Chotyn
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Chotyn (ukrainisch Хотин/Chotyn; rumänisch Hotin; polnisch Chocim) ist eine Kreisstadt in der ukrainischen Oblast Czernowitz. Sie liegt am rechten Ufer des Dnister, 69 km nordöstlich von Czernowitz und im nördlichen Bessarabien. Koordinaten: 48° 30' 55 N 26° 29' 40 O
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[Bearbeiten] Geschichte
Dank seiner strategisch günstigen Lage spielte Chotyn eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Ukraine, Moldawiens, Polens, des Osmanischen Reiches und des Russischen Reiches.
Archäologische Ausgrabungen belegen die Besiedlung durch Slawen schon im 8.Jahrhundert. Im 10. Jahrhundert gehörte Chotyn zur Kiewer Rus, nach deren Zerfall zum Doppelfürstentum Galizien-Wolhynien und seit 1373 zum Fürstentum Moldau. Im 16. Jh. gelangte die Stadt unter polnische, dann wiederum unter fürstlich moldauische (und damit indirekt osmanische) Herrschaft. Im 18. Jahrhundert wurde die Gegend von Chotyn unmittelbar dem Osmanischen Reich unterstellt, Großwesir Mustafa Bairaktar wurde dort geboren. 1769 wurde Chotyn von den Russen, 1788 von den Österreichern, 1806 wieder von den Russen erobert. Mit dem Frieden von Bukarest fiel Chotyn 1812 an das Russische Reich, dem es bis 1918 angehörte. Nach einer kurzfristigen österreichischen Besatzung (8. März bis 10. November 1918) wurde es Rumänien zugeschlagen (1918-1940); dagegen erhob sich die Bevölkerung vergeblich (Aufstand von Chotyn, Januar 1919). Am 28. Juli 1940 wurde Chotyn sowjetisch, nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges wieder rumänisch besetzt (1941-4. Mai 1944) und kam nach Ende des Zweiten Weltkrieges endgültig an die Ukrainische SSR (heute Ukraine).
- Siehe auch Bessarabien
[Bearbeiten] Bevölkerung
Chotyn war ein bedeutendes jüdisches Zentrum mit ca. 19.000 jüdischen Einwohnern (auf eine Bevölkerung von 35.000), 36 Synagogen und berühmten jüdischen Schulen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es kaum Ukrainer in der Stadt, dagegen viele russischsprachige Einwohner. Die Volkszählung von 1930 ergab folgende Verhältnisse: 15% Ukrainer, 37% Russen, 38% Juden und 9% Rumänen. Durch den Zweiten Weltkrieg und die Ermordung großer Teile der jüdischen Bevölkerung Europas durch die Nationalsozialisten haben sich die Einwohnerzahlen radikal geändert: heute bezeichnen sich 72% der Bevölkerung als Ukrainer, 16% als Russen, 8% als Juden (Hebräer) und 4% als Rumänen.
[Bearbeiten] Geografie
Die Stadt liegt in einer wald- und wildreichen Umgebung. Der Dnister ist sehr fischreich.
- Koordinaten: 48,48°N - 26,50°O
Die Bevölkerungszahlen nimmt seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ab:
- 1897: 23.800 Einwohner
- 1930: 15.300 Einwohner
- 1970: 11.900 Einwohner
- 2001: 11.216 Einwohner
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
Chotyn besitzt etwa 20 historische Denkmäler. Darunter ist die Kriegsgräberstätte, in der 4910 gefallene russische Soldaten des ersten Weltkrieges und die 47 Opfer des Chotyner Aufstandes von 1919 bestattet sind.
[Bearbeiten] Festung Chotyn
Eine Festung wurde von den Slawen zum Schutz des Dnister-Überganges errichtet, zuerst als Holzbau und seit dem 13. Jh. aus Stein. Die heutige Festung wurde aber von dem moldawischen Fürsten Ştefan cel Mare im XVI Jh. errichtet. Bis ins 20. Jahrhundert blieb sie bedeutend und war Schauplatz mehrerer wichtiger Schlachten. König Wladyslaw IV. von Polen schlug hier im Jahre 1621 gemeinsam mit den Kosaken ein türkisches Heer; die Kosaken unter Timosz Chmelnyzki konnten die Festung in den Jahren 1650 und 1652/53 zweimal einnehmen. Jan Sobieski, König von Polen, besiegte in der Schlacht von Chotyn am 11. November 1673 die Türken zusammen mit moldauischen und kosakischen Truppen, wodurch der Friede von Buczacz annulliert wurde. Während der russisch-türkischen Kriege im 18. Jahrhundert war Chotyn wiederholt Schauplatz von Kämpfen: 1739 siegten hier die Russen unter General Münnich über die Türken, wogegen wieder die Türken 1768 die russischen Truppen unter den Mauern der Festung schlugen. Die Festung war in sowjetischer Zeit als Schauplatz von Kinofilmen beliebt; über 50 Spielfilme sind hier entstanden.
[Bearbeiten] Literatur
- Ion Gumenâi: Istoria ţinutului Hotin de la origini până la 1806. Chişinău 2002
[Bearbeiten] Weblinks
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