Deutschland
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| Bundesrepublik Deutschland | |||||
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| Amtssprache | Deutsch[1] | ||||
| Hauptstadt | Berlin[2] | ||||
| Staatsform | Parlamentarische Republik | ||||
| Staatsoberhaupt | Bundespräsident Horst Köhler | ||||
| Regierungschef | Bundeskanzlerin Angela Merkel | ||||
| Fläche | (61.) 357.092,90[3] km² | ||||
| Einwohnerzahl | (14.) 82.310.000[4] (31. Dezember 2006) | ||||
| Bevölkerungsdichte | (35.) 231 Einwohner pro km² | ||||
| BIP - Total (Nominal) | 2005 (geschätzt) (3.) $2.907 Mrd.[5] | ||||
| HDI | (21.) 0,932 | ||||
| Währung | Euro (1 € = 100 ct) | ||||
| Gründung | 23. Mai 1949 (Bundesrepublik) 1. Juli 1867 (Norddeutscher Bund, ab 18. Januar 1871 Deutsches Reich) | ||||
| Nationalhymne | Deutschlandlied | ||||
| Nationalfeiertag | 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) | ||||
| Zeitzone | UTC+1 MEZ UTC+2 MESZ (März – Oktober) | ||||
| Kfz-Kennzeichen | D | ||||
| Internet-TLD | .de | ||||
| Telefonvorwahl | +49 | ||||
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Deutschland (amtliche Staatsbezeichnung: Bundesrepublik Deutschland) ist ein föderaler Bundesstaat im westlichen Mitteleuropa, der aus 16 teilsouveränen Bundesländern besteht.
Viele Links zu Artikeln mit Deutschlandbezug finden sich im Portal Deutschland.
Siehe auch Deutschland (Etymologie).
[Bearbeiten] Geographie
[Bearbeiten] Allgemeines
Die naturräumlichen Großregionen sind von Nord nach Süd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen. Für weitere Ebenen der Naturräumlichen Gliederung siehe Naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands.
Deutschland liegt zwischen 47°16′15″ und 55°03′33″ nördlicher Breite und 5°52′01″ und 15°02′37″ östlicher Länge. Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (auf einer Länge von 67 km), im Nordosten an Polen (442 km), im Osten an Tschechien (811 km), im Südosten an Österreich (815 km; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 km; mit Grenzen der Exklave Büsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 km), im Westen an Luxemburg (135 km) und Belgien (156 km) und im Nordwesten an die Niederlande (567 km). Die Grenzlänge beträgt insgesamt 3757 km.[6].
Größte Exklave ist mit 7,62 km² die am Hochrhein gelegene, von den drei Schweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich umgebene Gemeinde Büsingen. Funktionale Enklaven sind das Kleinwalsertal und Jungholz. Beide sind Teil Österreichs, sind auf dem Land- oder Wasserweg nur über deutsches Staatsgebiet erreichbar und gehören zum deutschen Zoll- und Postgebiet. Westlich der Vennbahn gibt es fünf Exklaven, die nur von der Bahnlinie, die belgischer Souveränität untersteht, von Deutschland getrennt sind.
Der geographische Mittelpunkt Deutschlands liegt nach dem Statistischen Jahrbuch Deutschland (Stand: 2000) in der Gemeinde Niederdorla im westlichen Thüringen auf halber Strecke zwischen Erfurt und Göttingen auf 51°09′54″ nördlicher Breite und 10°27′19″ östlicher Länge.
Der nördlichste Punkt überhaupt (ohne Meeresgebiete) befindet sich auf der Insel Sylt (Halbinsel Ellenbogen), die nördlichste Festlandsstelle liegt an der Westküste Schleswig-Holsteins am Rickelsbüller Koog. Das Haldenwanger Eck südlich von Oberstdorf bildet den südlichsten Punkt der Bundesrepublik Deutschland. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es Luftlinie etwa 886 km. Der westlichste Ort liegt im "Isenbruch" des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen Neißeaue-Deschka und Neißeaue-Zentendorf in einer Flussschleife der Lausitzer Neiße. Vom Isenbruch bis zur Flussschleife der Neiße sind es Luftlinie rund 636 km.
[Bearbeiten] Geologie
Auf das Erdaltertum gehen die kristallinen Rumpfgebirge zurück. Sie bestehen hauptsächlich aus metamorphem und Tiefengestein wie Gneisen und Granit. Ähnlich alt ist das Rheinische Schiefergebirge, dessen Entstehung in Silur und Devon zu datieren ist. An dessen Nordrand finden sich auch Formationen aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert sind.
Im Erdmittelalter wurden jene Gesteinsschichten gebildet, die in zahlreichen süd- und mitteldeutschen Regionen überwiegen. In Pfalz, Thüringen, Teilen Bayerns und Sachsens wird der Untergrund vom Trias dominiert. Die Juragebirge (vor allem Schwäbische und Fränkische Alb) gehen auf das Jurazeitalter zurück. Im Gegensatz zu den Sandsteinen des Trias dominieren hier Kalksteine als vorherrschende geologische Formation.
In der Erdneuzeit erfolgte vor allem die Verfüllung der Flussniederungen und -becken.
Aktiver Vulkanismus wird nicht beobachtet. Früheren Vulkanismus zeigen vulkanische Gestein an. Diese finden sich insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg, aber auch im Bereich des Schwäbischen Vulkans. In der Vulkaneifel gibt es Kohlenstoffdioxidquellen, die mit dem Geysir Andernach den höchsten Kaltwassergeysir der Welt ermöglichen.
Erdbeben kommen trotz der vollständigen Lage auf der Eurasischen Platte vor, vor allem im Bereich der Riftzonen im Südwesten und Westen (Oberrheingraben, Rheingraben, Hohenzollerngraben).
[Bearbeiten] Geomorphologie
Die Alpen sind das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Der mit Österreich geteilte Gipfel der Zugspitze (2962 m) ist der höchstgelegene Punkt des Landes.
Die Mittelgebirge nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald (1493 m), gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald (1456 m). Gipfel über 1000 m erreichen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes Mittelgebirge in Deutschland mit dem Brocken auf 1142 m erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erheben sich nur noch vereinzelte Formationen über 100 m, von denen der Hagelberg im Fläming mit 200 m die höchste ist.
Details finden sich in der Liste der höchsten Berge Deutschlands und der Liste der Gebirge Deutschlands.
Die niedrigste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter Normalnull in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,10 unter NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nord-nordöstlich von Lübeck. Die tiefste künstlich geschaffene Stelle liegt bei 293 m unter NN am Grund des Tagebaus Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.
[Bearbeiten] Klima
Deutschland gehört vollständig zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der die klimatischen Werte für die Breitenlage ungewöhnlich mild gestaltet.
Extreme Wetterbedingungen wie lang anhaltende Dürren, Tornados, strenger Frost oder extreme Hitze sind vergleichsweise selten. Gelegentlich treten jedoch Orkane auf, die in den Jahren 2000, 2002 und 2007 zu schweren Schäden geführt haben. Regelmäßig ereignen sich auch Hochwasser, die nach intensiven Regenperioden im Sommer (Oderhochwasser 1997, Elbehochwasser 2002) oder nach der Schneeschmelze zu Überschwemmungen und erheblichen Zerstörungen führen können. Dürren betreffen hauptsächlich den Nordosten Deutschlands, können zuweilen aber auch das ganze Land in Mitleidenschaft ziehen, wie zuletzt während der Hitzewelle 2003 und 2006.
Die Klimadaten betragen (gemittelte Werte der Jahre 1961–1990):
| Jahr | Mär–Mai | Jun–Aug | Sep–Nov | Dez–Feb | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | |
| T-mittel (°C) | 8,4 | 7,8 | 16,5 | 9,1 | 0,9 | −0,5 | 0,5 | 3,7 | 7,6 | 12,2 | 15,5 | 17,1 | 16,9 | 13,8 | 9,4 | 4,2 | 0,9 |
| T-min (°C) | 4,6 | 3,4 | 11,6 | 5,5 | −2,4 | −3,0 | −2,5 | 0,0 | 3,0 | 7,3 | 10,6 | 12,3 | 12,0 | 9,3 | 5,7 | 1,6 | −1,5 |
| T-max (°C) | 12,4 | 12,3 | 21,4 | 12,8 | 2,9 | 2,0 | 3,4 | 7,5 | 12,1 | 17,2 | 20,4 | 22,0 | 21,9 | 18,4 | 13,1 | 6,9 | 3,2 |
| T-Abstand (°C) | 7,8 | 8,8 | 9,8 | 7,3 | 5,2 | 5,0 | 5,9 | 7,4 | 9,1 | 9,9 | 9,8 | 9,7 | 9,8 | 9,0 | 7,5 | 5,3 | 4,7 |
| Frosttage | 103,9 | 27,5 | 0,7 | 16,9 | 58,7 | 21,0 | 19,3 | 16,4 | 9,0 | 2,2 | 0,3 | 0,2 | 0,2 | 0,8 | 4,5 | 11,6 | 18,4 |
| Regentage | 178,2 | 44,0 | 44,3 | 43,0 | 46,8 | 16,6 | 13,4 | 14,9 | 14,3 | 14,9 | 15,1 | 14,8 | 14,4 | 13,6 | 13,5 | 15,9 | 16,8 |
| Niederschlag (mm) | 700 | 163 | 221 | 166 | 150 | 51 | 40 | 48 | 51 | 65 | 77 | 72 | 71 | 57 | 50 | 58 | 59 |
| Luftdruck (hPa−1000) | 9,3 | 8,1 | 13,7 | 9,9 | 5,7 | 5,5 | 5,5 | 6,4 | 7,6 | 10,2 | 12,9 | 14,2 | 14,2 | 12,4 | 9,9 | 7,3 | 6,0 |
| Bewölkung (%) | 72,0 | 69,3 | 63,0 | 73,8 | 81,9 | 83,5 | 78,0 | 74,8 | 69,3 | 63,8 | 64,8 | 63,5 | 60,6 | 66,9 | 72,9 | 81,5 | 84,3 |
Quelle: Tyndall Centre for Climate Change Report
Die höchsten Jahrestemperaturen verzeichnet Südbaden mit über 11 °C, während in Oberstdorf der Durchschnitt unter 6 °C liegt. Zudem zeichnet sich ein allgemeiner Trend zu höheren Temperaturen ab: Nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes lagen bis auf 1996 in allen Jahren seit 1988 die Durchschnittstemperaturen über dem langjährigen Mittel von 8,3 °C, im Jahr 2000 wurden sogar 9,9 °C erreicht. Insbesondere die Sommer sind deutlich wärmer geworden. Zudem verfrüht sich der Frühlingsbeginn im Schnitt um fünf Tage pro Jahrzehnt. Zugvögel halten sich fast einen Monat länger in Deutschland auf als noch in den siebziger Jahren.
Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur betrug -45,9 °C und wurde am 24. Dezember 2001 am Funtensee registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 40,3 °C und wurde am 8. August 2003 in Nennig im Saarland erreicht.
Siehe auch: Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland
[Bearbeiten] Gewässer
Die ins Meer mündenden Fließgewässer mit den größten Einzugsgebieten sind Rhein, Donau, Elbe, Oder, Weser und Ems. Sie entwässern entweder in die Nordsee, in die Ostsee oder ins Schwarze Meer, deren Einzugsgebiete durch europäische Wasserscheiden geschieden werden.
Der 865 km in Deutschland (oder als Grenzfluß) fließende Rhein dominiert den Südwesten und Westen. Seine wichtigsten Zuflüsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Seine wirtschaftliche Bedeutung ist enorm, er ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Donau entwässert auf 647 km fast das gesamte Alpenvorland und fließt weiter nach Österreich und Südosteuropa. Ihre wichtigsten Zuflüsse sind Iller, Lech und Inn. Im Osten "regiert" auf 725 km die Elbe. Ihre wichtigsten Nebenflüsse sind Saale und Havel. Die Oder tritt ausschließlich als Grenzfluss zu Polen in Erscheinung. Ihr wichtigster Zufluss ist die Neiße. Das Einzugsgebiet der Weser liegt vollständig in Deutschland. Sie speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Norden. Die Ems fließt im äußersten Nordwesten.
Die natürlichen Seen (siehe auch Stillgewässer) sind überwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen in Mecklenburg und im Alpenvorland. Der größte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Der größte vollständig zu deutschem Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Deutschland, Liste der Seen in Deutschland.
[Bearbeiten] Inseln
In der Nordsee dominieren die Inselgruppe der Nordfriesischen Inseln und die Inselkette der Ostfriesischen Inseln sowie die Solitäre Helgoland und Neuwerk. Die Nordfriesischen Inseln stellen Festlandsreste dar, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden. Die Ostfriesischen Inseln sind Barriereinseln, die durch die Brandungsdynamik aus Sandbänken entstanden.
Die größten deutschen Inseln in der Ostsee sind Fehmarn, Rügen, Usedom, Poel und Hiddensee, größte Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst. Die Inseln in der Ostsee sind Teil einer Boddenküste.
Die wohl größten und bekanntesten Inseln in Binnengewässern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie Herrenchiemsee im Chiemsee.
Siehe auch: Liste deutscher Inseln.
[Bearbeiten] Böden und Flächennutzung
Die Zusammensetzung und Qualität der Böden ist regional sehr unterschiedlich. In Norddeutschland bildet ein küstennaher Gürtel aus fruchtbaren Marschböden die Grundlage für ertragreiche Landwirtschaft, während die dahinter liegende, eiszeitlich geprägte Geest nur sehr magere Böden aufweist. In der Lüneburger Heide ist dieser durch jahrhundertelange Weidewirtschaft zum Podsol degeneriert, so dass Ackerbau kaum möglich ist. Sehr unergiebig sind auch die Gebiete der Alt- und Jungmoränenlandschaft, in denen sich Flugsand angelagert hat. Brandenburg beispielsweise wurde schon in historischer Zeit als des „Heiligen Reiches Streusandbüchse“ verspottet. Zwischen der Moränenlandschaft und der Mittelgebirgsstufe zieht sich von West nach Ost eine Reihe von Börden: In diesen Gebieten ist durch eiszeitliche Lössablagerungen äußerst fruchtbarer Boden entstanden. Dieser besteht zumeist aus Braunerden, im Osten teils auch aus Schwarzerden und wird in besonderem Ausmaße landwirtschaftlich genutzt. In den Mittelgebirgen herrschen magere Böden vor, die landwirtschaftlich nur extensiv bewirtschaftet werden. Die weitaus größte Fläche ist bewaldet. Ergiebige Böden finden sich in Süddeutschland insbesondere entlang der Flüsse Rhein, Main und Donau.
Insgesamt werden 53,5 Prozent der deutschen Fläche landwirtschaftlich genutzt, Wälder bedecken weitere 29,5 Prozent. Aufgrund hoher Bevölkerungsdichte und steigender Mobilität werden 12,3 Prozent als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt (Tendenz weiterhin steigend). Wasserflächen kommen auf 1,8 Prozent, die restlichen 2,4 Prozent verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist Ödland.
Gegenwärtig gibt es 15 Nationalparks in Deutschland sowie zahlreiche Naturparks, Biosphärenreservate und Landschaftsschutzgebiete.
[Bearbeiten] Flora und Fauna
[Bearbeiten] Flora
Da Deutschland in der gemäßigten Klimazone liegt ist seine Flora von Laub- und Nadelwäldern geprägt. Eine einzigartige Ausnahme zu dieser recht einheitlichen Flora bildet die Lüneburger Heide. Die Laubwälder bestehen meist aus Rotbuchen, daneben sind die heute selten gewordenen Auwälder im Bereich der Flüsse und Seen und Eichen-Buchen-Mischwälder typisch. Der Pionierwald wird, besonders auf sandigen Flächen, vor allem von Birken und Kiefern gebildet. Allerdings werden die früher sehr verbreiteten Laubwälder mittlerweile oft durch Fichtenholzforste ersetzt.
Ohne menschlichen Einfluss würde Deutschland wie die meisten Länder der Erde auch hauptsächlich aus Wald bestehen. Neben den natürlich vorkommenden Pflanzen spielen heute eine Reihe von eingeführten Arten wie die Robinie eine zunehmende Rolle in der Vegetation. Nutzpflanzen sind unter anderem die aus Amerika eingeführte Kartoffel, der Mais und der Apfelbaum.
[Bearbeiten] Fauna
Die meisten in Deutschland heimischen Tiere leben in den gemäßigten Laubwäldern. Im Wald leben unter vielen anderen Arten verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine sowie Füchse. Biber und Otter sind seltener gewordene Bewohner der Flussauen.
[Bearbeiten] Politik
Hauptartikel: Politisches System Deutschlands
[Bearbeiten] Staatsorganisation
Hauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Nach Artikel 20 GG ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer, sozialer und rechtsstaatlicher Bundesstaat. Es gibt 16 teilsouveräne Länder, von denen fünf wiederum in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert sind. Die staatliche Ordnung regelt das Grundgesetz. Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident mit repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Präsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende Bundesratspräsident, der gemäß Grundgesetz den Bundespräsidenten vertritt. Der Regierungschef Deutschlands ist der Bundeskanzler. Er (oder sie) besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Kanzlerdemokratie).
Als Bundesstaat ist Deutschland föderal organisiert, d. h. es gibt zwei Ebenen im Politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem Bundesland einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Siehe auch: Gewaltenteilung.
Bundestag und Bundesrat entscheiden gemeinsam über die Gesetze des Bundes und haben die Befugnis mit Zweidrittelmehrheit in beiden Organen das Grundgesetz, de facto die Verfassung Deutschlands, zu ändern. In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.
Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler geleitet wird. Auf der Ebene der Länder leitet der Ministerpräsident (bzw. der Bürgermeister der Stadtstaaten) die Exekutive. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze der Behörden.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes. Die Obersten Gerichtshöfe des Bundes sind der Bundesgerichtshof mit Hauptsitz in Karlsruhe, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, das Bundessozialgericht in Kassel und der Bundesfinanzhof in München. Der Großteil der Rechtsprechung liegt in der Verantwortung der Länder. Die Bundesgerichte sind fast immer nur Revisionsinstanz und prüfen die Entscheidungen der Landesgerichte auf formale und materiale Rechtmäßigkeit.
Siehe auch: Grundgesetz.
[Bearbeiten] Staatsgebiet
Das Staatsgebiet der Bundesrepublik ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete seiner Länder. Anders als etwa in Australien (Capital Territory), Kanada (Territorien Kanadas) oder den Vereinigten Staaten von Amerika (District of Columbia) gibt es in Deutschland kein Gebiet des Bundes, das nicht zugleich Gebiet eines seiner Länder wäre (bundesunmittelbare Gebiete) und auch keine Gebiete eines seiner Länder, die nicht zugleich Bundesgebiet wären (bundesfreies Gebiet).
Der Grenzverlauf der Bundesrepublik ist heute bis auf Teile des Bodensees geklärt.
[Bearbeiten] Länder
| | Bundesland | Hauptstadt | Fläche [7]
(km²) | Einwohner (2)
(Tsd.) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Baden-Württemberg | Stuttgart | 35.752 | 10.717 | |
| 2 | Bayern | München | 70.549 | 12.444 | |
| 3 | Berlin | (1) | 892 | 3.388 | |
| 4 | Brandenburg | Potsdam | 29.477 | 2.568 | |
| 5 | Bremen | Bremen(1) | 404 | 663 | |
| 6 | Hamburg | (1) | 755 | 1.735 | |
| 7 | Hessen | Wiesbaden | 21.115 | 6.098 | |
| 8 | Mecklenburg-Vorpommern | Schwerin | 23.174 | 1.720 | |
| 9 | Niedersachsen | Hannover | 47.618 | 8.001 | |
| 10 | Nordrhein-Westfalen | Düsseldorf | 34.043 | 18.075 | |
| 11 | Rheinland-Pfalz | Mainz | 19.847 | 4.061 | |
| 12 | Saarland | Saarbrücken | 2.569 | 1.056 | |
| 13 | Sachsen | Dresden | 18.416 | 4.296 | |
| 14 | Sachsen-Anhalt | Magdeburg | 20.445 | 2.494 | |
| 15 | Schleswig-Holstein | Kiel | 15.763 | 2.829 | |
| 16 | Thüringen | Erfurt | 16.172 | 2.355 | |
|
(1) Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen ausschließlich aus den gleichnamigen Städten; Bremen gilt ebenfalls als Stadtstaat, obgleich zum Land Bremen noch die Stadt Bremerhaven gehört. | |||||
[Bearbeiten] Gemeinden
Siehe die Hauptartikel Gemeinde und Gemeinde (Deutschland).
[Bearbeiten] Parteienlandschaft
[Bearbeiten] Bundestagsparteien
Im Deutschen Bundestag sind derzeit in fünf Fraktionen sieben Parteien vertreten: CDU, SPD, FDP, Die Linkspartei, WASG, Bündnis 90/Die Grünen und CSU
[Bearbeiten] CDU/CSU
Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) wurde 1945 als überkonfessionelle Nachfolgepartei bürgerlicher und religiös geprägter Parteien gegründet. In ihr vereinigten sich vor allem Kräfte aus der Zentrumspartei. Sie war anfangs sowohl der christlichen Soziallehre als auch dem Konservativismus zugeneigt, deckt heute jedoch ein marktwirtschaftlich orientierties konservatives und liberales Spektrum ab. Mit der Ausnahme Bayerns ist die CDU im gesamten Bundesgebiet vertreten.
Die Christlich-Soziale Union (CSU) hat eine konservativere Ausrichtung, wirkt aber nur in Bayern. Sie bildet mit der CDU im Deutschen Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft, zusammen werden sie „die Union“ oder auch „Unionsparteien“ genannt.
[Bearbeiten] SPD
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) existiert einschließlich ihrer Vorläuferorganisationen seit 1863 und ist damit die älteste bis heute existierende politische Partei Deutschlands. Sie hat die Tradition der Sozialdemokratie begründet. Nach Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie 1945 wiedergegründet. Sie versteht sich seit ihrem Godesberger Programm von 1959 auch offiziell nicht mehr nur als Arbeiterpartei, sondern als eine Volkspartei, die für breite Schichten wählbar sein will. Ihr Bekenntnis lautet „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“.
[Bearbeiten] FDP
Die Freie Demokratische Partei (FDP) wurde 1948 gegründet und beruft sich in ihrem Selbstverständnis auf die Tradition des deutschen Liberalismus, der sich bereits 1861 mit der Deutschen Fortschrittspartei in Preußen als erste politische Partei Deutschlands im heute verstandenen Sinne organisiert hatte. Die moderne FDP steht insbesondere in Wirtschafts-, aber auch in Bürgerrechtsfragen für mehr Freiheiten und Verantwortung des Einzelnen, sowie für eine stärkere Zurückhaltung des Staates – insbesondere bei wirtschaftlichen Belangen. Sie war mit insgesamt 42 Jahren am längsten als kleinerer Koalitionspartner sowohl der CDU/CSU als auch der SPD an der Regierungsverantwortung der Bundesrepublik beteiligt.
[Bearbeiten] Die Linkspartei/WASG
Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ist die Rechtsnachfolgerin der vormalig in der DDR herrschenden SED. Inhaltlich beruft sich die Partei auf demokratisch-sozialistische Ideale und steht damit am politisch linken Rand des Deutschen Bundestags. Bedeutendere Wahlerfolge für die PDS blieben zunächst auf Ostdeutschland beschränkt.
2005 wurde aus Protest gegen die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung die Partei Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative (WASG) auf Initiative von Gewerkschaftern und enttäuschten vormaligen SPD-Mitgliedern gegründet. Für die Bundestagswahl 2005 öffnete die PDS ihre Listen für WASG-Mitglieder. Aus diesem Grund hat sich die PDS inzwischen in Die Linkspartei. umbenannt. Beide Parteien streben eine Vereinigung an, die im Juni 2007 abgeschlossen sein soll.
[Bearbeiten] Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen entstanden als bundesweite Partei 1979/80 aus den Neuen Sozialen Bewegungen, beispielsweise der modernen Frauenbewegung, der Friedens- und der Ökologiebewegung der 1970er Jahre. 1983 zogen sie erstmals in den Bundestag ein. 1990 schlossen sie sich mit den ostdeutschen Grünen und 1993 mit Bündnis 90 zu Bündnis 90/Die Grünen zusammen.
[Bearbeiten] Parteien außerhalb des Deutschen Bundestags
[Bearbeiten] Rechte und rechtsextreme Parteien
In den ersten Wahlperioden waren im Bundestag rechtskonservative Parteien wie Deutsche Reichspartei, Deutsche Partei, Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten und Bayernpartei vertreten. Parteien des rechten Randes des politischen Spektrums waren danach, von zwei einzelnen Abgeordneten der Republikaner im Bundestag 1985 bis 1987 und einem Abgeordneten 1995 bis 1998 abgesehen, nie wieder im Deutschen Bundestag vertreten. Sie wurden allerdings als Unionsverteter gewählt und wechselten erst später zu den Republikanern. Auf Landesebene konnten Parteien des rechten Randes zeitweise in Parlamente einziehen. Eine relative Blütezeit erlebten sie Ende der 1960er und seit der Wiedervereinigung. Vom Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Bestrebungen beobachtetet werden zum Beispiel Die Republikaner. Eine Wesensverwandschaft mit dem Nationalsozialismus schreibt der Verfassungsschutz der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands zu, die im Rahmen des sogenannten „Deutschlandpakts“ mit der ebenfalls als rechtsextrem geltenden Deutschen Volksunion zusammenarbeitet. Vorrangig in den Neuen Bundesländern ist die dem „rechtskonservativen“ Spektrum zugeordnete Deutsche Soziale Union aktiv.
[Bearbeiten] Andere
Es gibt zahlreiche regionale Parteien und „Splitterparteien“, deren politischer Einfluss auf Bundesebene aber durch die Sperrklausel der Fünf-Prozent-Hürde in der Regel auf außerparlamentarische Aktivitäten beschränkt ist. Die Ausnahmeregelung, über Direktmandate in den Bundestag einzuziehen, ist für diese ebenso fast unmöglich. Im Landtag von Schleswig-Holstein ist jedoch aufgrund einer Sonderregelung für die dänische Minderheit der Südschleswigsche Wählerverband gesetzlich von der Fünf-Prozent-Hürde befreit.
In der Geschichte der Bundesrepublik gab es zwei Parteiverbote: Gegen die Sozialistische Reichspartei 1952 und die Kommunistische Partei Deutschlands 1956. Ein Verbotsantrag gegen die NPD scheiterte 2004 vor allem wegen Koordinationsfehlern beim Bundesamt für Verfassungsschutz und den Verfassungsschutzämtern der Länder.
Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen – mehr oder weniger selbständig – Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), ['solid] (Die Linkspartei.) sowie die Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen).
Bei den Wahlen zu Kommunalparlamenten kandidieren neben Parteien auch unabhängige Wählergruppen.
Siehe auch: Politische Parteien in Deutschland, Geschichte der Parteien in Deutschland, Politisches Spektrum, Bundestagswahl 2005
[Bearbeiten] Außenpolitik
Die wichtigsten Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europäische Integration. Deutschland hat am Aufbau europäischer Organisationen einen entscheidenden Anteil; Ziel war dabei auch, den Nachbarn Angst vor Deutschland zu nehmen und die Beschränkungen durch die Besatzungsmächte überflüssig zu machen. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen Verträge, den Grundstein für die heutige Europäische Union. Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.
Während des Kalten Kriegs war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. Militäreinsätze im Ausland kamen nicht in Frage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und Bündnisverteidigung. Durch die der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte Ostpolitik unter der Devise Wandel durch Annäherung, die zunächst von wichtigen Verbündeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenständige politische Akzente gesetzt werden. Später wurde diese Politik als erfolgreich angesehen.
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine außenpolitischen Grundsätze erweitert und einen Weg zu größerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbündeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden Einsätzen auch außerhalb Deutschlands und des Territoriums der Nato-Verbündeten teil (Out-Of-Area-Einsätze).
Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die Wirtschafts- und Währungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen.
Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien.
Die Bundesregierung lehnte den Irak-Krieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren für die politische Stabilität des gesamten als fragil eingestuften Raumes fürchtete. Dafür wurde sie von wichtigen Verbündeten stark kritisiert. Zusammen mit den Verbündeten Großbritannien und Frankreich bemüht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die Weiterführung seines Atomprogramms zu verzichten.
Die Bundesregierung strebt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbündeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So würden zwar Frankreich und Großbritannien die G4-Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsätzlich unterstützen; jedoch beziehen die USA zu einem deutschen Sitz bisher keine Stellung.
[Bearbeiten] Militär
Hauptartikel: Bundeswehr
Nach ihrer Gründung 1949 hatte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine eigenen Streitkräfte. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der als aggressiv empfundenen sowjetischen Politik in Osteuropa trat die Bundesrepublik 1955 der NATO bei und stellte Streitkräfte auf. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert.
Die als Bundeswehr bezeichnete militärische Gesamtorganisation besteht aus den Streitkräften und ihrer Verwaltung. Die Streitkräfte gliedern sich in die Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine und die unterstützenden Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst.
In der Bundeswehr dienten im April 2005 257.000 Soldaten und 125.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt 6,2 % der Soldaten (Stand 2005). Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2006 27,9 Milliarden Euro für die Bundeswehr aus, was einen Anteil von ca. 1,3 Prozent am BIP entspricht. Dies liegt unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedsstaaten von 2,3 Prozent.
Es besteht grundsätzliche Wehrpflicht für Männer, deren Dauer neun Monate beträgt. Alternativ kann als Ersatz ein Zivildienst (Dauer ebenfalls neun Monate), ein Auslandsjahr (zwölf Monate) oder eine mindestens sechsjährige Mitarbeit im Katastrophenschutz oder in der Feuerwehr abgeleistet werden.
Auf dem US-Stützpunkt Ramstein und dem Luftwaffenstützpunkt Büchel (in Rheinland-Pfalz) sind heute noch 150 US-amerikanische Atombomben[8] stationiert, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.
[Bearbeiten] Polizei und Geheimdienste
Siehe die Hauptartikel Polizei (Deutschland), Bundespolizei (Deutschland), Bundesnachrichtendienst, Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst.
Im weiteren Sinne auch: Bundeszollverwaltung, Zollkriminalamt, Zollfahndungsdienst und Wirtschaftskontrolldienst.
[Bearbeiten] Geschichte
Siehe auch Deutschland (Etymologie), Geschichte Deutschlands, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und Geschichte der DDR.
[Bearbeiten] Frühgeschichte und Antike
Die ältesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. In Deutschland existieren bedeutende Fundstätten aus der Urzeit: Nach dem Neanderthal in Mettmann ist der frühe menschliche Vertreter der Gattung Homo sapiens neanderthalensis, dem Neanderthaler, benannt. Diese wurden vor etwa 40.000 Jahren von dem zugewanderten Homo sapiens sapiens, dem modernen Menschen, verdrängt. In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 vor Christus in dieser Region Astronomie betrieben wurde.
Erste schriftliche Erwähnung finden keltische und germanische Stämme bei den Griechen und Römern in der vorchristlichen Zeit. Um 500 vor Christus war das heutige Süddeutschland keltisch und das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte südwärts, so dass um Christi Geburt die Donau die ungefähre Siedlungsgrenze zwischen Kelten und Germanen war. Hierdurch gelangten keltische Orts- und Gewässernamen sowie keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten.
Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins sowie südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania Superior, Germania Inferior und Raetia. In diesem Gebiet gründeten die Römer viele Legionslager, die sich später zu Städten entwickelten. Wichtigste Städte zu römischer Zeit waren Köln, Trier (die älteste Stadt Deutschlands), Mainz und Augsburg. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, führten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und Militär ein. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens verfasste der römische Schreiber Tacitus im Jahr 98.
[Bearbeiten] Völkerwanderung und Frühmittelalter
Nach dem Einfall der Hunnen 375 und zeitgleich mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen Stämme immer weiter nach Südwesten zogen. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschland wanderten am Ende der Spätantike im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische Stämme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen Bundesländer waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprägt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Sprachforscher schätzen, dass etwa ein Drittel der heutigen deutschen Familiennamen slawischen Ursprungs sind. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas wurde vom Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen beherrscht.
Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen unter Karl dem Großen erstreckte sich das Frankenreich bis zur Nordsee, der Eider und dem heutigen Österreich. Auf dem Höhepunkt der fränkischen Macht stellte Karl der Große einen Anspruch auf die Führungsmacht in Europa. 800 ließ er sich in Rom zum Kaiser krönen. Doch die Einheit seines Reiches währte nicht lange: Streitigkeiten unter seinen Nachfolgern bewirkten im Vertrag von Verdun (843) die Dreiteilung des Reiches in das ostfränkische Reich unter König Ludwig Germanicus (später: … dem Deutschen), das westfränkische Reich unter König Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars I., das den Namen Lotharingien erhielt. Das ostfränkische Reich bildete den groben geografischen Rahmen für das später entstehende Deutsche Reich.
[Bearbeiten] Heiliges Römisches Reich (962–1806)
Hauptartikel: Heiliges Römisches Reich
Als traditioneller Beginn der deutschen staatlichen Tradition wird oft der 2. Februar 962 angesehen, an dem Otto I. als erster ostfränkischer König in Rom zum Kaiser gekrönt wurde und damit das Heilige Römische Reich begründete. Als Anfang wird aber auch das Jahr 911 genannt, der Regierungsantritt Konrads I. als erster nicht-karolingischer Herrscher in Deutschland. Früher wurden auch der Vertrag von Verdun bzw. die Straßburger Eide von 843 genannt. Im 10. Jahrhundert wurde erstmals für das bisherige ostfränkische Reich auch der Terminus regnum teutonicum („Deutsches Reich“) verwandt. Aus dieser Fremdbezeichnung des Reiches entstand später die Bezeichnung Deutschland.
Die fränkischen Teilreiche waren schon zuvor unterschiedliche Wege gegangen: Während sich das ehemalige Westfränkische Reich, dessen romanisierte fränkische Bewohner, mit der Zeit zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das ostfränkische Reich durch Territorialfürsten geprägt, die den Kaiser wählten und dadurch ihre Partikularinteressen geltend machen konnten. Obwohl die Kaiser des römisch-Deutschen Reiches wiederholt versuchten ihre Position zu stärken, blieb das Reich ein Verband souveräner großer, mittelgroßer und vieler Klein- und Kleinstterritorien sowie Freier Reichsstädte. Nach der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg, dem nach Opferzahl relativ zur Gesamtbevölkerung Deutschlands fatalsten Krieg, hatte der Kaiser nur noch eine überwiegend formale Machtstellung.
Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die Zentralgewalt, sondern einzelne (Landes-)Fürstentümer zu bürokratisch organisierten, modernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Dauerrivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist (Aufgeklärter Absolutismus).
Der Name des Heiligen Römischen Reiches änderte sich über die Jahrhunderte mehrfach. So wurde es im 12. Jahrhundert noch als „Heiliges Reich“ bezeichnet, ab Mitte des 13. Jahrhunderts als „Heiliges Römisches Reich“ und ab dem 15. Jahrhundert als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation.
[Bearbeiten] Vielzahl deutscher Staaten (1803/1806–1871)
Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoléon I. in seinen Eroberungskriegen Mitteleuropa überrannte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des faktisch nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, musste die Reichskrone auf Druck des französischen Kaisers ablegen. Unter Napoléon war zwischen 1803 und 1806 die Anzahl der Staaten im Gebiet des "Alten Reiches" von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. Flächenmäßige Nutznießer dieses Prozesses waren vor allem Preußen, Bayern, Württemberg und Baden. Die neuen Staaten waren teilweise im von Napoléon geschaffenen und kontrollierten Rheinbund vereinigt.
Nach der Niederlage Napoléons restaurierte der Wiener Kongress (1814-1815) weitgehend die alten monarchischen Herrschaftsverhältnisse. Im Deutschen Bund, einem von Österreich und Preußen dominierten Staatenbund, organisierten sich 38 Staaten. Der Bundestag, mit Sitz in Frankfurt am Main, bildete das Entscheidungsgremium. 1833/34 wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem das wiedererstarkte Preußen dominierende Macht war.
In der Ära des Vormärz bewahrte der Hochadel mit Hilfe einer in den Karlsbader Beschlüssen gipfelnden, konsequent betriebenen Repression und Restauration seine Macht. Das wirtschaftlich weiter erstarkende Bürgertum forderte jedoch weiter Teilhabe an der politischen Macht. Im Oktober 1817 trafen sich Professoren und Studenten zum Wartburgfest. „Höhepunkt“ war die Verbrennung von Werken von Autoren, die gegen einen deutschen Staat waren, wie zum Beispiel Otto von Kotzebue. Zum später so genannten Hambacher Fest trafen sich 1832 30.000 Menschen aus vielen Bevölkerungskreisen und Staaten. Dort wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold gehisst, die später zu den Nationalfarben wurden.
Am 1. März 1848 begann mit der Besetzung des Ständehauses des badischen Landtags in Karlsruhe die Märzrevolution. Bis zum Ende der Märzrevolution kam es immer wieder zu militärischen Ausschreitungen. Die Märzrevolution fand im Deutschen Bund und den nicht bundesangehörigen Teilen des österreichischen Vielvölkerstaates und Preußens statt. Durch Aufstände der Bürger mussten viele konservative Politiker ihren Platz räumen, unter ihnen der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, der noch im Wiener Kongress die Monarchie nach Napoléons Abtreten mitrestauriert und die Epoche seitdem geprägt hatte. Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse in Berlin seit dem 6. März 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zunächst nach, machte Zugeständnisse und akzeptierte vorerst die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Die von jener ausgearbeitete Paulskirchenverfassung, die Deutschland in eine geeinte konstitutionelle Monarchie umgewandelt hätte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bürgerliche "Lumpenkrone" bezeichnete.
Am 23. Juli 1849 wurden nach der Einnahme von Rastatt durch erbitterten Einsatz der preußischen Truppen die badische Revolution und die Märzrevolution beendet.
Schon bald nach der gescheiterten nationalen und liberalen Märzrevolution von 1848/1849 kam es zur Kollision Preußens mit der Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zum Preußisch-Österreichischen Krieg (euphemistisch später auch "Deutscher Krieg") von 1866 führte. Nachdem Preußen diesen Krieg für sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes, zur Annexion seiner norddeutschen Kriegsgegner und dadurch zu einer weiteren Schrumpfung der Zahl von Staaten im heutigen Deuschland.
[Bearbeiten] Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
Die anschließende Gründung des Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung leitete die sogenannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Intention Bismarcks auf eine staatliche Einigung deutscher Einzelstaaten unter der Hegemonie Preußens ohne die damalige Großmacht Österreich. Das Deutsche Reich wurde nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen.
Mit der Reichsgründung wurden Gebiete eingegliedert, die noch nie oder lange nicht mehr zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehört hatten, sondern außerhalb des Reiches lagen. Dazu gehörten West-, Ostpreußen und Danzig, das überwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat (deutsch- und französischsprachige) Teilgebiete der Regionen Lothringen (nördliche und östliche Teile) und Elsass (ohne Belfort) ab, welche als direkt von der Zentrale verwaltetes „Reichsland Elsass-Lothringen“ ohne Gliedstaatrechte konstituiert wurden.
Als „ideeller Begründer des Deutschen Reiches“ wurde Otto von Bismarck, dessen vorrangiges Ziel die langfristige Hegemonie Preußens war, erster Reichskanzler. Seine antidemokratisch-konservative Grundhaltung verhinderte allerdings die Reichseinigung unter demokratischen Bedingungen und schuf die Voraussetzung dafür, dass in Deutschland Nationalismus und Demokratie einander fremd wurden. Er führte einen wenig erfolgreichen Kampf gegen die katholische Kirche im sogenannten Kulturkampf und danach einen weiteren gegen die Sozialdemokratie (siehe Sozialistengesetze).
Den Kampf gegen die Sozialdemokratie versuchte er mit der Sozialgesetzgebung abzufedern. Seine aggressiv-kriegerische Außenpolitik änderte sich ab der Reichsgründung zu einer Bündnispolitik, die basierend auf der Isolierung Frankreichs und der Saturiertheit Deutschlands ein vertraglich geregeltes defensives Bündnissystem in Europa schuf, wodurch eine halbhegemoniale Stellung des Reiches und Frieden in Europa gesichert wurden. Bismarck sah in Kolonien eine Gefahr des Status Quos in Europa. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Kolonialpolitik deutscher Kaufleute führten trotzdem dazu, dass eine Gruppe auf der Berliner Kongo-Konferenz Deutschland 1884 sich bei der Teilung Afrikas Gebiete zusprach und damit in den Kreis der Kolonialmächte eintrat, nachdem schon in den frühen 1880er Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten.
Im „Dreikaiserjahr“ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht, der schon 1890 Bismarck zum Rücktritt zwang und die Außenpolitik in Richtung konfrontaler Großmacht- und Weltmachtpolitik änderte. Durch den neuen Kurs isolierte sich das Reich selber und ein neues Bündnissystem entstand. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand löste im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg aus. Mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, rund 800.000 Zivilisten starben an Hunger.
[Bearbeiten] Weimarer Republik (1919–1933)
Hauptartikel: Weimarer Republik
Mit der deutschen Kapitulation 1918 und der Novemberrevolution endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch die Monarchie im Deutschen Reich (wie auch in Österreich-Ungarn). Im Vertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen sowie Reparationen festgelegt, die über einen Zeitraum von 80 Jahren gelten sollten. Der Vertrag bedeutete für Deutschland eine Demütigung, die den Revanchegedanken Frankreichs – ausgelöst durch dessen Erniedrigung knapp 50 Jahre zuvor – umsetzte.
Bereits unmittelbar nach der Abdankung des Kaisers wurde am 9. November 1918 die Republik ausgerufen. Die Regierung bildete zunächst der Rat der Volksbeauftragten, unter dessen Verantwortung die Weimarer Verfassung ausgearbeitet wurde, die am 11. August 1919 in Kraft trat. Die Hypothek der Reparationszahlungen belastete von Beginn an das politische Klima der jungen Republik. Die von rechtsextremen Kräften verbreitete Dolchstoßlegende führte zu zahlreichen politischen Morden und Putschversuchen, von denen die wichtigsten der Kapp-Putsch 1920 und der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 waren. Wichtige Vertreter der demokratischen Kräfte wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau starben im Kugelhagel extremistischer Attentäter. Der erste Reichskanzler Philipp Scheidemann überlebte einen Anschlag nur knapp.
Zugleich verschärfte sich die wirtschaftliche Lage dramatisch. Die hohen Reparationszahlungen, die durch die Notenpresse bedient wurden, und die Konfiszierung von Rohstoffen durch französisches Militär kulminierten 1923 in einer Hyperinflation. In der Folge kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, dem sogenannten Ruhrkampf. Die demokratiefeindlichen Tendenzen nahmen derart zu, dass man schon bald von einer „Demokratie ohne Demokraten“ sprach. Erst Mitte der 1920er Jahre erholte sich die Konjunktur, worauf sich auch die politische Stimmung verbesserte. In den kurzen „goldenen Zwanzigern“ blühte auch die Kultur auf und das mittlerweile über vier Millionen Einwohner zählende Berlin wurde zu einer der dynamischsten Städte Europas.
Ein jähes Ende erfuhr die Prosperität im Gefolge des Schwarzen Freitags, als durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Zu deren Höhepunkt 1932 gab es in Deutschland mehr als sechs Millionen Arbeitslose, die größtenteils in Elend lebten. In der Folge fanden extremistische Parteien noch stärkeren Zulauf als zuvor, so dass es für die gemäßigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten 1930 verfügten die Reichskanzler, die in rascher Folge wechselten, über keine parlamentarische Mehrheit mehr und regierten mit Hilfe von demokratisch nicht mehr legitimierten Präsidialkabinetten. Der Reichspräsident Paul von Hindenburg setzte seine Befugnis um, den Reichskanzler ohne Zustimmung des Parlamentes zu ernennen. Gesetze wurden nur noch per Notverordnung erlassen.
Auf den Straßen fanden immer häufiger gewalttätige Zusammenstöße zwischen den erstarkenden Kommunisten und Nationalsozialisten, was zu einem Gefühl großer Unsicherheit in der Bevölkerung führte. Die gleichzeitige Massenarbeitslosigkeit ließ Rufe nach einem starken Mann lauter werden, der an die guten Jahre des Kaiserreichs wieder anknüpfen sollte. Verschärft wurde die Stimmung durch die demokratiefeindliche Agitation von