[Bearbeiten] Weblinks
|
|
|